Presse
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Musik schöpfte Kraft aus der Stille und dem überquellenden Reichtum
der schöpferischen Seele
Launige Serenaden im lauschigen Schloss
»Collegium musicum« ließ alte Tradition wieder aufleben
Oberkirch (kl). Mit einer kurzweiligen und unterhaltsamen Sommerserenade im Garten des Gaisbacher Schlosses knüpfte der Oberkircher Orchesterverein »Collegium musicum« am Sonntagabend erstmals wieder an eine lieb gewordene Tradition an. Bereits 1951-56 gastierte der Orchesterverein regelmäßig im Schlossgarten. Ab diesem Jahr soll die Sommerserenade wieder ins Jahresprogramm aufgenommen werden. Trotz der großen Hitze fanden sich viele Musikfreunde im Schlossgarten ein. Die großen Bäume im Garten spendeten angenehm kühlen Schatten.
Joachim Lemme verzichtete bewusst auf den Druck eines Programms und begründete dies in einer seiner witzigen Moderationen mit einem Gedicht von Eugen Roth über den Musikkenner, der glaubt eine barocke Fuge zu hören, weil er es versehentlich im Programm vom Vorabend liest und sich mit seinen vollmundigen Bemerkungen über das Stück gründlich blamiert. So etwas wolle er den Konzertbesuchern ersparen, so Lemme.
Kleine Besetzung
Aber nicht nur launige Ansagen hatte er für den Abend ausgewählt. Das in kleiner Besetzung angetretene Orchester glänzte zunächst mit dem ersten Satz aus dem ingängigen Mozart-Divertimento in F-Dur. Mit zwei allseits bekannten Hits aus ganz unterschiedlichen Epochen setzte das »Collegium musicum« das Programm fort. Jochen Lemme forderte das Publikum auf, bei Josef Haydns »Andante Cantabile« und beim im Streichergewand eindrucksvoll klingenden Beatles-Hit »Yesterday« mitzusingen. Vorher erklärte er den Zuhörern noch die zwei wichtigsten Regeln für ein Orchester. Regel eins: zusammen anzufangen; Regel zwei: auch zusammen aufzuhören, selbst wenn man als Musiker noch Noten übrig hat. Danach ließ er das Orchester alleine spielen und lehnte sich in der ersten Sitzreihe genüsslich zurück. Virtuose Solistin Im Anschluss gab es allerdings wieder Arbeit für den Dirigenten.
Johann Sebastian Bachs »Air« folgte das Rondo aus dem Konzert für Querflöte und Streicher in D-Dur, KV 184. Die junge Solistin Johanna Dömötör meisterte das virtuose Werk mit spielerischer Leichtigkeit und einer bewundernswerten Bühnenpräsenz. Kein Wunder, dass die Flötistin, die derzeit an der Musikhochschule Stuttgart studiert, schon hochkarätige Preise gesammelt hat. Ihr Auftritt wurde mit begeistertem Beifall quittiert.
Mit Variationen über das Volkslied »Hänschen klein« wurde das Publikum zu einem Ratespiel aufgefordert. Der Stil der Variationen sollte erraten werden. Aber selbst das letzte Rätsel, eine vermurkste Version des Volksliedes eines »Musikstudenten« im sechsundzwanzigsten Semester (!) wurde erraten und mit einer Flasche Sekt belohnt. Als Zugaben spielte das »Collegium musicum« passend zur Jahreszeit »Summertime« von George Gershwin, den letzten Satz aus Mozarts »Divertimento F-Dur« und Scott Joplins »Entertainer«. Mit viel Beifall wurden die Akteure am Ende vom Publikum für eine sehr amüsante Serenade belohnt.
Klaus Leopold
Musik entfaltete hypnotische Wirkungen
Mozart und Schubert glänzten in der Stadthalle Oberkirch
Oberkirch. Die heiteren und melancholischen Stimmungen, die ausstrahlungsintensiven Melodien und Klänge weckten tief empfundene Freude, so überzeugend spielte das Collegium musicum Oberkirch unter der Leitung von Prof. Jochen Lemme beim Frühjahrskonzert des Orchestervereins in der Stadthalle. Das Orchester verfügte über eine Streicherbesetzung, deren technische Brillanz zur Darstellung Mozartscher Feinstruktur taugte, deren spielerische Leichtigkeit die Zartheit einer Duftwolke und deren Vehemenz die Kraft eines tosenden Sturzbachs erreichen konnte. Diese Ausdrucksfähigkeit wurde effektvoll ergänzt durch die wunderbaren Flöten, Oboen und Hörnerpassagen bei Mozart und bei Schubert außerdem durch die herrlichen Fagott-, Trompeten- und Paukenklänge. Das Orchester stellte dieses Mal auch die Solisten: die Lehrer an der Musikschule Oberkirch Jörg Werner, Violine, und Michael Klett, Viola, spielten in Mozarts Konzert für Violine und Viola einen bezaubernden Part.
Dabei hätte man hinter dem Programm eine solche Vielfalt nicht vermutet. Mozart und Schubert stehen für den Musikstil der Wiener Klassik und nur 30 Jahre trennen sie voneinander. Dennoch lagen zwischen den Musikstücken Welten und das machte den Abend so farbig und spannend und zeugte von einer guten Programmauswahl.
Die Sinfonie Nr.29 A-Dur KV 201 hat W.A. Mozart 1774 in Salzburg geschrieben. Er war damals 18 Jahre alt. In ihr klingt die Zeit der italienischen Reisen fort, denn dieses Werk strahlt südländische Sonne und Heiterkeit aus. Die frischen Tempi, die Leichtigkeit und Klarheit, mit der die Motive artikuliert wurden, das muntere Spiel der Streicher, der Flöte, Oboen und Hörner weckten frühlingshafte Aufbruchstimmung.
Die Aufgeschlossenheit des Orchesters für die feinsinnigen offenliegenden Werkstrukturen kam auch dem nächsten Musikstück sehr zustatten, Mozarts Konzert für Violine und Viola. Es betonte mehr die Moll-Modalität und hatte im Andante geradezu russisch elegische Züge. Die beiden Solisten Jörg Werner, Violine und Michael Klett, Viola, spielten ein wunderbares Spiel. Wie sie die Charaktere ihrer Instrumente ausspielten und gegenüberstellten, die tragend glänzende Stimme der Violine und den kräftig warmen, in tiefen Lagen geradezu celloartigen Klang der Viola! Wie sie wie aus einem Guss zusammenspielten! Wie sie sich die Bälle zuwarfen und in welch geschmackvoller Weise sie die offen liegenden Stimmen ausgestalteten und zu einem Ganzen zusammenwachsen ließen, war eine Freude. Auch das Zusammenspiel mit dem Orchester war gut abgestimmt, Solisten, Hörner und Holzbläser mischten herrliche Klangfarben. Im Presto fielen die Schranken hochgeistiger Kultiviertheit zugunsten eines überschäumenden Temperaments, sodass der Satz geradezu zu einem Rausschmeißer vor der Pause wurde.
Die 1. Sinfonie 19jährigen Franz Schubert aus dem Jahre 1803 setzte nochmals eins drauf. Nicht nur dass das Klangfarbenspektrum durch Trompeten und Pauken erweitert war, auch die ganze Art zu komponieren setzte im Orchester neue Kräfte frei. Ein bisschen Melancholie klang eingebetet in den tänzerischen 2. Satz an. Sonst schäumte die Musik über vor eingängigen Melodien, harmonischen Einfällen und lebensstrotzenden Rhythmen. Das Orchester hatte so die Möglichkeit alle seine Kräfte zu mobilisieren und ein glänzendes Finale zu gestalten.
Kurt Bayer
Strahlendes D-Dur, Trompetenschall und Paukenwirbel,
dazu ein gediegener Streicherklang
Achern (lub). Strahlendes D-Dur, Trompetenschall und Paukenwirbel, dazu ein gediegener Streicherklang - Musik von Johann Sebastian Bach. Einen festlicheren, höher gestimmten Auftakt kann ein Konzert kaum haben. Anläßlich seines bevorstehenden 60. Geburtstages hatte Acherns Kulturbeauftragter, Professor Joachim W. Lemme, am Sonntag abend in die Katholische Pfarrkirche Unserer Lieben Frau zu einem festlichen Kirchenkonzert eingeladen. Unter Jochen Lemmes souveränem Dirigat erklang die Orchestersuite, Nr.3, D-Dur von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) sowie das Klarinettenkonzert, A-Dur, KV 622 und die „Credomesse“, C-Dur, KV 257, von Wolfgang Amadeus Mozart (156 bis 1791). Ausführende waren Christopher Corbett (Klarinette), das Vokalsolistenquartett Christine Brenk (Sopran), Ursula Eittinger (Alt), Andreas Weller (Tenor) und Markus Flaig (Bass), sowie der Orchesterverein „collegium musicum“ Oberkirch. Die chorischen Aufgaben erfüllte ein etwa hundertköpfiger Projektchor aus Mitgliedern des Motettenchores Achern und des Kirchenchores „St.Peter und Paul“ Bühl sowie des Kirchenchores „St.Bernhard“ Fautenbach, deren einstudierende Probenarbeit von Norbert Jeanjour (Achern, Bühl) und Gabriele Sichler-Karle (Fautenbach) geleistet worden war. Die musikalische und organisatorische Gesamtleitung des im Rahmen der kommunalen Veranstaltungsreihe „gong Achern“ stattfindenden Konzertes lag in den Händen von Jochen Lemme. So groß war der Publikumsandrang, daß die Abendkasse letztlich nur noch Stehplätze zu vergeben hatte.
Nach der großartigen, schwungvollen und kräftigen, französisch akzentuierten Ouvertüre D-Dur, folgt in Bachs Orchestersuite Nr.3, quasi als „Herzstück“, das einzigartige, italienisch geprägte Air, das Jochen Lemme und "sein", seit 1997 von ihm betreutes Oberkircher Orchester mit tiefem Gefühl und überlegenem Klangsinn in die französische Umgebung der übrigen, nach einem genialen dramaturgischen Plan angeordneten Sätze hinein akzentuierte. Es ist ein an Vivaldi orientiertes Adagio, dessen Tempo im Vergleich zu den ansonsten sehr frisch genommenen Tanzsätzen bis zu kontemplativer Gelassenheit zurückgenommenen wurde. Jochen Lemme verstand es, gesangliche Linien der Partitur freizulegen, die er zu einer beglückenden klanglichen Skulptur zu verbinden verstand. In den drei folgenden folgenden französischen Tanzsätzen, deren gültige Interpretation ein Höchstmaß an rhythmischer Akzentuierung und ensembledienlicher Präzision erfordern, zeigte sich das Oberkircher Kammerorchester mit seinem Konzertmeister Michael Klett bestens gewachsen. Tänzerischer Gestus, klangliche Transparenz und kraftvolle Artikulation sicherten der Interpretation ihre Lebendigkeit und einen beglückend umfassenden Klangsinn.
Nach seinen musikalischen Anfängen als Klarinettenschüler von Rudolf Heidler und Karl Schlechta vom SWR-Sinfonieorchester hat der 1979 in Bühl/Baden geborene Musiker Christopher Corbett inzwischen ein künstlerisches Profil gewonnen, das ihn zum gefragten Ensemblespieler namhafter Orchester und zum virtuosen Solisten macht. In Achern interpretierte er das zum genialen Spätwerk der Wiener Klassik gehörende Klarinettenkonzert A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. In seiner gelösten, heiteren Atmosphäre finden sich kaum Spuren der düsteren Stimmung in der sich Mozart 1791 befand. Noch heute stellt das wohl berühmteste aller Klarinettenkonzerte an den Interpreten, trotz der modernen, agileren Instrumente, ein Höchstmaß an virtuoser Handhabung. Nicht nur der Gebrauch der Tonfarben in den verschiedenen Register gelang Christopher Corbett vorbildlich. Auch in der dialogisierenden „Klangrede“ mit dem flexibel begleitenden Orchester und seinem umsichtigen Dirigenten konnte sich der jugendliche Interpret, der seit September 2002 als Soloklarinettist beim Deutschen Symphonieorchester Berlin beschäftigt ist, bestens aufgehoben fühlen. Einen klanglichen Höhepunkt bot der zweite Satz Adagio mit seiner breit ausschwingenden Kantilene, die sich über dem von Flöte, Fagott und Horn harmonisierten Kammermusiksatz erhebt, bevor Christopher Corbett und das Orchester in das mitreißende, farbig geschmeidige Rondo einmündeten.
Festlich repräsentativ sind die „Salzburger Messen“, die Mozart bis zu seinem „Rauswurf“ durch Fürsterzbischof Colloredo für den liturgischen Gebrauch zu liefern hatte. So auch die Messe in C-Dur, KV 257, deren ausgeprägtes „Credo“ dem Werk den Namen „Credomesse“ verlieh. Das harmonisch bestens aufeinander abgestimmte Solistenquartett bot eine überzeugende Leistung, ohne stimmlich allzu sehr gefordert zu sein. Der Bühler, Acherner und Fautenbacher Projektchor bestach durch klangvolles Volumen, klare Artikulation und gute Textverständlichkeit sowie durch makellose Intonation. Ebenso wie die Sänger-Ensembles folgte das bläserverstärkte "collegium musicum“ den künstlerischen Intentionen von Dirigent Jochen Lemme und ließ im Zusammenklingen mit allen Beteiligten den Zuhörern das Konzert zu einem musikalischen Ereignis ersten Ranges in der Region werden.
Thomas Lubkowski
Ein Fest der Klassik in der Kirche
Weihnachtskonzert bot höchste Qualität und mitreißende Musik
Pianistin Elena Kuschnerova löste Begeisterungsturm aus.
Kette voll musikalischer Juwelen
Collegium musicum und Pianistin Elena Kuschnerova zeichneten überragendes Klangbild
Oberkirch. Emotionale Hochspannung und elektrisierende Kunstfertigkeit machten das Weihnachtskonzert des Orchestervereins zu einem einzigartigen Erlebnis, so tief wurden die Sinne berührt und so hoch schäumten die Wogen der Begeisterung. Es waren verschiedene Komponenten, die sich zu solcher Wirkung bündelten. Dirigent Jochen Lemme hatte geschmackvoll Werke aus der Romantik ausgewählt: die Ouvertüre „im italienischen Stil“ von Franz Schubert, das 2. Konzert für Klavier und Orchester von Fréderic Chopin und die 4. Sinfonie von Robert Schumann. Das collegium musicum ist hinsichtlich der Besetzung und der Leistungsstandarts zu einem Klangkörper herangereift, der in der „Amateurliga“ seinesgleichen sucht. Und für das Klavierkonzert konnte mit Elena Kuschnerova eine außergewöhnlich exzellente Künstlerin gewonnen werden.
Von Anfang an, schon bei der Schubert – Ouvertüre, zeigte das Orchester Gestaltungskraft. Die Töne plätscherten nicht so dahin, sie entwickelten Spannung und Dynamik, die Klangfarben hatten Ausstrahlung, das Orchester bestand nicht aus einer Vielzahl von „Einzelkämpfern“, es bildete einen wohlabgestimmten Organismus. Schuberts einfühlsame Melodik und farbenfrohe Orchestrierung kam deshalb voll zur Geltung.
Dank der überragenden Kunstfertigkeit der Pianistin Elena Kuschnerova bildete das Klavierkonzert Nr.2 f-moll von Chopin ein besonders kostbar gefertigtes Juwel innerhalb des Konzertes. Kuschnerova spielte souverän auswendig, mit Blick fürs Detail und fürs Ganze. Sie konnte Gegensätze ineinander fließen lassen. Sie verband atemberaubende Geläufigkeit mit ruhiger Gelassenheit und kraftvolle Themenarbeit mit lustvoller Verspieltheit. Im Maestoso tummelten sich die Klaviertöne wie muntere Fische durch den ruhig wogenden Ozean der Streicher. Das Larghetto verbreitete zunächst weihevolle Stimmung und stieß schließlich in abgründige Tiefen der Seele vor. Im Allegro vivace tauchte die Musik wieder ein in die scherzhaft fröhliche Welt der Mazurka. Das Orchester begleitete feinfühlig, nahm die Impulse des Klaviers auf und so entstand ein musikalisches Gesamtbild, das man mit höchster Freude genießen konnte.
Orchestraler Glanzpunkt war die Wiedergabe der Sinfonie Nr. 4 d-Moll von Robert Schumann. Bei diesem Werk, das nicht einfach nur romantisch ist, sondern auch in extreme Bereiche des Ausdrucks vorstößt, bestätigte sich in eindrucksvoller Weise, was schon bei Schubert-Ouvertüre aufgefallen ist: das Orchester verfügt über hervorragende Instrumentalisten. Die Holzbläser, die Blechbläser, die Streicher formten mit Ausdruckskraft und Variationsreichtum Töne und Klänge, die begeisterten. Dabei entwickelte sich eine reiche Motivarbeit, entstand eine lebhaft differenzierte Rhythmik und bildeten sich eindrucksvolle Klangflächen und -mischungen. Als das wunderbar scherzhafte Scherzo vorüber war, gab es für das Orchester kein Halten mehr. Im 4. Satz begann gleichsam ein Wetteifern unter den Musikern und Klangregistern, wie sie ihre Freude am Musizieren wohl am besten zum Ausdruck bringen könnten, was zu einer weiteren Ausdruckssteigerung führte.
Mit diesem Weihnachtskonzert zeigte das collegium musicum des Orchestervereins Oberkirch einmal mehr, dass es einen hervorragenden Platz in der Kulturlandschaft einnimmt. Jochen Lemme ist der richtige Mann an der Spitze dieses Ensembles. Er nutzt die Motivation der Musikerinnen und Musiker und führt sie zu Leistungen, von denen man mit Hochachtung spricht.
Kurt Bayer
Freude am Musizieren war spürbar
collegium musicum gestaltete ohne auswärtige Unterstützung ein gelungenes Konzert.
Lebendig sprudelnde Freude am Musizieren und wacher Sinn für die in den Musikstücken wohnenden Köstlichkeiten machten das Konzert des collegium musicum zu einer Quelle der Erquickung, die die Unbilden der Hitze am Sonntagabend aufs Angenehmste kühlte. Obwohl „nur“ Streicher hinter den Pulten saßen, war der Abend voller Abwechslung und Ausdruckskraft. Das Programm sah auf den ersten Blick eher bescheiden aus: Wolfgang Amadeus Mozart, Sinfonie F-Dur KV 138, Johann Sebastian Bach, Violinkonzert a-Moll, Edvard Grieg, Holberg-Suite, Benjamin Britten, Simple Symphonie. Aber wie Jochen Lemme diese Musik mit seinem Orchester musizierte, war ein erstklassiger Hochgenuss, so klangschön und intelligent waren die Interpretationen.
Schon die Mozartsinfonie bezauberte durch die saubere, klare Wiedergabe, vor allem aber durch die Leichtigkeit, in der sämtliche Niedrigkeiten des Alltags entschwebten. Diese Souveränität, sich ganz der Musik hingeben zu können, lebte auch in Bach’s a-Moll-Konzert weiter. Michael Klett, der Sologeiger, bettete seine Violinstimme wunderschön in den Orchesterpart ein. Sein Spiel war voller Feingefühl und frei von vordergründigem Ballast – ein liebreizender Kontrast zu dem festgefügten Satz des Orchesters, das die thematische Struktur wirkungsvoll webte.
Besonders bei der Holberg-Suite von Grieg ging öfters ein Prickeln durch die Haut. Da gab es die herrlichen Soli der Cellogruppe, das lebendige Wechselspiel zwischen Violine und Viola. Da konnte man im Orchester die Strichtechnik und köstliche Pizzikato-Stellen bewundern , vor allem die spannungsvolle Dynamik, die in der Air ihren Höhepunkt erlebte.
Auch bei der Simple Symphonie von Britten, die ja oft gespielt wird – auch von Anfänger-Orchestern – wurde man sehr überrascht von der Ausdruckskraft und Schönheit, die dieses Werk entfaltet. Die Sätze hatten Charakter. Leicht zu übersehende Details wurden sichtbar, und immer wieder freute man sich an den satten Tönen des Orchesters. Das Publikum blieb trotz der Hitze bis zum Schluss quicklebendig.
Das Orchester bedankte sich für den reichen Applaus mit einem Walzer von Tschaikowsky und der Pizzicato-Polka von Johann Strauss.
Kurt Bayer
Mit Corelli-Sätzen beschenkt
„Collegium musicum“ überzeugte mit niveauvollem Weihnachtskonzert
In der voll besetzten Erwin-Braun-Halle in Oberkirch führte das „collegium musicum“ unter seinem Dirigenten Professor Jochen Lemme hochkarätige Werke von Rameau, Bach und Haydn auf.
Als Konzerteinstieg präsentierten Jochen Lemme und sein ausgewogen besetztes Orchester eine siebenteilige Ballett-Suite von Jean-Philippe Rameau (1683 – 1764), deren reizvolle Tanzminiaturen dank konzentrierter und musikalisch qualifizierter Ausreizung barocke Lebensfreude versprühten.
Dagegen gab sich das Konzert f-Moll für Klavier, Streicher und Continuo von Johann Sebastian Bach, in der Urfassung wohl als Violinkonzert konzipiert, in den Ecksätzen spielerisch gelöster und beinhaltete im Mittelteil ein sehr schön gespieltes Largo. Obwohl Bach die Erfindung des Klaviers (klanglich nicht mit dem heutigen zu vergleichen) noch miterlebt hat und man von „Klavierkonzert“ sprechen kann, bevorzugen die meisten Interpreten das Cembalo für den Solopart. Der spezifisch silbrige Klang gibt dem Werk eine wohltuende Frische. Dessen ungeachtet wählte Thomas Strauß den Flügel. Mit Anschlagsdynamik und tadelloser Technik brachte er die Pianoversion voll zum Tragen. Das von Lemme hervorragend motivierte Orchester agierte auf hohem Niveau und sorgte so für eine sehr ansprechende Gesamtrealisation.
Nach der Pause interpretierte Florian Hasel, Solo-Englischhornist im SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden, das Konzert A-Dur, BWV 1055 (auch praktiziert als Violinen- und Klavierkonzert) von. J.S.Bach. Die drei Sätze, in dieser Version schwer zu realisieren, kamen tonal prächtig in souveräner Melismatik im langsamen Mittelteil sowie mit Frische bei den zügigen Tempi an. Darüber hinaus sorgte ein gut mitziehender Orchesterapparat für entsprechenden Kunstgenuss. Joseph Haydn liegt dem „collegium musicum“ besonders gut. So präsentierten die Musiker als Abschluss des offiziellen Programms die niveauvolle G-Dur-Sinfonie Nr. 88 aus dem Jahre 1787. Beethoven selbst hat das Hauptthema im Finale seiner achten Sinfonie übernommen. Dank der souveränen Schlagtechnik des Dirigenten Lemme hatten die Strukturen einen wohlkonturierten Charakter. Auch die charakteristischen Details waren gut markiert und von hervorragenden Bläsern und guten Streichern musikalisch auf hohem Level gestaltet. Das glanzvolle Finale mündete in den kraftvollen Beifall der begeisterten Zuhörer, die als Zugabe mit zwei Corelli-Sätzen inklusive der „Pastorale“ beschenkt wurden.
Gunter Thiel
Mozarts munteres Plätschern mit Tiefgang aufgetischt
Gerrit Zitterbart und „collegium musicum“ spielten mit perlender Präzision.
Bot dem Publikum nicht nur Galanterien, sondern auch „wunderbar schmackhafte Heilkost für die Seele“. So wohltuend war das Rendezvous mit den vielen musikalischen Köstlichkeiten.
Unter der Leitung von Jochen Lemme zeigten sich Orchester und Solisten in Hochform. Sie vermochten sowohl mit dem Charme zu kokettieren als auch die Tiefenschichten der Kompositionen auszuloten.
Mozarts wirkungsvolle Streichersätze lassen immer wieder die Herzen höher schlagen. Und das Oberkircher „collegium musicum“ packte die Gelegenheit beim Schopf, meisterhafte Musik gekonnt darzustellen. Die „Kleine Nachtmusik“ klang lieblich und duftig, aber auch knackig und herzhaft dank der Tongestaltung und rhythmischen Prägnanz.
Die tiefsten Eindrücke hinterließ das Konzert für Klavier und Orchester C-Dur KV 467. Der international bekannte Pianist Gerrit Zitterbart zeichnete die Themen und Entwicklungen mit ungeheurer Klarheit und perlender Präzision. Am meisten beeindruckte seine Fähigkeit, den Tönen Leben einzuhauchen. So schaute bei aller kristallklaren Brillanz der Spieltechnik immer auch der geheimnisumwobene Urgrund hindurch. Seine Soli beispielsweise in den Kadenzen entfalteten Virtuosität und Aussagekraft. Er klinkte sich souverän in die Orchestermusik ein und führte aufmerksam Dialoge mit dem Orchester.
Innere Saiten klangen.
Nach der Pause wurde professionelle klassische Unterhaltung geboten, die Volkslied und –tanz einbezog. Das Divertimento Nr. 11 D-Dur KV 251 für Streicher, 2 Hörner und eine Oboe geschrieben hatte durchweg sonnigen Charakter. Die Spielfreude entzündete sich immer wieder frisch an Soloeinlagen. Die gefühlvollen Gesänge der Oboe sorgten für das notwendige Sentiment. Die Streichquartetteinlagen vergnügten mit spritzigen Einfällen. Das Tutti belebte durch Melodienfreude, malte Klangfarben und bestach durch charaktervolle Rhythmen, die geistreich und humorvoll kombiniert wurden. Zum Humor passte die Reaktion Lemmes auf das Klatschen des Publikums vor dem letzten Satz. Er tat so, als ob das Stück zu Ende wäre und spielte den herrlichen „Marcia alla francese“ als Zugabe. Der jubelnde Beifall und das außerordentlich gut gefüllte Haus wurden schließlich mit der vorbereiteten Zugabe quittiert.
Das Andante aus der „Linzer Sinfonie“ war der richtige Abschluss, denn er hatte wieder die volle Orchesterbesetzung und malte ein ergreifendes Tongemälde.
War Mozart leichte Kost? Nur vordergründig. Was für den Hörer so munter dahersprudelte, kam aus tieferen Schichten. Die Interpreten waren voll gefordert, damit sie das „klare Wasser“ nicht trübten. Der Oberkircher Mozartabend bereitete ungetrübte Freude.
Kurt Bayer
„Collegium musicum“ bot anspruchsvollen Abend
Weihnachtskonzert in der ausverkauften Erwin-Braun-Halle/ Thomas Strauß als „Stargast“
Rituale müssen sein. Besonders zu Weihnachten. Und so erklang traditionsgemäß als Zugabe ein Ausschnitt aus Arcangelo Corelli’s Concerto grosso Nr. 8 g-Moll mit der berühmten Pastorale zum Abschluss des begeistert vom Publikum aufgenommenen Weihnachtskonzertes des Orchestervereins „collegium musicum“ Oberkirch.
In der restlos ausverkauften Erwin-Braun-Halle musizierten unter der Leitung von Jochen W. Lemme die Solisten Thomas Strauß (Klavier) und Florian Hasel (Oboe d’amore). Auf dem Programm standen die Ballettsuite „Dardanus“ von Jean Philippe Rameau, das Solokonzert von Johann Sebastian Bach und die Sinfonie Nr. 88, G-Dur des Großmeisters der Wiener Klassik, Joseph Haydn.
Dabei erwies sich das seit 1997 vom Acherner Kulturbeauftragten Jochen Lemme geleitete „collegium musicum“ als souveräner höchst motiviert aufspielender Klangkörper, der die nicht geringen, ehrgeizigen musikalischen Aufgaben mit Hingabe, Begeisterung und beträchtlichem musikalischen Können meisterte. Das seit 1921 bestehende Traditionsorchester vereint Musiker unterschiedlicher Generation, wobei die große Anzahl junger, durch die Musikschulen bestens ausgebildeter Instrumentalisten auffällt.
Das von Jochen Lemme künstlerisch geleitete Oberkircher „collegium musicum“ mit Konzertmeister Michael Klett „verstärkt“ sich namentlich in den Holzbläsern mit Profimusikern. Das kommt erweiterten Möglichkeiten der Repertoiregestaltung und der Pflege der orchestralen Spielkultur entgegen. So war das erfreuliche künstlerische Gelingen des anspruchsvollen Weihnachtskonzertes nicht nur für die Zuhörer ein musikalischer Genuss. Auch Solisten, Orchester und Dirigent erhielten in Form von herzlichem Beifall eines zufriedenen Publikums den Lohn für Wochen und Monate angestrengter, mühevoller Probenarbeit.
Begeisterung vermag Dirigent Jochen Lemme auch im Konzert weitgehend auf seine Musiker zu übertragen. Diese folgen ihm bereitwillig bei der klanglichen Umsetzung seines akzentuierten, dabei die Möglichkeiten eines – wenn auch sehr guten – Amateurorchesters berücksichtigenden , Gestaltungswillens. Besonders eindrücklich gelang die Ausformung musikalischer Bögen bei der inspirierten und frisch zupackenden Interpretation barocker Klangpracht und kontrapunktischer Finessen bei Rameau und Bach.
Bei der Durchdringung der Haydn-Partitur zeigten sich jedoch trotz vieler „schöner Stellen“ namentlich im zweiten Largo und im furiosen Finale deutliche rhythmische Reserven und klangliche Grenzen der orchestralen Möglichkeiten.
Als besonderer Glücksfall in einem insgesamt erfreulich gelungenen Konzert darf die Verpflichtung des Ortenauer Bachspezialisten Thomas Strauß (Klavier) und dem SWR-Solo-Englischhornisten Florian Hasel gelten, die ihre anspruchsvollen Solistenparts mit technischer Bravour, musikantischem Einfühlungsvermögen und mitreißend phrasiertem Klangsinn erfüllten.
Thomas Lubkowski