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Acher-Rench-Zeitung - Lokales, 20.12.11
    Collegium musicum beendete sein Jubiläumsjahr mit glanzvollem Weihnachtskonzert

Der junge, international bekannte Pianist Aimo Pagin begeisterte das Publikum in der Erwin-Braun-Halle.

 

Oberkirch. Das Abschlusskonzert des Jubiläumsjahres „90 Jahre collegium musicum Oberkirch“ war ein gehaltvolles, strahlendes, sinnenfreudiges Fest. Prof. Jochen W. Lemme ist mit dem Orchester ein Wurf gelungen, der noch lange nachhallen wird, so beschwingt und so tief war das Erlebnis Wiener Klassik. Die Sinfonie Nr. 35, D-Dur, (Haffner) von Wolfgang Amadeus Mozart, das Klavierkonzert Nr. 5, Es-Dur, von Ludwig van Beethoven, die Sinfonie Nr.6, C-Dur, von Franz Schubert sind vertraute Bekannte der klassischen Konzertliteratur und dennoch berührte das Weihnachtskonzert des Orchestervereins bewegend tief, denn die Musik riss einem gleichsam hinein in stürmische Winde und sprühende Gluten und besänftige einem wohltuend in kühlen, linden Lüftchen und erfrischenden Gewässern.

 

Wie kam dieses packende Erleben zustande? Die Werkauswahl war hervorragend geeignet, das Jubiläumsjahr ausklingen zu lassen: Die Musik war von solcher kompositorischer Qualität, dass sie trotz häufiger Aufführungen seit 200 Jahren ihre Frische nicht verloren hat. Sie spiegelte Lebensfreude mit einer Natürlichkeit, jeder aufgesetzter Effekthascherei fern, dass die Seele in ihrem Innersten berührt wurde. Das Orchester besaß eine technische Qualität und eine musikalische Neugierde, die eine sehr hohe Interpretationsqualität ermöglichte. Und schließlich hatte es in Aimo Pagin einen Meister am Klavier, der den Flügel zum sprudelnden Klangquell machte, der mit seismographischer Genauigkeit die aufgeladene und empfindsame Gefühlswelt spiegelte.

Ja, das 5. Klavierkonzert von Beethoven spannte den Bogen über dramatisch aufzischende Wellen und im silbrigen Dämmerlicht glänzende, glatte Wasserspiegel. Aimo Pagin verfügte über die Fingertechnik und Kraft, das zierliche Quirlen, die rauschenden Arpeggien und die strahlenden Themen mit gekonntem Ausdruck darzustellen. Er bestimmte vorteilhaft seinen Freiraum innerhalb des Orchesters und störte dennoch das Zusammenspiel in keinster Weise.

Unvergesslich schön leitete das Orchester den 2. Satz ein, so zart berührend, so zerbrechlich intim. Das Klavier konnte sich wunderbar in diese berauschende Stille hineinversenken. Überhaupt gestaltete Jochen Lemme den Orchesterpart hervorragend. Klangfarben und Lautstärkegrade waren fein abgestimmt, die schwierigen Einsätze und Rhythmusfiguren gelangen und hielten die Musik auf gutem Kurs.

Das Publikum spendete so begeisterten Beifall, dass Aimo Pagin sich mit einer Zugabe bedankte, mit einem „Lied ohne Worte“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy, mit einer Perle des Klavierspiels.

 

Bevor das Beethoven Klavierkonzert erklang, hatte bereits die Haffner-Sinfonie von W. A. Mozart den Boden bereitet. Dieses wunderbare, sehr oft gespielte Werk strahlte Frische aus und wirkte an keiner Stelle abgedroschen. Das Orchester setzte die Striche sehr exakt, konnte in kunstvoller Schnelligkeit Tonfolgen erzeugen und musikalische Gedanken leicht transportieren. Mozarts sprichwörtliche Heiterkeit kam sehr gut zum Ausdruck wie auch sein genialer Einfallsreichtum.

 

Auch die 6. Sinfonie von Franz Schubert erhielt eine hervorragende Interpretation. Neben den bereits beschriebenen Streicherqualitäten bestimmten hier noch mehr als bei Mozart Bläserklänge das musikalische Bild. Welch herrliche Holzbläser! Welch ein Hörnerklang! Für das Publikum war es auch interessant zu beobachten, wie Franz Schubert seine fast volkstümlichen Melodien variiert und die Tonverwandtschaften gegenüber Mozart und Beethoven genussvoll ausweitet.

 

So viel freudiger Umgang mit Musikbausteinen weckte große Begeisterung. Jochen Lemme kündigte, nicht ohne schnippischen Unterton, eine Zugabe aus einer im collegium musicum jahrzehntelang gepflegten Tradition an: Das Orchester spielte Auszüge aus dem Weihnachtskonzert von Arcangelo Corelli und erreichte in seinem wunderbaren Concertino und Ripieno einen gelungenen weihnachtlichen Konzert-Abschluss.

 

Autor: Kurt Bayer 

Acher-Rench-Zeitung - Lokales, 04.08.11
    Beethovens Neunte erspielte Gewinn

Collegium musicum spendet 2.000 Euro aus Jubiläumskonzerten an Förderverein für krebskranke Kinder

 
Mit einem großen Konzert feierte das collegium musicum Oberkirch Ende Juli in der Nußbacher Kirche St. Sebastian sein 90-jähriges Jubiläum. Der bei der Veranstaltung erzielte Gewinn in Höhe von 2.000 Euro kommt dem Förderverein für krebskranke Kinder zugute.

 

Lemme+Rendler+Bluemel.jpg

 

Oberkirch-Nußbach. Zum 90. Bestehen des collegium musicum Beethovens neunte Sinfonie zu spielen, das war ein großer Wunsch, den Jochen W. Lemme hegte. Der Leiter des Orchesters scheute keine Mühe, um den Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen. Es sollte ein großes, wenn nicht gar einmaliges Klangerlebnis werden, das in dieser Weise Seltenheitscharakter hat. Das Projekt gelang: 139 Musiker folgten dem Ruf des collegium musicum und verwandelten die Nußbacher Kirche St. Sebastian an zwei Abenden in einen Konzertsaal.


»Zum ersten Mal in 14 Jahren war ich zu hundert Prozent von der Leistung des Orchesters überzeugt«, sagte der sichtlich zufriedene Leiter des Orchesters nun anlässlich der Spendenübergabe an den Förderverein für krebskranke Kinder. Von Beginn des Projekts sei geplant gewesen, den Erlös aus der Veranstaltung an den Förderverein zu spenden – vorausgesetzt, die Gewinnzone werde überhaupt erreicht, betonte Winfried Blümel, Vorsitzender des Orchestervereins collegium musicum.


Musiker bezahlen
Das Unterfangen, wenigstens die Ausgaben für die Konzerte zu decken, stellte sich als gar nicht so leicht dar: Das collegium musicum ist als reines Streichorchester aufgestellt. »Kosten im mittleren fünfstelligen Bereich« seien angefallen, um die weiteren, für das Spielen von Beethovens Neunter erforderlichen Musiker, zu engagieren, betonte Blümel vorsichtig. Der Großteil des Geldes sei für die Honorare der Musiker fällig gewesen, die engagiert werden mussten, um »eine der schwierigsten Partien zu singen, die es gibt«, wie Lemme hervorhob.


Drei Proben waren notwendig, um den Solisten und Musikern Sicherheit für die Konzertauftritte zu geben. »Die Chance, Beethovens Neunte zu singen, bekommt man als Sänger vielleicht ein bis zwei Mal im Leben, verdeutlichte Lemme die Herausforderung des Projekts. Allen an der Organisation der Konzerte Beteiligten sei deshalb bis zuletzt die Unsicherheit ins Gesicht geschrieben gewesen, ob die Konzertabende tatsächlich auch hinsichtlich der Besucherzahlen ein Erfolg werden würden, blickte Lemme zurück.


Die lange Schlange vor der Abendkasse machte dann jedoch die Bedenken aufgrund des eher schleppend  angelaufenenVorverkaufs zunichte. »Es war eine gute Quote«, freute sich Blümel über den letzten Endes mit 1100 von 1200 möglichen Gästen gefüllten Kirchenraum.

 

Nicht profitorientiert
Rund 2.000 Euro Gewinn erwirtschaftete das collegium musicum letztendlich durch die Konzerte. Der Verein als solcher sei jedoch kein profitorientiertes Unternehmen, stellte Blümel fest und überreichte die Summe an Bernd Rendler, den stellvertretenden Vorsitzenden des Kuratoriums. Neben dem musikalischen Genuss habe das Konzert vor allem auch Gelegenheit gegeben, den Menschen das Anliegen des Fördervereins näherzubringen, sagte Rendler.

 

Autor:  Simon Allgeier

Badische Zeitung - Lokales, 29.07.11
    Ein geglückter Hochseilakt

Zum 90. Geburtstag bewältigt der Orchesterverein Oberkirch unter Jochen Lemme Beethovens 9.

 

OBERKIRCH-NUSSBACH. "Seid umschlungen, Millionen! Diesen Kuss der ganzen Welt . . . ", dichtete Friedrich Schiller in seiner Ode an die Freude – und die hat bekanntlich Beethoven für den Finalsatz seiner "Neunten" vertont. Am Wochenende bot der Orchesterverein Oberkirch anlässlich seines 90. Geburtstags in der Kirche des Oberkircher Ortsteils Nussbach diese Neunte dar – und das war mehr als beachtlich. Die Premiere war getragen von leidenschaftlichem Engagement, das in der oben zitierten Zeile ganz und gar treffend ausgedrückt ist.


Natürlich ist die "Ode an die Freude" ein Höhepunkt des Werks. Das jubelnde "Freude, schöner Götterfunken" klang so euphorisch, wie es sein muss, die Stimmen funkelten geradezu durch den Kirchenraum. Es war dieses Funkeln, diese Euphorie, die alle in der Seele hadernden Zweifel hinwegfegte und der Skepsis, dem Missmut keine Chance ließen: "Seid umschlungen, Millionen, diesen Kuss der ganzen Welt …" Ein Empfinden, das den Zuhören packte, davontrug.

Zunächst küssen nur die Männer, spricht die Tenöre und Bässe. Da klingt es noch nach Loge, Zirkel, Freimaurerei, mit viel würdigem Ernst in der Begeisterung. Das hat Beethoven so komponiert und so gewollt. Dann wiederholen die Frauenstimmen die Passage – und nun entsteht Herzenswärme, wird die Welt umarmt, Brüderlichkeit/Schwesterlichkeit ganz ohne männlich-steifen Überbau gefeiert: Wir sind alle Kinder eines Schöpfers . . .


Beweis, dass ein derartiges Werk auch auf regionaler Ebene machbar ist

Der Finalsatz beginnt mit einer Rückblende, aus einer wilden Orchestereinleitung, einer Art musikalische Ursuppe, greift Beethoven wie in Zeitlupe Elemente aus den ersten drei Sätzen auf: das irrlichternde "Ta ta" der Streicher vom Beginn des ersten Satzes, das fröhlich trippelnde, triolenartige Motiv aus Satz zwei, eine schmelzende Melodie aus dem Andante – Schlaglichter, eingebettet in tiefe Streicher. Dann entsteht ganz unvermittelt in den Holzbläsern erstmals klar jene Melodie, die wir heute fast alle kennen: "Freude, schöner Götterfunken . . . " Zu diesem Zeitpunkt war schon längst klar, dass es eine großartige Aufführung ist.

Bereits der ahnungsvolle Beginn, das aus den Streichern aufsteigende Irrlicht-Motiv über einem Sinuston der Holzbläser, das ruckzuck überlagert wird von dramatischen Eruptionen – das war packend. Das Orchester immer zwischen Wucht und Dezenz, Kraft und Geschmeidigkeit. Dirigent Jochen Lemme strukturiert viel über die Dynamik, setzt die Lautstärke mitunter harsch zurück und verlangt ebenso kräftige Crescendi, also das Anschwellen der Lautstärke. Er lenkt damit das Hören. Hier muss das Publikum die Ohren spitzen, Feinheiten erlauschen. Dort lässt Lemme seinen Musikern die Zügel schießen, ballt im Tutti Orchesterkraft zusammen. Die Klangfarben sind sauber gearbeitet, nichts verwischt: Hier Fagotte und Bratschen, dort Klarinetten und Hörner. Ja, das klingt! Das Orchester ist gut besetzt, die Streicher kompakt, beweglich, mit feinem Strich in den leisen Passagen. Holzbläser und Blech sind tadellos, belegen gerade in den leiseren Passagen ihre Qualität. Insbesondere die Hörner sind hier ja einige Male gefordert. Mit rund 150 Mitwirkenden – 71 Instrumentalisten, 69 Choristen, vier Solisten plus Dirigent Jochen Lemme und der Oberkircher Tenor Peter Erdrich, der den Chor einstudiert hat– ist das Projekt gewaltig. Dem Ensemble gilt großes Lob für eine gelungene Aufführung. Lemme und der Orchesterverein Oberkirch beweisen, dass ein derart großes Werk auch auf regionaler Ebene realisierbar ist, ohne künstlerische Abstriche.

 

Autor: Robert Ullmann 

Mittelbadische Presse / Baden Online - Kultur, 26.07.11
    Neunte Sinfonie von Beethoven in der Nußbacher Kirche St. Sebastian

 

Oberkirch-Nußbach. Große Musik, dargeboten mit Können und mitreißender Leidenschaft, erklang zum 90jährigen Jubiläum des collegium musicum Oberkirch. Prof. Jochen W. Lemme, Leiter des Orchesters, hat das Projekt „ Zum 90. Beethovens 9. Sinfonie“ angestoßen, strategisch erfolgreich geplant und musikalisch in vollendeter Weise verwirklicht. In Peter Erdrich hat er einen hervorragenden Stimmpädagogen und Chorleiter gefunden, der den Projektchor in Topform gebracht hat, sodass ein kraftvoll strahlender Chorklang die kontrastreich agierende sinfonische Instrumentalmusik überhöhen und zu einem gewaltigen Schlusspunkt führen konnte. Das Konzert war in der tausendjährigen Geschichte der Nußbacher Kirche „St. Sebastian“ ein kultureller Höhepunkt, denn in der 9. Sinfonie atmet packend der europäische christliche Geist. Auf der Grundlage von Schillers „Ode an die Freude“ kündet er visionär von Freiheit und Brüderlichkeit, von den Grundlagen echter Menschlichkeit, die Freude aller Wesen „an den Brüsten der Natur“ lasse auf einen himmlischen Vater „droben überm Sternenzelt“ schließen. Das Publikum ahnte die besondere Qualität des Ereignisses, der große schmucke Kirchenraum war zweimal fast bis auf den letzten Platz gefüllt.
 
Das Konzert begann mit einer Einführung in das Werk aus der Sicht heutiger junger Menschen. Anna Münchenberg erarbeitete mit Schülern aus dem Abiturjahrgang 2011 des Hans-Furler-Gymnasiums Oberkirch eine beeindruckende, in Rollen aufgeteilte Auseinandersetzung mit dem Werk. Mit Verwunderung stellten die Schülerinnen und Schüler fest, dass Beethoven, dessen Gehör immer mehr nachließ, den Kontakt zur Außenwelt erschwerte und schließlich ganz verstummte, die Vision von Menschlichkeit und Lebensfreude so gefühlsstark darstellen konnte, dass seine 9. Sinfonie weltweit bekannt ist und zu allen Zeiten die Menschen bewegt hat. Die „Benutzung“ dieser Musik im Dritten Reich und in Japan zum Ansporn für die Kamikadze-Kämpfer zeigt, wie gute Emotionen in negative Energie umgewandelt werden können. Heute strahlt die Sinfonie in überwältigender Weise positive Signale aus. Sie wurde gespielt in Berlin beim Fall der Mauer und beim Fest der Wiedervereinigung, und der Schlussteil der Sinfonie ist seit 1972 Hymne der Europäischen Union. Jetzt erklang sie zum 90. Geburtstag des collegium musicum.
 
Beethovens 9. Sinfonie ist kein voluminöses Werk, das publikumswirksam viel Aufwand benötigt und einen Effekt an den anderen reiht. Beethovens 9. Sinfonie ist ein widerborstiges Oeuvre. Es beschwört die Geheimnisse des Lebens, das, was im Verborgenen webt und wirkt, das, was wir selbsternannten Macher nicht im Griff haben. Die Glücksmomente sind zunächst rar und die Wege führen in bzw. über tiefe Abgründe. Die Partitur stellte hohe technische und musikalische Anforderungen. Es galt wirre Motiv- und Themenverarbeitungen zu bändigen und auf Linie zu halten. Jochen Lemme gestaltete mit seinem exzellent vorbereiteten Orchester einen spannenden und glänzenden musikalischen Parcours.
 
Der 1. Satz begann ganz geheimnisvoll und entwickelte sich zu rasch zu einem dynamischen Klangfarbenspiel, in dem die Motive raschen Wandlungen unterworfen waren und in dem angenehme und harte Wirklichkeiten aufeinanderprallten. Am schroffsten waren die Turbulenzen im 2. Satz. Hier sah der Mensch sich als Getriebener aufgewühlt und unbehaust auf der Kampfbühne des Lebens stehen. Die sticheligen Fugatos, die Paukenschläge, die schrille Klangharmonik schufen ein Sinnbild des Chaos. Dagegen gab es auch die Kräfte des Aufbäumens, den Willen zum Durchstehen, ja sogar den Willen zum Siegen. Erst im dritten Satz wurde der Wunsch nach Ruhe und menschlicher Wärme erhört. Das Herz weitete sich, in wunderbar befreiendem Fluss bewegten die Töne sich in einem pluralen Organismus aus Eigenheiten, Gefühlswallungen und verschlungenen Wegen.
 
Der 4. Satz fasste zusammen und hob an, die Botschaft von Lebensfreude, Freiheit und Humanität zu formulieren und auszumalen, die wesentlich den Ruhm dieser Sinfonie ausmacht. Welch eine Erlösung, als das Bassregister zum ersten Mal die Melodie „Freude schöner Götterfunke“ anstimmte! Und nun baute sich eine ungeheueres musikalisches Fest mit Tiefenankerung auf.
Das Solistenquartett Anna-Lena Denk, Sopran, Sarah Alexandra Hudarew, Alt. Sebastian Haake, Tenor, Albrecht von Stackelberg, Bariton, verfügten über Stimmumfang, Schönheit und Kraft, die Freudenfeier mit harmonischem vokalem Glanz zu zieren. Der Projektchor hatte brillante Höhe und strahlte Sicherheit und Begeisterung aus. Orchester und Vokalstimmen vereinigten sich zu einem gewaltigen Klangkörper, der strukturiert blieb. Der Chor war im Orchesterklang immer klar präsent und die Solisten hatten den Raum für ihre ausschweifenden Koloraturen. Die Wucht der Musik traf bis ins Mark.
 
Zum Schluss darf nicht unerwähnt bleiben, dass das Konzert zum 90jährigen Bestehen des collegium musicum Oberkirch nicht nur eine sehr bedeutende Meisterleistung, sondern auch eine hervorragende Gemeinschaftsarbeit war. Das Orchester hatte 71 Plätze besetzt: 49 Streicher, 10 Holzbläser, 9 Blechbläser und 3 Schlagzeuger. Der Chor bestand aus 68 Sängerinnen und Sängern. Die gute Zusammenarbeit von Jochen Lemme und Peter Erdrich trug eine reiche Ernte ein. Aber auch Nußbach wusste, welch bedeutendes Konzert in der Kirche veranstaltet wird. Pfarrer Fehrenbach genehmigte die Veranstaltung, das Pfarrsekretariat und die Mesnerin stellten umfangreich ihre Dienste zur Verfügung. Kirchenchor, MGV und Privatpersonen transportierten Stühle und Bühnenelemente. Der Musikverein bewirtete vor der Kirche und die Feuerwehr stellte Parklotsen. Auch die Gesamtorganisation war eine Meisterleistung, dem Orchesterverein Oberkirch kann zur Geburtstagskonzert aufs herzlichste gratuliert werden.

 

Autor: Kurt Bayer, Photo: Roman Vallendor

Baden Online, 16.07.2011
    Projektchor hat fleißig gearbeitet / 90 Jahre collegium musicum mit Beethovens "Neunter"

Der Endspurt hat begonnen: Der Oberkircher Orchesterverein "collegium musicum" und der Projektchor absolvieren die letzten Proben für Beethovens 9. Sinfonie.

 

Oberkirch. Zum 90. Geburtstag beschenkt der Orchesterverein »collegium musicum« Oberkirch unter Leitung von Dirigent Jochen Lemme sich und sein Publikum mit einem außergewöhnlichen Konzert: Am Samstag, 23. Juli, 20 Uhr, und am Sonntag, 24. Juli, 19 Uhr, erklingt in der katholischen Kirche St Sebastian in Oberkirch-Nussbach Beethovens berühmte 9. Sinfonie.
»Das Stück erfordert den ganzen Einsatz«, berichtet Chorleiter Peter Erdrich, der den Projektchor für den großen Auftritt vorbereitet hat. 100 Sängerinnen und Sänger waren seine Traumvorstellung, 70 sind es schließlich geworden. Seit Anfang Juni bereiten sie sich intensiv auf den 15-minütigen Schluss-chor »Freude, schöner Götterfunken« im vierten Satz der Sinfonie vor.
 
Diese relativ kurze Einarbeitungszeit war jedoch nur möglich, weil die Sänger gewissenhaft ihre Hausaufgaben erledigten, sagt Erdrich. Der Projektchor besteht nicht nur aus erfahrenen Mitgliedern von Chören und Gesangvereinen. Es haben sich auch Talente gemeldet, die nicht regelmäßig singen, aber ein Faible für klassische Musik haben, freut sich der Chorleiter. Es wirken Gesangsstudenten aus Karlsruhe sowie Mitglieder des Freiburger Kammerchors mit. Mit von der Partie ist außerdem der Operntenor Christian Wunsch, der unter anderem im professionellen Schweizer Kammerchor mitsingt.
Die letzten beiden Proben absolvierte der Projektchor bereits zusammen mit dem Orchester. »Es nimmt Formen an«, stellt Peter Erdrich, der im Tenor mitsingt, zufrieden fest. Die Vorbereitungen auf das musikalische Großereignis im Renchtal bedeuten für die Mitwirkenden nicht nur viel Arbeit, sondern auch Freude und Befriedigung.

 

Autor: Gertrud Schley

Mittelbadische Presse - Kultur, 19.04.11
    Frühjahrskonzert wie Leben in Fülle - Guido Heinke, Freiburg, spielte Mozarts bedeutendstes Salzburger Klavierkonzert.

Oberkirch. Das Frühjahrskonzert des Orchestervereins Oberkirch holte die Fülle des sprießenden Lebens in die Sinne der zahlreichen Konzertbesucher. Es war ein hervorragender Start in das 90. Jubiläumsjahr des collegium musicum und die neue städtische Abonnementreihe: Wolfgang Amadeus Mozart war ein Garant dafür, dass die Vielschichtigkeit menschlicher Empfindungen meisterhafte klangbildliche  Entsprechungen fand. Eine nuancenreiche Interpretationskunst des Orchesters und der Solisten führte unter der Leitung von Prof. Joachim Lemme zu großem Feingefühl für die in der Musik differenziert fließenden Seelenströmungen.

 

Das Divertimento F-Dur KV 138 strahlte vom ersten Ton an wie die aufgehende Sonne. Tänzelnde Leichtigkeit und das launige Spiel mit dem Effekt zogen im Allegro wie unverbrauchte Frische in die Glieder. Und dann der Stimmungswandel: Das Andante schritt mit ausladender Ruhe und Ernst dahin, mit langem Atem die beschauliche Seite des Lebens betastend. Im dritten Satz, im Rondo, brach dann wieder die ausgelassene Lebensfreude hervor mit hüpfenden Motiven, spritzigen Fugatos und köstlichem orchestralem Zupfkonzert. Die frühlingshaft sprudelnden Lebensquellen hätten nicht ursprünglicher dargestellt werden können.

 

Es folgte das Klavierkonzert Nr. 9, Es-Dur, KV 271. Der zwanzigjährige Mozart hat hier 1777 in verblüffender Reife sprühendes Leben in Fülle und das geheimnisvolle innere Weben der Lebensfäden dargestellt.  Der Solist Guido Heinkes vermochte die Spannungsbögen zwischen den konträren Empfindungsfacetten wie zum Anfassen zu gestalten. Die perlenden Läufe unbekümmert sprudelnder Energie verformten sich in die Kraft innerer Versunkenheit. Leichtfertiger Übermut wandelte sich zu Bestimmtheit und klarer Gliederung. Während der 1. Satz  vorwiegend das jugendlich brausende Leben versinnbildlichte, türmten sich im Andantino in aufwühlender Weise dunkle Schatten. Sie hatten allerdings nichts Bedrohliches, eher etwas Zerbrechliches an sich, dem unser Leben verhaftet bleibt. Um so unmittelbarer setzte das ungestüme Rondo ein. Das Klavier perlte, die Tempi heizten an, trotzdem blieb der wohltuende Duft eines sehr freien, ungezwungenen Spiels. Guido Heinke interpretierte das umfangreiche Werk auswendig. Er hatte den klaren Überblick, der ihm eine souveräne Phrasierung, Motiv-Zuordnung und -Gestaltung erlaubte. Er fühlte sich sichtlich wohl im Zusammenspiel mit dem Orchester, das einen dynamischen Dialog mit ihm führte. Das letzte und bedeutendste der Salzburger Solokonzerte entfaltete so seinen Gedankenreichtum und seine Klangfarben aufs beste.

 

Auch die „Serenata Notturna D-Dur, KV 239, setzte den künstlerischen und Stimmungs-Höhenflug fort. Wieder verband sich musikalischer Spaß mit höchster Artistik. Das orchestereigene Quartett, das den zweiten Orchesterpart übernommen hatte, glänzte mit Virtuosität und Spielfreude. Die heitere Leichtigkeit, mit der Solisten und Orchester musizierten und die die Tücken der Spieltechnik völlig verdeckte, verbreitete uneingeschränkt Wohlbefinden.

 

Der letzte Programmpunkt „Ein Musikalischer Spaß“, C-Dur, KV 522 gehörte zu der Art Musik, die eine gewisse Rätselhaftigkeit beinhaltet und dementsprechend auch in ihrer Wirkung spaltet. Es war frappierend, wie sehr Musik, die keine zündenden Einfälle beherbergt, flach und hilflos erscheint. Dass Mozart so etwas „als Spaß“ geschrieben hat, setzte schon in Staunen. Als am Schluss auch noch die Harmonik außer Gefecht gesetzt wurde, hatte die Folge der Peinlichkeiten ihre Konsequenz erreicht. Wenn man allerdings den Humor nicht verlor, hatte man bei der Wiedergabe dieser „Sondernummer“ im Mozartschen Oeuvre doch Beobachtungen, die einen schmunzeln ließen. Es hatte etwas heiter Komisches an sich, dass, so sehr sich die Musikerinnen und Musiker auch abmühten, alle Anstrengungen vergebens waren, es stellte sich kein ergreifendes Musikerlebnis ein. Eine Erfahrung, die Prof. Jochen Lemme sicherlich provozieren wollte.

 

Autor: Kurt Bayer

Pressemitteilung im April 2011
    Frühjahrskonzert des Orchestervereins collegium musicum

 

Der Orchesterverein collegium musicum Oberkirch e.V. eröffnet im Rahmen der städtischen Abonnementreihe den musikalischen Frühling am Samstag, 16. April um 20:00 Uhr in der Erwin-Braun-Halle in Oberkirch. Das Konzertpublikum erwartet ein leichtes, fröhliches Konzert, geprägt auch durch den Schwung der vielen jugendlichen Mitspieler, die durch die Musikpädagogen der Musik- und Kunstschule Achern/Oberkirch hervorragend ausgebildet und an das Orchester herangeführt werden.

 

Der Stamm der Mitspieler kommt aus einem großen Einzugsbereich zwischen Baden-Baden und Lahr und von Kehl bis ins Kinzigtal. Sie bilden das Rückrat des Orchesters. Die jüngste Spielerin ist 15 Jahre jung, die Älteste 81 Jahre. So musizieren in dem Laienorchester insgesamt drei Generationen Gleichgesinnter harmonisch miteinander.

 

Die Wurzeln dieses Orchesters reichen weit zurück bis ins Jahr 1921. Damals gründeten begeisterte Musiker einen der traditionsreichsten Vereine Oberkirchs. Das collegium musicum bereichert bis heute Jahr für Jahr das Kulturleben der Stadt und ist aus dem Musikleben der Stadt und der Region nicht mehr wegzudenken.

 

Die jüngste Erfolgsgeschichte des Orchesters begann vor 13 Jahren, als Prof. Joachim Lemme die musikalische Leitung des Orchesters übernahm. Zusammen mit den professionellen Lehrern der Musikschule, die als Stimmführer mitwirken, formte er im Laufe der Jahre einen Klangkörper, dessen Repertoire heute bis in die große, spätromantische Literatur reicht. Die positive Entwicklung des Orchesters trägt Früchte: Praktisch jedes der Konzerte ist ausverkauft.

 

Das Programm des Frühjahrskonzertes ist ausschließlich dem Klassiker Wolfgang Amadeus Mozart gewidmet. Vier Früh- und Spätwerke stehen auf dem Programm. Eröffnet wird es mit der „Salzburger Sinfonie“ F-Dur, KV 138. Es geht weiter mit einem der schönsten Klavierkonzerte, dem Klavierkonzert Nr. 9 F-Dur, KV 271, bekannt unter dem Namen „Jeunehomme-Konzert“. Als Solist konnte Guido Heinke von der Musikhochschule Freiburg gewonnen werden. Dass die Stimmführer des collegium musicum hervorragende solistische Leistungen produzieren, beweisen diese im zweiten Teil des Konzertes. Denn sowohl in der „Serenata Notturna D-Dur, KV 239 als auch und besonders im „Musikalischen Spaß“ KV 522 werden hohe solistische Anforderungen an die Musikerinnen und Musiker des Orchesters gestellt.

 

Eintritt: 16 Euro auf allen Plätzen (Vorverkauf und Abendkasse)

Vorverkauf: Bürgerbüro Oberkirch, 07802 82-700 und www.ortenaukultur.de

 

Stadt Oberkirch, Sandra Huber

Mittelbadische Presse / Baden Online - Kultur, 02.03.11
    »Zum 90. geht nur die Neunte« Das »collegium musicum« Oberkirch feiert im Juli sein Jubiläum mit Beethovens Sinfonie und einem Projektchor

02.03.2011 - Oberkirch. »Zum 90. die 9.« – das war die spontane und vielleicht nicht ganz ernst gemeinte Idee von Dirigent Jochen Lemme, als sich der Orchesterverein »collegium musicum« daran machte, seine Jubiläumsfeier zu planen Was als halber Scherz gemeint war, wurde von den Mitgliedern begeistert aufgenommen, sagt Vorstand Winfried Blümel schmunzelnd. »Die Musiker bekamen leuchtende Augen«.
Und nun ist es so weit: Die Planungen sind abgeschlossen, der Ernst beginnt. Denn die »Neunte« braucht einen Chor. Einen Projektchor genauer gesagt, der in der Verantwortung von Chorleiter Peter Erdrich liegt. Eine große Verantwortung, denn bereits am 23. und 24. Juli soll das Werk aufgeführt werden. Bis zum 1. Juni muss der Chor stehen, die »Ode an die Freude« sitzen, damit man dann in die Proben mit dem Orchester einsteigen kann.

Sänger gesucht
»Traumhaft wären 100 Sängerinnen und Sänger«, sagt Erdrich. Die gilt es zu finden. Ein Aufruf im Internet hat bereits einige Interessenten angesprochen, wie Jochen Lemme verrät. Gesucht werden Sängerinnen und Sänger, die über Chorerfahrung verfügen oder über sängerische Erfahrung mit klassischer Musik, die vorzugsweise ein Instrument spielen, also Noten lesen können, so der Oberkircher Sänger, Gesanglehrer und Chorleiter Erdrich.
Erwartet werde, dass sich die Chormitglieder daheim gewissenhaft selbst vorbereiten, um das häusliche Einüben der eigenen Chorstimme zu erleichtern, stehe eine Übe-CD zur Verfügung, verspricht Erdrich. Dieses private Einüben sei das A und O. Immerhin gibt es nur wenig Probezeit, um den 15-minütigen Schlusschor »Freude, schöner Götterfunken« im vierten Satz der Sinfonie zu perfektionieren

...

Aber warum ein Projektchor? Die Chorlandschaft in der Ortenau ist schließlich, wie Lemme, Blümel und Erdrich betonen, sehr ausgeprägt. Die Entscheidung sei bewusst, sagt Lemme. Unter anderem, um möglichst vielen talentierten Sängerinnen und Sängern eine Chance zu geben. Zum anderen hat es auch pragmatische Gründe, so Blümel: »Kein Chor verfügt über so viele Mitglieder, wie wir für dieses Stück brauchen«. Da sei es sinnvoller, gleich einen Projektchor zu formen.
Für den Laien scheint es verwunderlich, dass für einen 15-minütigen Auftritt derartig viel Vorarbeit zu leisten ist. Für die Fachleute allerdings nicht. »Die Schwierigkeit liegt nicht im Notentext. Die Anforderungen an die Stimme sind enorm«, erklärt Erdrich. Immerhin werde in der Originalhöhe gesungen, selbst an die Bässe stelle das große Herausforderungen. Und noch einmal die Laienfragen: Warum muss es dann in der Originalhöhe gesungen werden? »Wie anders kann man es denn singen als im Original? Alles andere wäre eine Schande«, sagt Dirigent Lemme.
Der Grund dafür, dass man das Jubiläum mit Beethovens 9. Sinfonie feiert, hat nicht nur etwas mit dem passenden Liedtext zu tun: »Freude, schöner Götterfunken«. »Es ist die Qualität und die Größe dieses Werkes«, erklärt Lemme. Er wisse sehr wohl, dass es für alle Beteiligten eine sehr, sehr große Herausforderung sein wird. Dass der personelle und finanzielle Aufwand riesig sei. Aber zu einem 90. Geburtstag passe diese Sinfonie einfach. Und schließlich sei sie seines Wissens, so Lemme, in der Ortenau zum letzten Mal 1957 vom Ortenau Orchester Offenburg aufgeführt worden.

Autor: Jutta Hagedorn

Mittelbadische Presse / Baden Online - Kultur, 21.12.10
    Mit feurigem Schwung


Weihnachtskonzert des Orchestervereins Oberkirch


Oberkirch. Das Weihnachtskonzert des collegium musicum in der Erwin-Braun-Halle war geprägt von Musik für Streicher, nur eine Solo-Oboe „durfte“ einmal mitkonzertieren und das Cembalo in zwei Werken die Akkordstruktur unterstreichen. Dennoch waren die musikalischen Aussageweisen sehr vielfältig, die Klangfarben packend und die dynamische Kraft überzeugend. Auf dem Programm standen das Konzert für Oboe, Violine, Streicher und Generalbass von J. S. Bach, das Konzert für Violine und Streichorchester, C-Dur, von Joseph Haydn und die Serenade für Streichorchester C-Dur op.48 von Peter Tschaikowski, eine glückliche, expressive Programmauswahl, die Prof. Jochen Lemme, der Leiter des collegium musicum, getroffen hat und die er mit dem großen Streichorchester bestens zu gestalten wusste.

 

So wie J. S. Bach Mittel- und Ausstrahlungspunkt europäischer Weltmusik ist, so war er auch wunderbar Boden und Impuls für das diesjährige Weihnachtskonzert des Orchestervereins. Im Bachkonzert verbanden sich ungeheurer Gefühlsausdruck mit festgefügter Kunstform, einem Abbild der streng geregelten Lebensabläufe. Washington Barella, Oboe, und Michael Klett, Violine, waren ein Solistenpaar, das die hohe Kunst Bachs aufnehmen und weitergeben konnte. Sie musizierten mit Freude, feurigem Schwung und feinfühliger Eleganz. Sie bildeten im Adagio ein Duett, das die weiten Bögen und die zarten Schwingungen bis unter die Haut transportierte. Im dritten Satz sprühte die Artistik wieder auf, der Ton, der Rhythmus die Akzentuierungen, sie steigerten sich zu musikalischer Fülle, die sich auch im Orchesterpart mitteilte. J. S. Bachs Festigkeit, sein überragendes „Kunsthandwerk“ und seine sensitive Intuition stellten sich dar, die Interpretation bewirkte attraktive Spannung im Konzert der barocken Konzertkoordinaten.

 

Joseph Haydns Musik erzeugte ganz andere Wirkungen. Zwar entdeckte man in seinem Violinkonzert deutlich traditionelle Spuren, aber seine Tonsprache hatte freiere und gemüthaftere Züge. Das Orchester setzte diesen Paradigmenwechsel vom ersten Ton an gekonnt um. Der Sologeiger Jörg Werner vermochte dem Orchester nicht nur gegenüberzutreten, sondern auch seiner Stimme die Leichtigkeit zu geben, die diesem Konzert charakteristischen Glanz gab. Im Adagio entwickelte sein Ton eine besondere Wärme. Seine Kantilenen schienen über den Orchesterklängen zu schweben, und beinahe vergessen machen, welche technische Kunstfertigkeit der Part verlangte. Die Kadenzen gaben eindrucksvoll Auskunft über sein meisterhaftes Spiel und es galt in den schnellen Sätzen knifflige Passagen zu bewältigen. Zusammen mit dem Orchester entstand eine sehr frohe, begeisternde Wiedergabe des Haydn – Konzertes. Den freigiebigen großen Beifall belohnte Jörg Werner mit einer wunderbaren Zugabe. Er spielte zusammen mit einem Streichquartett die Sicilienne von Maria Theresia von Paradis.

 

Bei diesen beiden Instrumentalkonzerten im 1. Teil des Programms zeigte sich auch, dass das collegium musicum über hervorragende eigene Solisten verfügt. Jörg Werner, Violin- und Viola-Lehrer an der Kunst- und Musikschule Achern-Oberkirch, ist seit 2002 Konzertmeister des Oberkircher Orchestervereins. Michael Klett gehört dem Orchester seit den 70er Jahren an, er hat ihm viele wertvolle Impulse gegeben und ist bis heute eine tragende Persönlichkeit.

 

Die Tschaikowski-Serenade, teils festlich, teils abgründig brodelnd, führte in eine doppelte Sicht des Lebens, in eine öffentliche Festlichkeit und in den individuellen Irrgarten der menschlichen Seele. Dem Orchester bot sie in hervorragender Weise die Möglichkeit, seine ihm innewohnende Klanglichkeit auszuloten und voll zum Klingen zu bringen. Schon im 1. Satz traf feierliche Ruhe auf Sehnsucht und subversive Hartnäckigkeit. Im 2. Satz entfaltete der berühmte Walser seine ansteckende Romantik. Im Larghetto elegiaco wechselten elegische, ergreifende Akkordfolgen mit traumverlorener Walzerseligkeit in ständigem Auf und Ab. Und im Schlusssatz nahmen die Gegensätze, die trotzig pochenden Motive, die Schwellungen und Steigerungen enorm zu. Jochen Lemme musizierte mit seinem Orchester dieses tiefgründige Werk mit Zartgefühl und mit vehementer Klanggröße. Es entstanden ergreifende und aufwühlende Klangbilder. So war die Zugabe passend, zwei Sätze aus dem Weihnachtskonzert von Arcangelo Corelli, die beruhigend auf den Heimweg mitgegeben wurden.

 

Autor: Kurt Bayer, Photo: Roman Vallendor

Mittelbadische Presse - Kultur, 20.07.10
    Großartige Musik und Kabaretteinlagen

Lemme wechselte seine Profile beim Serenadenkonzert

Dank kabarettistischer Einlagen gab es neben wirkungsvoller Musik auch viel zum Lachen

 

Unter dem Motto „Die goldenen 20er-Jahre“ präsentierte der Orchesterverein collegium musicum Oberkirch, verstärkt durch E-Piano und Akkordeon, unter seinem Dirigenten Professor Joachim W. Lemme sein diesjähriges Serenadenkonzert im Gaisbacher Schloss. Wie im Vorjahr trug es auch dieses Mal wieder einen ganz besonderen Charakter. Denn es gab kein gedrucktes Programm, so dass die zahlreichen Zuhörer auf die Moderation von Lemme selbst angewiesen waren. Es hatten auf diese Weise auch Analphabeten die Chance zu wissen, was präsentiert wird.

Trotz des Handicaps seines linken Unterarms und eines Fingers, die er sich beim Bratschen-Spiel zu gezogen hatte (Absturz aus der „dritten“ Lage?) entnahm er den Dirigentenstab aus dem Verband und initiierte R. Benatzkys „Im weißen Rössl am Wolfgangsee“ als „Einstiegsdroge“. Allerdings begab er sich gleich zu den Zuhörern, um den Klängen seiner Instrumentalisten zu lauschen. Aber diese waren nicht nur „gehandikapt“ durch die Verletzung ihres Chefs, sondern auch durch die Windverhältnisse, die das Notenmaterial schon etwas durcheinander wirbelten. Wäscheklammern en masse waren angesagt. Ungeachtet dessen gab es eine schöne Realisierung.

 

Dann erfreute man sich unter der humorvoll-souveränen Leitung von Lemme am „Reigen“ von O. Straus und der „Tango-Revue“ von Woitschach als Abschluss des „offiziellen“ Programms, das aber durch acht folgende Zugaben gewürzt wurde. Wo erlebt man schon so viele Zugaben?

Wunderschöne Interpretationen von „Pizzicato“ (L. Delibes) und „Schöne Melodien“ von G. Winkler erfreuten dank feinsinniger Tonbildung und rhythmisch präziser Gestaltung. Das Publikum wurde immer wieder involviert.

 

Die zitierten Werturteile über Laien- und Berufsmusiker, im Salonorchester spielen beide mit, waren irgendwie sehr treffend!  Kritik an Komponisten: Viele bringen das, was sowieso zuvor von anderen schon gespielt wurde, als ihr „Paradewerk“ . Schlagersänger hängen von der Elektrotechnik ab…, manche erreichen ihren Höhepunkt erst im hohen Alter… und kurz vor Schluss eine Bemerkung zur Presse mit einer nicht so ernst gemeinten Unterstellung, sie habe wohl kein besonderes Werturteil für Salonmusik übrig, mit anderen Worten, es gibt anspruchsvollere Literatur.

 

Hier knüpfe ich nochmals an mit der Musik, die geboten wurde, um das Presseurteil zu relativieren.

 

Denn auch die folgenden „Zugaben“ waren trotz genannter widriger Umstände ausgezeichnet und trafen voll den Geschmack des Publikums. So erwies sich Jörg Werner beim „Liebesgruß“ von Edward Elgar als versierter und feinsinniger Solist auf der Violine. Brühnes „Von der Puszta will ich träumen“ leitete zum begeistert aufgenommenen „Wiener Liederpotpourri“ über. Dann zauberte Michael Klett beim Czardas“ von Vittorio Monti auf seiner Violine. Vivacisssimo in Perfektion bei hervorragender Tonbildung. Entsprechend begeisterter Beifall!

Mit dem „Radetzky Marsch“ von Johann Strauß aktivierte man noch einmal so richtig das Publikum, welches kräftig mitzog. „Sag zum Abschied“ von Peter Kreuder rundete ein wunderbares, sehr niveauvolles „Serenadenkonzert“ ab. Lemme, der ohnehin als souveräner Dirigent bekannt ist,  dürfte auch als ironisch-humorvoller Kabarettist ein hervorragende Figur abgeben. Das Konzert ist in seiner Konstellation ein großer Wurf!

 

Autor: Gunter Thiel

Acher-Rench-Zeitung, 22.06.10
    Oberkirch ist Symphonie-Stadt geworden

Collegium musicum punktete mit Ur- und Erstaufführung. Jean-Eric Soucy war ein hervorragender Solo-Bratscher.

 

Das Konzert des collegium musicum in der Erwin-Braun-Halle war eine bewegende Feier erstklassiger Musik. Dirigent Prof. Joachim Lemme hatte ein Programm zusammengestellt, das neugierig machte: Uraufführung der „Oberkircher Sinfonie“ von Vélimir Valtchev, europäische Erstaufführung des Konzertes für Viola, 2 Hörner, Streicher und Basso continuo in Es-Dur von Friedrich Benda (1745 – 1814), die Fantasie für Viola, Streicher und zwei Klarinetten von Johann Nepomuk Hummel (1778 – 1837), das „Siegfried-Idyll“ von Richard Wagner und die Prager Sinfonie von W.A. Mozart. Außerdem stand mit Jean-Eric Soucy ein großartiger Solist auf der Bühne. Er ist Solobratscher des SWR-Orchesters und war Orchester-Kollege von Prof. Joachim Lemme. Die Darbietungen waren kunstvoll gestaltet und mit ansteckender Begeisterung musiziert.

 

Die „Oberkircher Sinfonie“ von Vélimir Valtchev setzte gleich zu Beginn Sonne ins Gemüt. Im Stil der Wiener Klassik komponiert zeichnete sie sich aus durch freundliche Melodik, beschwingte Rhythmik und klar gegliederte, handwerklich gut gearbeitete Strukturen. Vélimir Valtchev war vor J. Lemme Dirigent des Oberkircher Orchesters. Er kannte daher die Musikbegeisterung und setzte mit der „Oberkircher Sinfonie“ ein liebreizendes, klangvolles Zeichen enger Verbundenheit. Prof. Joachim Lemme merkte mit Schalk an, dass Oberkirch nun eine musikalische Weltstadt sei wie London und Prag, denn schließlich gebe es ja die Londoner Sinfonien von Haydn und die Prager Sinfonie von Mozart.

 

Sonnig warme Gefühle verströmte auch das Konzert für Viola, 2 Hörner, Streicher und Basso continuo in Es-Dur von Friedrich Benda (1745 – 1814). Jean-Eric Soucy hat es vor drei Jahren im Archiv einer Prager Bibliothek entdeckt. Er hat der Welt ein Werk zurückgegeben, das einen hohen technischen Anspruch hat und in seiner gefälligen Art viel Freude bereitet. Es war für Oberkirch eine Auszeichnung, dass es hier zum ersten Mal auf europäischen Boden erklang. Jean-Eric Soucy, in Kanada geboren, hat die Musik auch überzeugend zum Klingen gebracht. Seine Töne lebten, füllten den Raum ohne klotzig zu sein. Seine Art, die Musik zu gliedern, zu akzentuieren und zu beflügeln teilte sich in angenehmster Weise mit. Die feinfühlige und dennoch kraftvolle Leichtigkeit, mit der Jean-Eric Soucy auf der Bratsche des Offenburger Geigenbauers Stefan Hodapp spielte, bewirkte ein wohltuendes Hören. Dies kam auch der Fantasie für  Viola, Streicher und zwei Klarinetten von Johann Nepomuk Hummel (1778 – 1837) zu Gute, die noch vor der Pause folgte. In beiden Musikstücken gestalteten Solist und Orchester in fruchtbarem Miteinander. Das Streichorchester schuf eine korrespondierende Klanggrundlage, die wach und aktiv agierte. Beim Bratschenkonzert streuten 2 Hörner „goldene“ Klänge in die Szenen, bei der Fantasie bildeten lebhafte, schöne Klarinetten einen wirkungsvollen Klangkontrast zur Bratsche.

 

Nach der Pause machte das Programm einen Besuch in der romantischen Klangwelt Richard Wagners. Das „Siegfried-Idyll“, 1870 im Landhaus Tribschen am Luzerner See entstanden, seiner Frau Cosima zum Geburtstag gewidmet, inszenierte eine komplexes Gefühlsgemenge. Dem collegium musicum gelang es gut, die groß angelegten Musikwellen zu inszenieren, die, gefüllt mit Motiven, die Unendlichkeit des harmonischen Raums und der menschlichen Seele andeuteten.

 

In gesicherten Gefilden fühlte man sich erst wieder bei Mozarts Prager Sinfonie (Nr. 38) in D-Dur, die das Programm abschloss. Auch in diesem Werk stehen der Ernst des Lebens und Trübungen im Gemütslebens fest im Blickpunkt. Der gravitätische Beginn schlug sofort in seinen Bann. Dur-Moll-Wechsel, Synkopische Rhythmen, kontrapunktische Verdichtungen untermauerten den dramatischen Lebensbezug. Das Orchester interpretierte das Werk gekonnt mit großer Ausdruckskraft, sodass ein hervorragendes Konzert einen grandiosen Abschluss erhielt.

 

Autor: Kurt Bayer