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Acher-Rench-Zeitung, 23.12.09
    Collegium Musicum erweist sich als Publikumsmagnet: Ausverkauft!

Oberkirch. Es geht immer noch ein wenig besser- getreu diesem Motto wird beim Oberkircher Collegium Musicum offensichtlich an der anstehenden Konzertliteratur gearbeitet. Das wurde beim Weihnachtskonzert in der Erwin-Braun-Halle überaus deutlich. Ein überlegt zusammengestelltes Programm mit Werken von Mozart, Dvorak und Brahms, der hervorragende Solist Matthias Wiemer, Violoncello, und ein bestens vorbereitetes Orchester waren Garant für einen beeindruckenden Konzertabend.


Noch bevor der erste Ton des Abends erklang, erinnerte der Dirigent des Orchesters Prof. Joachim Lemme an den in diesem Jahr verstorbenen langjährigen Solocellisten des Collegium Musicum Werner Klett, dem dieses Konzert gewidmet werden sollte. Zum Auftakt des Abends stand die Ouvertüre zur Oper "La Clemenza di Tito" , KV 621 von Wolfgang Amadeus Mozart auf dem Programm. Obwohl das Werk inhaltlich auf die Oper Bezug nimmt, ist sie doch wie alle anderen Ouvertüren Mozarts nicht nur eine Einführung in die Stimmungen des Operngeschehens, sondern eine eigenständige Komposition, die innerhalb ihrer Geschlossenheit selbständige Gedanken und eigene Thematiken beinhaltet und deshalb auch zurecht isoliert aufgeführt werden kann. Im Grunde klingt das im festlichen C-Dur Gewand daherkommende Werk wie das Kondensat einer Sinfonie. Erstaunlicherweise entstand das Auftragswerk innerhalb von nur 19 Tagen- neben der "Zauberflöte" und dem Requiem. Ein sorgfältig ausgewähltes Werk zum Auftakt, dessen scharfes Anfangstempo die Zuhörer gleich in den Bann des in jedem einzelnen Register mit Topp-Musikern besetzten Orchesters schlug.


Dass der Oberkircher Orchesterverein über ganz hervorragende Solisten verfügt, beweisen die vielen Solo- Auftritte von Musikern aus den eigenen Reihen in vergangenen Konzerten. Matthias Wiemer, seit 2004 Cellist im Orchesterverein collegium musicum stellte dem Oberkircher Publikum mit dem Cello-Konzert h-moll, op.104 von Antonin Dvorak vor. Dieses in Amerika entstandene Werk gehört zu den berühmtesten Cello-Konzerten und ist eines der wichtigsten Stücke im Repertoire für Violoncello.


Matthias Wiemer erwies sich dabei als glänzender Vertreter seiner Zunft- er spielte das dreisätzige Werk komplett auswendig und begeisterte seine Zuhörer mit überragender Virtuosität und großer musikalischer Gestaltungskraft. Bewundernswert war dabei die gute Kommunikation zwischen Solist, Dirigent und Orchester, die letztendlich einen gelungenen Dialog und damit eine beeindruckende Interpretation des anspruchsvollen Werkes garantierte. Ein unbeschriebenes Blatt ist Matthias Wiemer allerdings nicht- er studierte Violoncello an der Musikhochschule Stuttgart und erhielt sein Konzertexamen zum Abschluss seines Aufbaustudiums in Köln. Inzwischen arbeitet er als Ausbilder für Physiotherapie- insgesamt ein Glücksfall für Oberkirch und den Orchesterverein.


Im zweiten Teil des Abends bekamen die Oberkircher Klassik-Liebhaber ein großes Werk der Romantik zu hören. Die zweite Symphonie, op. 73, von Johannes Brahms widerspricht der gängigen Vorstellung Brahms Musik sei die eines ernsten verschlossenen und schwermütigen Komponisten. Das sind zweifellos Merkmale der Werke des großen Komponisten- doch eben diese zweite Symphonie in freundlich hellem D-Dur, die am Wörthersee und in Lichtental bei Baden-Baden entstanden und wohl durch die Schönheit dieser Landschaften inspiriert ist, ging zurecht als Brahmssche "Pastorale" in die Musikgeschichte ein. Was nicht heißt, das das Orchester eine einfache Arbeit zu tun hat- im Gegenteil: die einzelnen Register sind in jedem Satz gefordert. Genußvoll zurücklehnen an diesem Abend konnte sich allenfalls das Publikum, aber keiner der Akteure auf der Bühne. Auf die typisch- romantische Harmonik, schwierige Rhythmen und extreme dynamische Wendungen in kleinsten Zeiträumen verzichtete der Komponist freilich nicht- was die Musiker und den hochkonzentrierten Dirigenten Prof. Joachim Lemme nicht aus der Fassung zu bringen vermochte: Es gelang eine mehr als überzeugende Interpretation des genialen Werkes. Vor allem den 3. Satz mit seiner Vielzahl an einfallsreichen Ideen und virtuos- verspielten Themen spielte das Orchester grandios. Der tadellosen Leistung folgte mit dem langanhaltenden Applaus des Publikums die sichtbare Erschöpfung- die zweite Symphonie hatte dem spielfreudigen Orchester und dem sicher agierenden Dirigenten wirklich alles abverlangt. Die obligatorische Zugabe wurde selbstverständlich ohne Zaudern gerne gewährt.

Klaus Leopold

Acher-Rench-Zeitung, 21.07.09
    Lemme kann auch Kabarettist
Serenadenkonzert des Orchestervereins collegium musicum Oberkirch mit Unterstützung aus Baden-Baden
Joachim Lemme, Dirigent des Oberkircher Orchestervereins, hatte beim Serenadenkonzert eine Dreifachfunktion: Neben dem Dirigieren brillierte er als Kabarettist und setzte sich zwischendurch als Zuhörer ins Publikum. Geboten wurden Werke aus den 1920er-Jahren.
Der Orchesterverein collegium musicum Oberkirch hatte zur Sommerserenade in den Gaisbacher Schlossgarten geladen. Trotz Sonnenschein wich man aber auf die Erwin·Braun-Halle aus. Das war gut so, denn die feucbten Bodenverhältnisse und der frische Wind (wegfliegende Notenblätter) hätten den Musikern das Leben schwer gemacht. Darunter hätte das Konzert spürbar gelitten. In der Halle entfachte das vergleichsweise riesige Salonorchester, verstärkt durch Anton Hollich (Klarinette), Alois Müller (Akkordeon) und Edmund Högemann (Klavier) vom Salonorchester Baden-Baden, ein Feuerwerk musikalischer Leckerbissen aus den»Goldenen 20er-Jahren«.
Man hatte keine Programme ausgeteilt. Das war insofern gut, als sich Lemme bezogen auf die gebotene Literatur auch rhetorisch frei entfalten konnte. Wie er das tat und auf welchem Niveau, hätte manchem Kabarettisten zur Ehre gereicht. Trockener Humor, der das Publikum begelsterte, sorgte für die lntensivierung der »Offiziell vier Werke«, dem noch zehn brillante Zugaben folgten, so dass man bei optimaler Gesamtstimmung etwa eineinhalb Stunden multifunktional unterhalten wurde. Humorvolle Musikeranekdoten sowie Vergleiche der Wiener Philharmoniker mit den Oberkircher Instrumentalisten verfehlten ihre Wirkung nicht. Zwischenzeitlich verließ Lemme sein Dirigentenplt und genoss selbst das schwungvolle Spiel seiner Instrumentalisten.
JörgWerner als Solist auf der Violine zeichnete sich bei der lnterpretation von Edward Elgars »Salut d'amour« aus. Bei den überaus beliebten »Ballsirenen« von Lehar sang das Publikum wie auch bei,weiteren Programmpunkten begeistert mit. Nach Kahnans »Traumsong« und Vejvodas »Rosamunde« erlebte man Michael Klett auf seiner Violine in einer Glanzrolle. Wie er den»Czardas«von Vlttorio Monti interpretierte, war mitreißend und feurig. Die langsamen Passagen wohl tönend ausreizend, brachte er die kontrastierenden extrem schnellen Passagen brillant und sicherte sich den Beifallssturm der Zuhörer. Gleich darauf glänzte der während des gesamten Konzerts immer wieder geforderte Klarinettist Anton Hollich beim»Hummelflug von Rimsky-Korsakov als Solist. Nach dem »Radetzky- Marsch« von Johann Strauß endete das herzerfrischende Konzert mit Peter Kreuders»Sag zum Abschied«.
Es war erstaunlich, auf welch hohem Niveau das collegium musicum seine Sommerserenade präsentierte. DieArrangements waren qualitativ hochwertig, und die Integration des Baden-Badener-Trios erwies sich als tonal sehr bereichernd aufgrund der Professionalität dieser Interpreten. Die Moderation in dieser Form erscheint kaum überbietbar.
Gunter Thiel
Acher-Rench-Zeitung, 20.05.09
    collegium musicum« setzte ein weiteres Glanzlicht
In der Musik der Wiener Klassik pulsierte der »Lebensglanz der Ewigkeit«
SWR-Musiker Anton Hollich war ein bravouröser Klarinettenvirtuose
Joachim Lemme hatte symphonische Werke von Joseph Haydn, Carl Maria von Weber und Ludwig van Beethoven auf das Programm des »collegium musicum« gesetzt. Das Konzert in der Oberkircher Erwin-Braun-Halle löste am Sonntagabend im Publikum große Begeisterung aus.
»Klar«, könnte da einer sagen, »bei so viel Popularität der Werkauswahl ist es ein Leichtes, dem Publikum zu gefallen.« Doch eine solch lapidare Sicht übersieht das Wesentliche des Konzertes. Sicher, Musik von Haydn, Mozart, Beethoven und Weber wirkt heute, nach den Verkomplizierungen in der nachfolgenden Musikgeschichte, eingängig, problemlos und unterhaltend. Aber bei näherem Hinsehen wird gleich klar, dass diese Musik zugleich eine faszinierende innere Substanz hat. Die Themen haben wohlgeformte Ausdruckskraft und ihre Verarbeitung geschieht in höchst fantasievoller und professioneller Weise. Das Orchester hat dieses Innenleben auf beeindruckende Weise zum Klingen und Leuchten gebracht.
Die Sinfonie Nr. 97 C-Dur von Joseph Haydn führte mit ihrer ergreifenden Einleitung gleich zu Beginn in medias res. Mit dem Quartmotiv des Sonatensatzes blühte dann die Musik richtig schwungvoll auf. Es war eine Freude, das virtuose Spiel Haydns mit Satztechniken, Tonfarben und Klangeffekten zu verfolgen: die dynamisch gestaltete Motivarbeit im 1. Satz, die eloquente Ausgestaltung der Variationen eines an sich braven, gemütlichen Themas im 2. Satz, die patriotisch österreichischen, mit Humor gewürzten Ländlerklänge im 3. Satz und die koketten Tonspielereien und Dialoge, die ganz auf heiteren Effekt angelegt waren, im 4. Satz. Das Orchester (Holzbläser, Hörner, Streicher und Pauken) malte das in der Partitur Angelegte mit klarem Blick auf Details aus. Unglaublicher Virtuose.
Im Klarinettenkonzert Es-Dur von Carl Maria von Weber spürte man schon die beginnende Romantik und das Werk lebte natürlich in erster Linie vom Solopart der Klarinette. Anton Hollich, Soloklarinettist im SWR- Sinfonieorchester und Hochschullehrer, schien die Musik auf den Leib geschrieben. Er war nicht nur ein unglaublicher Virtuose, er spielte auch mit bezauberndem Sentiment. Er setzte im 1. Satz plakativ die ernormen Sprünge, die unter die Haut gehen, weil die Klarinette so unterschiedliche Toncharaktere hat. Er durchschritt oder durcheilte souverän die weiten Tonräume in sehr dynamischer Weise. Im 2. Satz sang seine Klarinette tief berührend ein melancholisch, süß-trauriges Lied. Von der Ruhe ging Kraft aus, das Zarte war nicht welk, es hatte im Rezitieren noch ein Leuchten. Das Synkopenthema im 3. Satz, kraftvoll pointiert gespielt, dominierte den Schlusssatz. Der stürmische Lauf wurde nur durch die Ruhe-Episode des Cello-Klarinetten-Duetts unterbrochen. Er mündete schließlich konsequent in den virtuosen Höhepunkt, in das unglaubliche Laufwerk der Schlusskadenz.
Anton Hollich spielte auswendig und so mitreißend, dass der tobende Beifall nicht ausbleiben konnte. Gelungene Interpretation.
Die Sinfonie Nr. 2 D-Dur von Ludwig van Beethoven entfaltete von Anfang an eine enorme Wirkung. Sie wird erzeugt durch stabile, rhythmische Eindringlichkeit, durch dynamische Akzentuierungen und Entwicklungen sowie durch eine von Motiven und Melodien durchdrungene Tondichte und Klangfülle.
Für das Orchester war diese Fülle an technischer Präsenz und dynamischer Klangmalerei die größte Herausforderung des Abends. Joachim Lemme gelang mit dem »collegium musicum« eine gelungene Interpretation. Der 1. Satz war trotz vieler detaillierter Ausformungen wie aus einem Guss geformt. Im 2. Satz gestaltete sich die heile Welt anziehend und warm, nirgends fantasielos blass.
Im Scherzo konnte ein flottes Tempo gewählt werden, so dass der Dialog zwischen den Registern des Orchesters sehr anregend war. Im 4. Satz warf sich das Orchester stürmisch in das wilde Getümmel der »Themenfetzen«.
Das virtuose Orchesterspiel ergriff die Hörer mit Wucht. Die Folge war tosender Applaus.
Kurt Bayer
Mittelbadische Presse - Kultur, 24.12.08
    Ein großes Weihnachtsgeschenk

Collegium musicum unter der Leitung von Joachim Lemme in Oberkirch / Bewunderter Solist

 

Das Collegium musicum bescherte den Besuchern beim Konzert des Oberkircher Orchestervereins in der Erwin-Braun-Halle auch ohne Weihnachtsmusik im Programm ein großes Weihnachtsgeschenk.

 

Oberkirch. Dass die Oberkircher Erwin-Braun-Halle bis auf den letzten Platz mit Menschen aller Generationen gefüllt war, zeigt, welch hohe Erwartungen an das Konzert des Orchestervereins Oberkirch geknüpft wurden. Professor Joachim Lemme und das Orchester haben sich mit Fleiß, Können und Musizierfreude großen musikalischen Herausforderungen gestellt. Das Publikum hat mit gespannter Aufmerksamkeit zugehört und mit impulsiver Begeisterung reagiert. Lemme und seinen Musikerinnen und Musikern ist vor Weihnachten ein großartiges Konzert gelungen.

 

Auf dem Programm standen die Mozart-Sinfonie Nr. 25 g-Moll KV 183, das Adagietto aus der 5. Sinfonie cis-Moll von Gustav Mahler, das Kontrabass-Konzert in fis-Moll von Serge Koussewitzky und dis vierte Sinfonie c-Moll von Franz Schubert. Die Aufzählung der Werke zeigt, wie gegensätzlich die Musikfolge zusammengestellt war. Aber im Laufe des Konzertes zeigte sich, dass jede musikalische »Station« seinen Charakter und seine Schönheit zur Entfaltung brachte.

 

Der rote Faden des Konzertes lag nicht in der geschichtlichen oder stilistischen Folgerichtigkeit, sondern im Ernst und in der inneren Dramatik, die trotz aller Klangpracht immer wieder zum Durchbruch kam.

Solobass »traktiert«

 

Eine kleine Ausbuchtung in diesem roten Faden war allerdings das Konzert für Kontrabass und Orchester op. 3 von S. Koussewitzky. Das Spiel auf dem großen Streich- und Zupfinstrument hat meist auch etwas Humorvolles an sich.

So konnte man mit köstlichem Vergnügen dem Solisten Norbert Brenner (Solobassist des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg) zuhören, der mit virtuoser Behändigkeit sein Instrument »traktierte« und ihm dabei herrlich extravagante Musik entlockte.

 

Trügerische Ruhe

Melancholische Seelenbefindlichkeiten dagegen lagen Mahlers Adagietto aus der fünften  Sinfonie cis-Moll zugrunde. Dorothee Neu streute klangvoll ihre Harfentöne wie Tropfen in das Meer des Streicherklangs. Äußerlich passierte nicht viel.

 

Doch die Ruhe war trügerisch, denn in der Tiefe schlummerten geheimnisvoll seelische Erschütterungen. Diese mit seismographischer Empfindsamkeit in der Musik hörbar gemacht zu haben, war eine große Leistung des Collegium musicum unter der Leitung von Joachim Lemme.

 

Unübersehbare Seelenverwandschaft bestand zwischen dem Eröffnungsstück, Mozarts Sinfonie Nr. 25, g-Moll, und der Schubert-Sinfonie Nr. 4, c-Moll. Die Musik des 17-jährigen Mozart aus der Salzburger Zeit kommt zwar unkomplizierter und flüssiger daher als die Musik Schuberts, doch ist auch in ihr unüberhörbar der Ernst des Lebens anwesend. Das Sinfonieorchester Oberkirch hat diese Sinfonie mit Schwung, Feingefühl und Eleganz vorgetragen und so schon zu Beginn einen gehaltvollen Akzent gesetzt. Die Schubertsinfonie war auf größere Dramatik angelegt und machte einen größeren Klangapparat erforderlich.

 

Stimmige Klangfarben

Auch in dieser großen Besetzung zeigte sich die Qualität des Orchesters: die weite, austarierte und kraftvolle Dynamik, die in jeder Lautstärke stimmigen Klangfarben, die mit thematischer und rhythmischer Präsenz gestaltenten Musikbilder. Der 19-jährige Schubert hat in dieser Sinfonie, genannt »die Tragische«, der Tonsprache eine neue Dimension innerer Dramatik erschlossen, das Oberkircher Orchester hat bei der Erarbeitung dieses Werkes seine Ausdrucksfähigkeit in bewundernswerter Weise gesteigert. Joachim Lemme  hat dem Oberkircher Publikum keine Weihnachtsmusik beschert, aber  den kulturbewussten Bürgern der Region zu Weihnachten ein großes Geschenk gemacht.

 

Kurt Bayer

Mittelbadische Presse - Kultur, 30.04.08
    Orchester spielte mit Liebe zur Musik

Frühjahrskonzert des collegium musicum in Oberkirch/Cellokonzert mit Anne Heinrich als Solistin

 

Musikalität auf sehr hohem Niveau und mit Anne Heinrich eine spielfreudige Solistin gab es beim Frühjahrskonzert des collegium musicum in der Erwin-Braun-Halle.

 

Oberkirch. Johann Sebastian Bach, Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven sind klingende Namen. Klangvoll und beeindruckend war auch das Frühjahrskonzert, das das collegium musicum in der Stadthalle gab. Das Publikum freute sich über die Homogenität der Interpretationen und die Lebendigkeit der Musikauffassungen. Das Programm beleuchtete nicht nur die stilistische Entwicklung von der Barockzeit zur Wiener Klassik, Joachim Lemme hatte auch eine Steigerung während des Konzerts fest vorprogrammiert: die Größe des Orchesters von kleinster, über eine mittlere hin zur großen Sinfonie-Besetzung und die damit verbundene Ausweitung der Klangfülle.

Das Konzert begann mit dem 6. Brandenburgisches Konzert von Johann Sebastian Bach. Es benötigte zur Ausführung nur zwei Violen, zwei Gamben (Violoncelli) und Generalbass: Violoncello, Kontrabass und Cembalo. Diese Musik fesselt schon von der Genialität der Komposition her. Darüber hinaus entwickelten die Musiker ein abgestimmtes Miteinander, so dass der Stafettenlauf der Phrasen nahtlos vonstatten ging. Die Tongebung hatte dynamische Innerlichkeit und strahlte empfindsame Wärme aus.

 

Das Cellokonzert C-Dur Hob VIIb:1 von Joseph Haydn brachte die Tenorlage der Streichinstrumente zum Schwingen. Anne Heinrich aus Oberkirch war die Solistin. Sie spielte auswendig, technisch und musikalisch souverän und hatte dennoch eine gewinnende natürliche Beziehung zu ihrem Solopart. Im ersten Satz prägten Leichtigkeit und rhythmische Lebendigkeit die melodischen Gestalten, die sich geschwätzig schnell in hellen und dunklen Klangfarben tummelten. Im zweiten Satz kamen die lyrischen Charaktere zur Entfaltung. Es war berührend, wie die Solo-Cello-Töne kraftvoll im Orchesterklang schweben konnten, ohne ihre Innerlichkeit und ihren Schmelz zu verlieren. Im dritten Satz schlug Lemme ein flottes Tempo an. Das machte die Musik spritzig und heiter. Anne Heinrich spielte mit virtuoser Greif- und Bogentechnik und setzte ihrem Spiel noch einen Glanzpunkt hinzu. Das Orchester gab der Solistin die notwendigen Entfaltungsmöglichkeiten.

 

Die Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 (Eroica) von Ludwig van Beethoven war zweifellos das gewaltigste Werk des Konzertabends. Es stellte die beiden vorangehenden Werke nicht in Schatten, denn auch diese waren je in ihrer Weise Kunstwerke mit substantieller Größe. Aber die Beethoven-Sinfonie übertraf sie an Länge, musikalischer Dramatik und Klangvolumen.

 

Das Werk ist sehr bekannt und dennoch wird man immer wieder von seiner Originalität mitgerissen. Und es ist eine herausragende Leistung des Orchesters, die Komplexität und die innere Dynamik dieser Musik packend wiedergegeben zu haben. Es war wach für agogische Details und so gewappnet, die im brodelnden Tongemenge sich anbahnenden Entwicklungen und die abrupten Überraschungen zu veranschaulichen.

 

Den Sonatensatz kennzeichnete die Dramatik des Aufbäumens und des Glättens, die mit Lust gesetzten Dissonanzen und stürmisches Vorwärtsdrängen. Der Marcia funebre bestach durch die Dichte des Klangs, durch ein Legato, das von innen her lebendig und mit einer strengen Rhythmik kombiniert war. Das Scherzo jagte rasend dahin und fand nur in den Jäger- Horn-Signalen des Trios eine kurze Atempause. Im Finale erreichte die Satzdichte ihren Höhepunkt: Themenverknüpfungen, reiches Rankenwerk, Polyphonie. Es zeigte sich, wie genial Beethoven die Sinfonie aus einer Keimzelle heraus entwickelt hat.

 

Joachim Lemme hat die Komplexität dieser Musik mit dem Orchester hervorragend darstellen können. Man spürte, dass die technische Meisterschaft hoch ist und dass Einzelgruppierungen zugunsten eines Organismus zusammenwachsen. Das Publikum nahm dies dankbar wahr und reagierte mit großer Begeisterung.

 

Kurt Bayer

Mittelbadische Presse - Kultur, 27.12.07
    Bruckner-Sinfonie hatte Premiere in Oberkirchs „guter Stube“
Der weltbekannte Geiger Ulf Hoelscher spielte Mozart- Violinkonzert beim Weihnachtskonzert in der Erwin-Braun-Halle.
Oberkirch. Das war ein Konzert besonderer Art. Nur zwei Werke auf dem Programm und dennoch war das Konzert abendfüllend im zeitlichen Rahmen und in der Weite des geistigen Raumes, den es durchschritt. Prof. Joachim W. Lemme liebt es, unkonventionelle Wege zu gehen und die Erwartungen hoch zu schrauben: W. A. Mozart, Violinkonzert G-Dur KV 216 mit dem großen Geiger Ulf Hoelscher und Anton Bruckner, 4. Sinfonie Es-Dur. Da ist jedes Werk ein Kosmos für sich und dazwischen liegen Welten. Dennoch oder gerade deswegen, das Konzert hat sehr beeindruckt. Die Musik hat berührt und bewegt, aufgemuntert und aufgestachelt. Die Premiere „Brucknersinfonie im Renchtal mit dem collegium musicum war ein großartiges Ereignis, das man mit Genuss bestaunen konnte. Man spürte, dass bisherige Grenzen überschritten und ein mächtiges Tor zu „neuen Räumen“ aufgestoßen wurde.
Das Violinkonzert G-Dur KV 216 von Mozart ist ein sehr bekanntes Werk. Man freute sich auf diese „gute alte Bekannte“, auf die man sich vergnüglich einstellen konnte. Aber dann zeigte sich diese „Bekannte“ doch von einer Seite, die neue Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Die Individualität der Gestaltung fesselte, weil sie die Fähigkeit hatte, das reiche Innenleben präsent zu machen, das kunstvoll gearbeitete Detail als filigranes Kleinod erleben zu lassen.
Geigensolist Ulf Hoelscher lieferte keinen auffälligen Starauftritt ab. Seine Überzeugungskraft lag in schlichter Größe, im Erspüren der Musikpoesie. Er spielte leicht, sauber, technisch sicher und versiert, scheinbar effektlos. Aber sehr schnell spürte man als Hörer, dass in seiner Musik mehr da ist als nur brillante Fertigkeit. Die Töne, auch die leisen, hatten einen inneren Schwung, der ansteckte. In den drei Sätzen entwickelten sich pulsierende Mikrokosmen, die aus dem Einswerden von Ulf Hoelscher mit der mozartschen Partitur resultierten. Musik und Solist durchdrangen sich gegenseitig und von dieser tief gründenden Bestimmtheit ließ sich auch das Orchester mitnehmen zu einem stimmigen Ganzen, zu einer Musik, die ihre Ausdruckskraft aus der Sparsamkeit der Mittel bezog.
Das Publikum war begeistert. Ulf Hoelscher bedankte sich mit einer weiteren Meisterperle: Er spielte ein Konzert-Adagio von Mozart. Das stimmungsvolle Melos erklang in harmonisch progressiverer Verarbeitung. Die Ausstrahlung der Töne und Klänge erreichte eine weitere Steigerung.
Gegenüber der Brucknersinfonie war die mozartsche Musik geradezu Kammermusik. Die 4. Sinfonie Es-Dur, die Romantische, die Bruckners Weltrum begründete, hat dagegen riesige Ausmaße: Sie benötigt ein großes und versiertes Blechbläser-Register, um die Farbenpracht und Wucht der Klänge zu erzeugen, sie lotet die Tonbereiche bis in extreme Lagen aus, die Aufästelung der harmonischen Substanz nimmt exzentrische Ausmaße an. Nicht umsonst dauerte die Sinfonie so lange wie der 1. Teil und die Pause zusammen. In die brucknersche Klangwelt einzutauchen, sie zu erkunden und zu bewältigen war eine enorme Herausforderung für das Orchester, aber auch für das Publikum.
Gott sei Dank lebten in diesem Werk herrliche Ton-, Klang- und Rhythmusmotive, die dazu verlockten ihren Weg im Klangraum des großen Sinfonieorchesters zu verfolgen. Man fand sie wieder in Tonbildern verschiedenster Art: in besinnlich ruhigen, in selbstbewusst herrischen, in elegisch resignierten, in energisch aufbäumenden, in theatralisch plakativen, in weihevoll religiösen, in tänzerisch lebenslustigen. Das Orchester nahm die Hörer mit in eine „erdbebengefährdete Musiklandschaft“, in der Ruhe die Ruhe vor dem nächsten Sturm war.
Die Blechbläser erzeugten Klangfülle und Wärme und zusammen mit den Pauken die Entfesselung von Tongewittern und Musikorkanen. Sie beeindruckten allein schon durch die physische Kraft ihrer wohlgestalteten Klänge. Die Streicher steuerten oft Tremolo-Klangteppiche bei, sodass man geradezu in der Üppigkeit des Klangs baden konnte.
Die Streicher und die Holzbläser bedienten außerdem exzellent die lyrische Poesie und entwickelten beeindruckende, tonstarke Geflechte melodischer Linien. In dieser Hinsicht fand im 2. Satz, im Andante, das differenzierte musikalische Geschehen den homogensten Ausdruck.
Sicher, es galt große dynamische Spannungskurven aufzubauen und in sich versickern zu lassen, und es war eine Herausforderung, die vielgestaltigen Teile des großen Puzzle zu einem Bild ohne Bruchlinien zusammenfügen. Aber am Ende stand klar fest, die Renchtal-Premiere 4. Bruckner-Sinfonie war für das Publikum ein großes Hörerlebnis und für das Orchester eine bravouröse Leistung.
Kurt Bayer
Acher-Rench-Zeitung, 25.07.07
    Sommerserenade im Hof von „Schloß Gaisbach“
Oberkirch. Die Kombination Musik, Natur und Schloss hat etwas in und an sich. Prof. Joachim Lemme und das collegium musicum fühlten sich zu diesem Reiz hingezogen und wussten ihn für das Publikum genussvoll zu nutzen.
Das „Schloß Gaisbach“ bot ein wunderbares Ambiente, zumal der Abendhimmel heiter und die Luft angenehm temperiert war. Das Orchester hatte eine natürliche Bühne, denn es spielte unter einer mächtigen Baumkrone. Der Klang der Streichinstrumente durchwehte stimmungsvoll den Schlosspark, wo das zahlreiche Publikum nicht nur die Bestuhlung nutzte, sondern auch die Grünflächen, und wo Kinder auf den Wiesen lustig spielten.
In der Einladung des Orchestervereins war der Satz zu lesen: „Das Programm steht zwar schon fest, wird aber noch nicht verraten, denn der Leiter des Orchesters, Prof. Joachim W. Lemme, wird Sie mit seiner launig-informativen Moderation durchs Konzert führen.“ Und so war es dann auch. Die Sommerserenade war voll aufmunternder, schwungvoller Musik und voller heiterer Situationskomik.
Das Musikprogramm begann mit der Schauspielmusik, die Henry Purcell 1695 zu „Abdelazar or The Moors Revenge“ schrieb. Ist dieser Titel kaum bekannt, so ist es die Musik um so mehr. Aus ihr stammt das Thema, das Benjamin Britten in seinem beliebten Variationswerk „The Young Person’s Guide to the Orchestra“ verwendet hat.
Es folgte ein concerto grosso von Antonio Vivaldi. Auch diese Musik bewegte Geist und Sinn, denn Vivaldi hat die hohe Kunst verstanden, geistreich und zugleich unterhaltend zu komponieren. W. A. Mozart hat in diesem Genre eine neue, individuellere Tonsprache gefunden und die Liebe zu ihr in den zahlreichen, beim Publikum sehr beliebten Serenaden und Divertimentis unter Beweis gestellt. Das collegium musicum musizierte ein Divertimento von Mozart mit lebendigem Klang und in flottem Tempo, sodass das Gefühl von Leichtigkeit und fließendem Rhythmus das Publikum in eine heitere Welt entschweben ließ.
Nach der Pause, in der man Getränke genießen konnte, wurden die Musikstile buntgescheckter.
Die „Kleine Lachmusik“ von Wolfgang Schröder vermengte Melodien aus bekannten Werken mit der „Kleinen Nachtmusik“ von Mozart. Joachim Lemme forderte das Publikum auf, die Anzahl der Einschübe herauszufinden. Ein Hörer, der richtigerweise 20 Stück gehört hatte, erhielt als „Gewinn“ einen Aufnahmeantrag zur passiven Mitgliedschaft des Orchestervereins.
Der Donau-Walzer von Johann Strauß ließ die Herzen im Dreivierteltakt schlagen. Mit der englischen Weise „Greensleeves“ erklang eine der populärsten Melodien der Musikliteratur, die wahrscheinlich schon im 16. Jahrhundert bekannt war und die heute noch berührt.
Da die Stimmung gut war und der Applaus nicht enden wollte, gab das Orchester noch Zugaben, einen Ragtime und einen Flamenco. Ja, die Sommerserenade im Hof von „Schloß Gaisbach“ machte deutlich, wie herrlich Streicher auch unter freiem Himmel klingen und wie entspannend diese sanfte und doch lebhafte Musik wirkt.
Kurt Bayer
Acher-Rench-Zeitung, 23.05.07
    Werke dreier großer Komponisten wurden vom Orchesterverein
    "Collegium musicum" eindrucksvoll zu Gehör gebracht
Michael Klett begeisterte als Viola- Solist
Es ist kaum vorstellbar, dass in einem vollbesetzten Saal absolute Stille herrscht. Wahrnehmbar war dies am Sonntagabend in der Erwin- Braun- Halle, als die Musiker des Orchesterverein "Collegium Musicum" ihre Instrumente nach dem ersten Satz aus Georg Friedrich Händels "Wassermusik" wieder ansetzten. Schon mit dem ersten Klang herrschte unter den Besuchern höchste Konzentration und Hingabe. Professor Joachim Lemme, Leiter des Orchestervereins, hatte für diesen musikalischen Abend Werke von Georg Friedrich Händel, Johann Christian Bach und Ludwig van Beethoven ausgewählt. Als überragender Solist hatte Michael Klett einen glanzvollen Auftritt. 
Überwältigt und dankbar sei er, dass sich die Anerkennung ihrer Arbeit in der großen Schar der Besucher widerspiegle, begrüßte Joachim Lemme die Anwesenden. Überwältigt und wie der frenetische Applaus zeigte wohl auch sehr dankbar für das Gebotene, wirkten auch die Zuhörer, die dem gut zweistündigen Konzert des Orchestervereins "Collegium Musicum" lauschen durften.
Mit einem kleinen Verwirrspiel nahm Joachim Lemme die Besucher gleich für sich ein. Er versuchte in gespielt verzweifelter Manie dem Publikum zu vermitteln, dass sich die Sätze wie im Programm abgedruckt in der Reihenfolge verändern würden. 22 Sätze aus drei Suiten hat Georg Friedrich Händel für seine Wassermusik komponiert, neun durfte die Besucher an diesem Abend genießen. Ein erfrischender Auftakt, bei dem die Violinen den Einsatz vorgaben. Er ließ an lebhafte Tänze im französischen Barock mit all seinen grandiosen Festlichkeiten denken. Das Zusammenwirken von Cembalo, Streichern und Bläsern, vor allem auch der warme erdige Ton der Hörner bescherten ein wundervoll gewaltiges Klangvolumen. Ursprünglich sollte diese Musik wohl König Georg I von England auf einer Themsefahrt begleiten und man kann es fast körperlich spüren: Diese aufwühlenden Elemente, die an aufkommenden Wellengang erinnern, dieses entspannte Glücksgefühl, das durch den Einsatz der Trompeten wunderbar vermittelt wird und das sanfte Dahinplätschern, das in der 3. Suite G- Dur in ihrer getragenen Art perfekt zur Geltung kommt: Könnte eine Flussfahrt besser beschrieben werden? Den Musikern gelang unter dem hochkonzentrierten Einsatz ihres Dirigenten ein perfektes Zusammenwirken, das durch Tempo, Enthusiasmus und Sanftheit, gepaart mit Einfühlsamkeit gleichermaßen perfekt inszeniert wurde.
Mit einem kraftvollen, temporeichen Abschluss, bei dem sich die einzelnen Bläser ein Wechselspiel bescherten, die Pauke ihren großen Einsatz hatte und die Streicher sich in rasanter Weise einfügten, verabschiedete sich Händel und damit auch die Barockmusik vom Publikum. Mit dem Konzert für Viola und Orchester in c - Moll von Johann Christian Bach wurden die Besucher in die Ära der Klassik hineingeführt. Ein geradezu herzzerreißendes Spiel zeigte Michael Klett als Solist auf seiner Viola. Dieser volle, weiche Klang des Instrumentes, das sowohl die ganz dunklen wie auch in höchsten Nuancen schwebenden Töne hervorbringt, ist in seiner Melancholie, aber auch in seinem fordernden Temperament schon eine Erlesenheit für sich. In der Perfektion, in der Klett es verstand, mit seiner Viola eine Gefühlsebene zu schaffen, die alle Sinne zum Schwingen bringt, hieß es nur noch :Atem anhalten, Augen schließen und genießen. Sanftmütig und elegant entwickelte sich der zweite Satz im Adagio Molto espressivo, während sich der dritte zu einem expressiven Stimmungsbild mit dramatischen Zügen entfachte. Perfekt gelang es Klett, die Übergänge spielerisch zu meistern und das Werk gehaltvoll abzurunden. Dann setzte das Orchester ein, gab einfühlsam den Grundton an und ließ dem Solisten viel Raum für sein Spiel.
Der riesige Applaus war ein Dankeschön an den Solisten und die übrigen Musiker. 
Nach der Pause, bei dem sich die Gäste mit einem Gläschen Sekt erfrischen konnten, ging es mit der 6. Sinfonie F- Dur in fünf Sätzen weiter im Programm. Jeder dieser Sätze widmet sich einem bestimmten Thema. Im ersten wird das Erwachen bei der Ankunft auf dem Lande beschrieben. Die Musik entfaltet sich heiter und leicht, wobei die Streicher hier in den Vordergrund treten. Die nächste Szene spielt am Bach, auch hier noch eine leicht dahinplätschernde Melodie. Souverän und klar entwickelt das Orchester die einzelnen Szenen, impulsiv und ausdrucksstark beweisen sie sich im vierten Satz, bei dem nach einem fröhlichen Beisammensein im Freien ein Gewitter beschrieben wird. Hier dominierten Bass, Hörner und Pauke, die der Musik die dramatische Wendung gaben. Mit sanften Klängen, die sich zu einem quirligen Melodiengefüge entwickeln, endet der letzte Satz und damit auch das Konzert. Für ihren langanhaltenden Applaus bedankte sich der Orchesterverein "Collegium Musicum" mit ihrem Dirigenten Joachim Lemme mit der Romanze aus "Rosamunde" von Franz Schubert.
Gisela Kaminski
Acher-Rench-Zeitung, 12.12.06
    Musikalische Qualität macht sich bezahlt: Ausverkauft!

Collegium Musicum besticht mit Mozart, Vivaldi und hochkarätigem Gastchor aus Tschechien:

 

Oberkirch. Musikalische Qualität macht sich auf lange Sicht bezahlt. Das erfährt derzeit das Collegium Musicum Oberkirch mit seinem Dirigenten Jochen Lemme, das sich einer immer noch wachsenden Anhängerschar erfreut. Die Erwin-Braun-Halle war bis auf den allerletzten Platz besetzt und das Publikum bekam mit den Solisten Jörg Werner, Violine, Sebastian Schindler, Horn und dem Jugendchor Ondrášek aus Tschechien ein Konzert mit durchweg festlicher Grundstimmung geboten.

 

Den Auftakt zum Weihnachtskonzert machten die Gäste aus Tschechien mit internationalen und heimatlichen Weihnachtsliedern. Der deutsch-tschechische Musikaustausch von Jugendlichen wird durch den deutsch-tschechischen Zukunftsfond in Prag und durch das Goetheinstitut in Bonn gefördert und durch die Musik- und Kunstschule Oberkirch mit ihrem Leiter Hansjörg Stürzel organisiert. Das Musikschul-Orchester wird im kommenden Januar zu einem Gegenbesuch nach Nový Jicín aufbrechen. Vom ersten Ton an machten die jungen Sänger und Sängerinnen deutlich, warum der Chor auch auf internationalen Podien gefragt und mit höchsten Auszeichnungen bedacht ist. Josef Zajícek, der erstklassige Chorleiter dirigierte beim Auftritt in der Erwin-Braun-Halle einen Chor, der durch eine lupenreine Intonation und eine unglaubliche, rhythmische Präzision bestach. Jede Einzelstimme ordnet sich diszipliniert dem außerordentlich homogenen Gesamtklang des Chores unter. Begleitet wurden die SängerInnen von Thomas Neuberth an der Trompete. Der Chor wurde nach dem Lied "Stille Nacht" mit begeistertem Beifall bedacht.

 

Virtouser Solist

Seit Jochen Lemme beim Collegium Musicum den Takt angibt, erlebt der Oberkircher Orchesterverein einen großen Aufschwung und erfreut sich einer immer größer werdenden Fangemeinde. Dies liegt nicht zuletzt an der unbestrittenen Qualität des Orchesters, das nach wie vor aus dem sehr gut ausgebildeten Nachwuchsreservoir der Musik- und Kunstschule schöpfen kann, sondern auch an den Instrumentalisten  die an ihren Pulten eine hervorragende Arbeit verrichten. Einer davon ist der erste Geiger Jörg Werner, der sich an diesem Abend mit Antonio Vivaldis Konzert "Der Winter" aus den berühmten Zyklus "Vier Jahreszeiten" als Solist vorstellte. Vivaldis Konzerte verlangten zur damaligen Zeit einen Geigensolisten, der auf der Höhe der Zeit sein mußte, um den instrumentaltechnischen Anforderungen des Violin-Partes gewachsen zu sein. Dies gilt heute immer noch- und Jörg Werner zeigte sich den Ansprüchen des Werkes gewachsen. Souverän und virtuos meisterte er mit sehr guter Intonation auch die rasantesten Passagen, bei denen man förmlich die kalten Winterwinde am Fenster rütteln zu hören glaubte. Vor allem im zweiten langsamen Satz bestach er zum Pizzicato des Orchesters mit einem schön gestalteten, sanglichen Ton und elastischen Verzierungen.

 

Nach der Pause gab es ein Wiedersehen mit dem Hornisten Sebastian Schindler, der in Oberkirch aufgewachsen ist und seine musikalische Ausbildung an der Musik- und Kunstschule absolviert hat. Seit 2003 ist er stellvertretender Solohornist der Jenaer Philharmonie. Das Konzert für Horn und Orchester in Es-Dur, KV 447 gilt als das anspruchsvollste der vier Konzerte, die W.A. Mozart, damals inspiriert durch den befreundeten Hornisten Joseph Leutgeb geschrieben hat. Leutgeb galt damals als Pionier seines Instrumentes, so dass Mozart alle Neuentdeckungen, darunter eine neuartige Stopftechnik in seine Werke einbinden konnte. Sebastian Schindler spielte das Werk mit großem Ton, zeigte dabei keinerlei Ansatz-oder technische Schwächen und begeisterte sein Publikum mit seiner lupenreinen Interpretation des dreisätzigen Werkes. Das gut aufgelegte Orchester sorgte dabei für eine adäquate Unterstützung des Solisten, der wie Jörg Werner mit viel Beifall entlohnt wurde. Mit der "Linzer" Sinfonie in C-Dur, KV 425 bewies Mozart ein mal mehr seine Ausnahmestellung. Unter großem Zeitdruck fertigte er in nur vier Tagen eine Sinfonie mit einer glanzvollen, festlichen Aura. Zum ersten Mal nahm er in der Satzfolge, wohl in Anlehnung an Joseph Haydn einen langsamen Satz an den Anfang und verzichtet auch im langsamen Satz nicht auf die Pauken und Trompeten um den Glanz seiner Musik zu unterstreichen. Markant dabei ist auch die Behandlung der Holzbläser, die in vielen Passagen eine anspruchsvolle Arbeit zu verrichten haben. Die forschen, vorwärtsstürmenden Tempi des zweiten und letzten Satzes mit zahlreichen Tremolo-Effekten, die für viele schnellen Sätze im Schaffen Mozarts so charakteristisch sind, stellen ein Orchester vor eine nicht gerade leichte Aufgabe. Nicht immer gelang es dem Collegium Musicum dieses Vorwärtstreiben präzise und klar darzustellen.

 

Dafür aber überzeugte das Adagio, in dem das Orchester das wunderschöne Thema mit einer dynamisch und differenzierten Interpretation berührend zu gestalten wußte. Das Zahlreiche Publikum bedankte sich bei den Solisten und dem Orchester mit lang anhaltendem Beifall. Der sichtlich gerührte Dirigent Jochen Lemme zeigte sich erstaunt über den großen Zuspruch, den das Orchester derzeit erfährt und bedankte sich bei den Zuhörern mit zwei Zugaben.

Michael Klett bewies sich als herausragender Solist in dem Werk von Johann Christian Bach "Konzert für Viola und Orchester in c-Moll".

 

Klaus Leopold

Acher-Rench-Zeitung, 18.07.06
    Serenadenkonzert

Musik im Schlosspark:

 

Das Serenadenkonzert des Orchestervereins collegium musicum lockte am Sonntagabend 250 Besucher in den Park des Schlosses Gaisbach und erfüllte die hochgesteckten Erwartungen des Publikums restlos. 

Bei angenehmen Temperaturen im Schatten großer Bäume und im Blickfeld der malerischen Schlosskulisse lauschten die Konzertbesucher den feinen Klängen der Streicher. Diese boten unter ihrem Dirigenten, Prof. Joachim W. Lemme, ein eineinhalbstündiges Konzert mit einen bunten Strauß bekannter Melodien von "Bach bis zu den Beatles". 

Das musikalische Spektrum erstreckte sich von der Barockzeit über die Klassik bis in die Neuzeit. Lemme selbst würzte das Konzert mit launigen Worten, Weisheiten ber die Musik sowie mit Sprüchen über die Eitelkeit des Dirigenten. Auch durch sein fröhliches Mitpfeifen einer Tangomelodie brachte er das Publikum zum Schmunzeln. Unter den prominenten Zuhörern sah man Oberbürgermeister Matthias Braun mit Gattin Andrea.

Schlossherr Ulrich Freiherr von Schauenburg genoss das Soiree-Konzert vom Fenster des Schlosses aus.

 

Roman Vallendor

 

Acher-Rench-Zeitung, 24.05.06
    Mozart rahmte großes Konzerterlebnis markant ein
Johanna Dömötör spielte zauberhaften Part in der h-Moll-Suite
Oberkirch. Die Streicher des collegium musicum sind zahlenmäßig gut bestückt und leistungsstark, sie haben in ihrem Frühjahrskonzert ohne Bläser und Schlagwerk eine Klangwelt vorgestellt, die in ihrer Vielseitigkeit und ihrem ausgereiftem Vortrag das zahlreich erschienene Publikum tief beeindruckte. Prof. Joachim W. Lemme hat nicht nur Freude an handwerklicher Exaktheit und tonaler Expressivität, er liebt es offenbar auch, das Publikum zu überraschen und ihm etwas zum „Verdauen“ mit auf den Weg zu geben.
Dieses Mal gelang ihm dies mit dem ersten Stück, mit W. A. Mozarts „Adagio und Fuge“ KV 546. Wer hätte diese Musik als mozartisch eingestuft? Es gehört zum Allgemeinwissen, dass Mozart sich in seinem Spätwerk mit der barocken Formenwelt und Polyphonie auseinandergesetzt und sie ausdruckssteigernd eingesetzt hat. Aber eine so spröde Klanglichkeit wie bei der Fuge hätte man Mozart wohl doch nicht zugeschrieben. Das Adagio, wunderschön gespielt, hatte mit seinen aufbäumenden, punktierten Phrasen und der wie Entspannungsseufzer abwärtssteigenden Chromatik jene mozartsche Doppelbödigkeit, in der sprühende Lebensenergie und schmerzende Bitterkeit verbunden sind. Aber in der Fuge steigerten sich die Stimmen in ein verbissenes Rasen hinein. Es ist dem intensiven Spiel und der klanglichen Ausstrahlung des Orchesters zu verdanken, dass das Publikum mit Spannung das musikalische Geschehen verfolgte, welches sich schließlich zum eindrucksvollen Sinnbild kühnen Menschengeistes und einer „brodelnden Zeit“ formte.
Gewohnter, aber ebenso lebendig und berauschend fantasievoll ging es bei der Orchestersuite h-Moll von J. S. Bach zu. Streicher, Flöte und Cembalo verschmolzen hier zu einem faszinierenden Klangkörper. Die Suite begann mit der gewaltigen französischen Ouvertüre. Das Orchester vermochte sowohl das markante festliche Schreiten des Einleitungsteils als auch die quirlig wirbelnde polyphone Dichte des schnellen Teils wunderbar zu gestalten. Die nun folgenden barocken Tänze Gavotte (Rondeau), Sarabande, Bourrée, Polonaise/Double, Menuett führte Bach aus der Sphäre der leichten Tanzmusik hinüber in das Genre der Charakterstücke. Dem Orchester gelang es überzeugend, den rhythmusbestimmten Typisierungen Mark und Bein bzw. Fleisch und Blut zu geben. Dass dieses Werk weit oben auf der Beliebtheitsskala rangiert, liegt aber nicht nur an dieser Bereicherung der Streicherliteratur, sondern wohl noch mehr an der konzertierenden Querflöte.
Johanna Dömötör spielte dieses verkappte Flötenkonzert mit bravouröser Souveränität und sensibler Musikalität. Ihr tragender, strahlender Ton durchwebte im ganzen Werk bereichernd den Streicherklang und trat immer wieder mit Soli hervor, die wie perlenfunkelnde Silberstreifen über dem Ganzen schwebten. Höhepunkt innerhalb der Tanzsätze war die technische und musikalische Meisterleistung im Polonaisenteil „ Double“. Ein weiterer pointierter Glanzpunkt für die Flöte war die berühmte Badinerie. Das flotte Tempo forderte atemberaubende Geläufigkeit und schenkte gleichzeitig Eleganz. Es schien so, als habe Bach die Badinerie als Zugabe konzipiert. Dass sie nun tatsächlich nochmals als Zugabe noch schneller und artistischer erklang, verlieh der Spielfreude eine zusätzlich reizvolle Note.
Liebhaber von sanft wärmenden Streicheleinheiten für die Seele kamen bei der Serenade E-Dur op. 22 von Antonin Dvořák voll auf ihre Kosten. Das Orchester hatte den für solche Musik erforderlichen malerischen Klangkörper. Es nutze jede Gelegenheit, melodietrunken zu schwärmen und diese herrliche, sonnendurchströmte folkloristische Klassik mit viel Herz und Liebe fürs Detail zu musizieren.
Mit Mozart hatte das Programm begonnen. Nun, am Ende, nach langem begeistertem Beifall, verkündete Prof. Lemme nicht ohne Augenzwinckern, dass das Orchester als Zugabe das Menuett und den 1. Satz aus der „Kleinen Nachtmusik“ spielen werde. Das Mozartbild war nun wieder zurecht gerückt, aber wohl nicht mehr dasselbe. 
Kurt Bayer