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Mittelbadische Presse, 20.07.10
    Großartige Musik und Kabaretteinlagen

Lemme wechselte seine Profile beim Serenadenkonzert

Dank kabarettistischer Einlagen gab es neben wirkungsvoller Musik auch viel zum Lachen

 

Unter dem Motto „Die goldenen 20er-Jahre“ präsentierte der Orchesterverein collegium musicum Oberkirch, verstärkt durch E-Piano und Akkordeon, unter seinem Dirigenten Professor Joachim W. Lemme sein diesjähriges Serenadenkonzert im Gaisbacher Schloss. Wie im Vorjahr trug es auch dieses Mal wieder einen ganz besonderen Charakter. Denn es gab kein gedrucktes Programm, so dass die zahlreichen Zuhörer auf die Moderation von Lemme selbst angewiesen waren. Es hatten auf diese Weise auch Analphabeten die Chance zu wissen, was präsentiert wird.

Trotz des Handicaps seines linken Unterarms und eines Fingers, die er sich beim Bratschen-Spiel zu gezogen hatte (Absturz aus der „dritten“ Lage?) entnahm er den Dirigentenstab aus dem Verband und initiierte R. Benatzkys „Im weißen Rössl am Wolfgangsee“ als „Einstiegsdroge“. Allerdings begab er sich gleich zu den Zuhörern, um den Klängen seiner Instrumentalisten zu lauschen. Aber diese waren nicht nur „gehandikapt“ durch die Verletzung ihres Chefs, sondern auch durch die Windverhältnisse, die das Notenmaterial schon etwas durcheinander wirbelten. Wäscheklammern en masse waren angesagt. Ungeachtet dessen gab es eine schöne Realisierung.

 

Dann erfreute man sich unter der humorvoll-souveränen Leitung von Lemme am „Reigen“ von O. Straus und der „Tango-Revue“ von Woitschach als Abschluss des „offiziellen“ Programms, das aber durch acht folgende Zugaben gewürzt wurde. Wo erlebt man schon so viele Zugaben?

Wunderschöne Interpretationen von „Pizzicato“ (L. Delibes) und „Schöne Melodien“ von G. Winkler erfreuten dank feinsinniger Tonbildung und rhythmisch präziser Gestaltung. Das Publikum wurde immer wieder involviert.

 

Die zitierten Werturteile über Laien- und Berufsmusiker, im Salonorchester spielen beide mit, waren irgendwie sehr treffend!  Kritik an Komponisten: Viele bringen das, was sowieso zuvor von anderen schon gespielt wurde, als ihr „Paradewerk“ . Schlagersänger hängen von der Elektrotechnik ab…, manche erreichen ihren Höhepunkt erst im hohen Alter… und kurz vor Schluss eine Bemerkung zur Presse mit einer nicht so ernst gemeinten Unterstellung, sie habe wohl kein besonderes Werturteil für Salonmusik übrig, mit anderen Worten, es gibt anspruchsvollere Literatur.

 

Hier knüpfe ich nochmals an mit der Musik, die geboten wurde, um das Presseurteil zu relativieren.

 

Denn auch die folgenden „Zugaben“ waren trotz genannter widriger Umstände ausgezeichnet und trafen voll den Geschmack des Publikums. So erwies sich Jörg Werner beim „Liebesgruß“ von Edward Elgar als versierter und feinsinniger Solist auf der Violine. Brühnes „Von der Puszta will ich träumen“ leitete zum begeistert aufgenommenen „Wiener Liederpotpourri“ über. Dann zauberte Michael Klett beim Czardas“ von Vittorio Monti auf seiner Violine. Vivacisssimo in Perfektion bei hervorragender Tonbildung. Entsprechend begeisterter Beifall!

Mit dem „Radetzky Marsch“ von Johann Strauß aktivierte man noch einmal so richtig das Publikum, welches kräftig mitzog. „Sag zum Abschied“ von Peter Kreuder rundete ein wunderbares, sehr niveauvolles „Serenadenkonzert“ ab. Lemme, der ohnehin als souveräner Dirigent bekannt ist,  dürfte auch als ironisch-humorvoller Kabarettist ein hervorragende Figur abgeben. Das Konzert ist in seiner Konstellation ein großer Wurf!

 

Gunter Thiel

 


Acher-Rench-Zeitung, 22.06.10
    Oberkirch ist Symphonie-Stadt geworden

Collegium musicum punktete mit Ur- und Erstaufführung. Jean-Eric Soucy war ein hervorragender Solo-Bratscher.

 

Das Konzert des collegium musicum in der Erwin-Braun-Halle war eine bewegende Feier erstklassiger Musik. Dirigent Prof. Joachim Lemme hatte ein Programm zusammengestellt, das neugierig machte: Uraufführung der „Oberkircher Sinfonie“ von Vélimir Valtchev, europäische Erstaufführung des Konzertes für Viola, 2 Hörner, Streicher und Basso continuo in Es-Dur von Friedrich Benda (1745 – 1814), die Fantasie für Viola, Streicher und zwei Klarinetten von Johann Nepomuk Hummel (1778 – 1837), das „Siegfried-Idyll“ von Richard Wagner und die Prager Sinfonie von W.A. Mozart. Außerdem stand mit Jean-Eric Soucy ein großartiger Solist auf der Bühne. Er ist Solobratscher des SWR-Orchesters und war Orchester-Kollege von Prof. Joachim Lemme. Die Darbietungen waren kunstvoll gestaltet und mit ansteckender Begeisterung musiziert.

 

Die „Oberkircher Sinfonie“ von Vélimir Valtchev setzte gleich zu Beginn Sonne ins Gemüt. Im Stil der Wiener Klassik komponiert zeichnete sie sich aus durch freundliche Melodik, beschwingte Rhythmik und klar gegliederte, handwerklich gut gearbeitete Strukturen. Vélimir Valtchev war vor J. Lemme Dirigent des Oberkircher Orchesters. Er kannte daher die Musikbegeisterung und setzte mit der „Oberkircher Sinfonie“ ein liebreizendes, klangvolles Zeichen enger Verbundenheit. Prof. Joachim Lemme merkte mit Schalk an, dass Oberkirch nun eine musikalische Weltstadt sei wie London und Prag, denn schließlich gebe es ja die Londoner Sinfonien von Haydn und die Prager Sinfonie von Mozart.

 

Sonnig warme Gefühle verströmte auch das Konzert für Viola, 2 Hörner, Streicher und Basso continuo in Es-Dur von Friedrich Benda (1745 – 1814). Jean-Eric Soucy hat es vor drei Jahren im Archiv einer Prager Bibliothek entdeckt. Er hat der Welt ein Werk zurückgegeben, das einen hohen technischen Anspruch hat und in seiner gefälligen Art viel Freude bereitet. Es war für Oberkirch eine Auszeichnung, dass es hier zum ersten Mal auf europäischen Boden erklang. Jean-Eric Soucy, in Kanada geboren, hat die Musik auch überzeugend zum Klingen gebracht. Seine Töne lebten, füllten den Raum ohne klotzig zu sein. Seine Art, die Musik zu gliedern, zu akzentuieren und zu beflügeln teilte sich in angenehmster Weise mit. Die feinfühlige und dennoch kraftvolle Leichtigkeit, mit der Jean-Eric Soucy auf der Bratsche des Offenburger Geigenbauers Stefan Hodapp spielte, bewirkte ein wohltuendes Hören. Dies kam auch der Fantasie für  Viola, Streicher und zwei Klarinetten von Johann Nepomuk Hummel (1778 – 1837) zu Gute, die noch vor der Pause folgte. In beiden Musikstücken gestalteten Solist und Orchester in fruchtbarem Miteinander. Das Streichorchester schuf eine korrespondierende Klanggrundlage, die wach und aktiv agierte. Beim Bratschenkonzert streuten 2 Hörner „goldene“ Klänge in die Szenen, bei der Fantasie bildeten lebhafte, schöne Klarinetten einen wirkungsvollen Klangkontrast zur Bratsche.

 

Nach der Pause machte das Programm einen Besuch in der romantischen Klangwelt Richard Wagners. Das „Siegfried-Idyll“, 1870 im Landhaus Tribschen am Luzerner See entstanden, seiner Frau Cosima zum Geburtstag gewidmet, inszenierte eine komplexes Gefühlsgemenge. Dem collegium musicum gelang es gut, die groß angelegten Musikwellen zu inszenieren, die, gefüllt mit Motiven, die Unendlichkeit des harmonischen Raums und der menschlichen Seele andeuteten.

 

In gesicherten Gefilden fühlte man sich erst wieder bei Mozarts Prager Sinfonie (Nr. 38) in D-Dur, die das Programm abschloss. Auch in diesem Werk stehen der Ernst des Lebens und Trübungen im Gemütslebens fest im Blickpunkt. Der gravitätische Beginn schlug sofort in seinen Bann. Dur-Moll-Wechsel, Synkopische Rhythmen, kontrapunktische Verdichtungen untermauerten den dramatischen Lebensbezug. Das Orchester interpretierte das Werk gekonnt mit großer Ausdruckskraft, sodass ein hervorragendes Konzert einen grandiosen Abschluss erhielt.

Kurt Bayer

Acher-Rench-Zeitung, 23.12.09
    Collegium Musicum erweist sich als Publikumsmagnet: Ausverkauft!

Oberkirch. Es geht immer noch ein wenig besser- getreu diesem Motto wird beim Oberkircher Collegium Musicum offensichtlich an der anstehenden Konzertliteratur gearbeitet. Das wurde beim Weihnachtskonzert in der Erwin-Braun-Halle überaus deutlich. Ein überlegt zusammengestelltes Programm mit Werken von Mozart, Dvorak und Brahms, der hervorragende Solist Matthias Wiemer, Violoncello, und ein bestens vorbereitetes Orchester waren Garant für einen beeindruckenden Konzertabend.


Noch bevor der erste Ton des Abends erklang, erinnerte der Dirigent des Orchesters Prof. Joachim Lemme an den in diesem Jahr verstorbenen langjährigen Solocellisten des Collegium Musicum Werner Klett, dem dieses Konzert gewidmet werden sollte. Zum Auftakt des Abends stand die Ouvertüre zur Oper "La Clemenza di Tito" , KV 621 von Wolfgang Amadeus Mozart auf dem Programm. Obwohl das Werk inhaltlich auf die Oper Bezug nimmt, ist sie doch wie alle anderen Ouvertüren Mozarts nicht nur eine Einführung in die Stimmungen des Operngeschehens, sondern eine eigenständige Komposition, die innerhalb ihrer Geschlossenheit selbständige Gedanken und eigene Thematiken beinhaltet und deshalb auch zurecht isoliert aufgeführt werden kann. Im Grunde klingt das im festlichen C-Dur Gewand daherkommende Werk wie das Kondensat einer Sinfonie. Erstaunlicherweise entstand das Auftragswerk innerhalb von nur 19 Tagen- neben der "Zauberflöte" und dem Requiem. Ein sorgfältig ausgewähltes Werk zum Auftakt, dessen scharfes Anfangstempo die Zuhörer gleich in den Bann des in jedem einzelnen Register mit Topp-Musikern besetzten Orchesters schlug.


Dass der Oberkircher Orchesterverein über ganz hervorragende Solisten verfügt, beweisen die vielen Solo- Auftritte von Musikern aus den eigenen Reihen in vergangenen Konzerten. Matthias Wiemer, seit 2004 Cellist im Orchesterverein collegium musicum stellte dem Oberkircher Publikum mit dem Cello-Konzert h-moll, op.104 von Antonin Dvorak vor. Dieses in Amerika entstandene Werk gehört zu den berühmtesten Cello-Konzerten und ist eines der wichtigsten Stücke im Repertoire für Violoncello.


Matthias Wiemer erwies sich dabei als glänzender Vertreter seiner Zunft- er spielte das dreisätzige Werk komplett auswendig und begeisterte seine Zuhörer mit überragender Virtuosität und großer musikalischer Gestaltungskraft. Bewundernswert war dabei die gute Kommunikation zwischen Solist, Dirigent und Orchester, die letztendlich einen gelungenen Dialog und damit eine beeindruckende Interpretation des anspruchsvollen Werkes garantierte. Ein unbeschriebenes Blatt ist Matthias Wiemer allerdings nicht- er studierte Violoncello an der Musikhochschule Stuttgart und erhielt sein Konzertexamen zum Abschluss seines Aufbaustudiums in Köln. Inzwischen arbeitet er als Ausbilder für Physiotherapie- insgesamt ein Glücksfall für Oberkirch und den Orchesterverein.


Im zweiten Teil des Abends bekamen die Oberkircher Klassik-Liebhaber ein großes Werk der Romantik zu hören. Die zweite Symphonie, op. 73, von Johannes Brahms widerspricht der gängigen Vorstellung Brahms Musik sei die eines ernsten verschlossenen und schwermütigen Komponisten. Das sind zweifellos Merkmale der Werke des großen Komponisten- doch eben diese zweite Symphonie in freundlich hellem D-Dur, die am Wörthersee und in Lichtental bei Baden-Baden entstanden und wohl durch die Schönheit dieser Landschaften inspiriert ist, ging zurecht als Brahmssche "Pastorale" in die Musikgeschichte ein. Was nicht heißt, das das Orchester eine einfache Arbeit zu tun hat- im Gegenteil: die einzelnen Register sind in jedem Satz gefordert. Genußvoll zurücklehnen an diesem Abend konnte sich allenfalls das Publikum, aber keiner der Akteure auf der Bühne. Auf die typisch- romantische Harmonik, schwierige Rhythmen und extreme dynamische Wendungen in kleinsten Zeiträumen verzichtete der Komponist freilich nicht- was die Musiker und den hochkonzentrierten Dirigenten Prof. Joachim Lemme nicht aus der Fassung zu bringen vermochte: Es gelang eine mehr als überzeugende Interpretation des genialen Werkes. Vor allem den 3. Satz mit seiner Vielzahl an einfallsreichen Ideen und virtuos- verspielten Themen spielte das Orchester grandios. Der tadellosen Leistung folgte mit dem langanhaltenden Applaus des Publikums die sichtbare Erschöpfung- die zweite Symphonie hatte dem spielfreudigen Orchester und dem sicher agierenden Dirigenten wirklich alles abverlangt. Die obligatorische Zugabe wurde selbstverständlich ohne Zaudern gerne gewährt.

Klaus Leopold

Acher-Rench-Zeitung, 21.07.09
    Lemme kann auch Kabarettist
Serenadenkonzert des Orchestervereins collegium musicum Oberkirch mit Unterstützung aus Baden-Baden
Joachim Lemme, Dirigent des Oberkircher Orchestervereins, hatte beim Serenadenkonzert eine Dreifachfunktion: Neben dem Dirigieren brillierte er als Kabarettist und setzte sich zwischendurch als Zuhörer ins Publikum. Geboten wurden Werke aus den 1920er-Jahren.
Der Orchesterverein collegium musicum Oberkirch hatte zur Sommerserenade in den Gaisbacher Schlossgarten geladen. Trotz Sonnenschein wich man aber auf die Erwin·Braun-Halle aus. Das war gut so, denn die feucbten Bodenverhältnisse und der frische Wind (wegfliegende Notenblätter) hätten den Musikern das Leben schwer gemacht. Darunter hätte das Konzert spürbar gelitten. In der Halle entfachte das vergleichsweise riesige Salonorchester, verstärkt durch Anton Hollich (Klarinette), Alois Müller (Akkordeon) und Edmund Högemann (Klavier) vom Salonorchester Baden-Baden, ein Feuerwerk musikalischer Leckerbissen aus den»Goldenen 20er-Jahren«.
Man hatte keine Programme ausgeteilt. Das war insofern gut, als sich Lemme bezogen auf die gebotene Literatur auch rhetorisch frei entfalten konnte. Wie er das tat und auf welchem Niveau, hätte manchem Kabarettisten zur Ehre gereicht. Trockener Humor, der das Publikum begelsterte, sorgte für die lntensivierung der »Offiziell vier Werke«, dem noch zehn brillante Zugaben folgten, so dass man bei optimaler Gesamtstimmung etwa eineinhalb Stunden multifunktional unterhalten wurde. Humorvolle Musikeranekdoten sowie Vergleiche der Wiener Philharmoniker mit den Oberkircher Instrumentalisten verfehlten ihre Wirkung nicht. Zwischenzeitlich verließ Lemme sein Dirigentenplt und genoss selbst das schwungvolle Spiel seiner Instrumentalisten.
JörgWerner als Solist auf der Violine zeichnete sich bei der lnterpretation von Edward Elgars »Salut d'amour« aus. Bei den überaus beliebten »Ballsirenen« von Lehar sang das Publikum wie auch bei,weiteren Programmpunkten begeistert mit. Nach Kahnans »Traumsong« und Vejvodas »Rosamunde« erlebte man Michael Klett auf seiner Violine in einer Glanzrolle. Wie er den»Czardas«von Vlttorio Monti interpretierte, war mitreißend und feurig. Die langsamen Passagen wohl tönend ausreizend, brachte er die kontrastierenden extrem schnellen Passagen brillant und sicherte sich den Beifallssturm der Zuhörer. Gleich darauf glänzte der während des gesamten Konzerts immer wieder geforderte Klarinettist Anton Hollich beim»Hummelflug von Rimsky-Korsakov als Solist. Nach dem »Radetzky- Marsch« von Johann Strauß endete das herzerfrischende Konzert mit Peter Kreuders»Sag zum Abschied«.
Es war erstaunlich, auf welch hohem Niveau das collegium musicum seine Sommerserenade präsentierte. DieArrangements waren qualitativ hochwertig, und die Integration des Baden-Badener-Trios erwies sich als tonal sehr bereichernd aufgrund der Professionalität dieser Interpreten. Die Moderation in dieser Form erscheint kaum überbietbar.
Gunter Thiel
Acher-Rench-Zeitung, 20.05.09
    collegium musicum« setzte ein weiteres Glanzlicht
In der Musik der Wiener Klassik pulsierte der »Lebensglanz der Ewigkeit«
SWR-Musiker Anton Hollich war ein bravouröser Klarinettenvirtuose
Joachim Lemme hatte symphonische Werke von Joseph Haydn, Carl Maria von Weber und Ludwig van Beethoven auf das Programm des »collegium musicum« gesetzt. Das Konzert in der Oberkircher Erwin-Braun-Halle löste am Sonntagabend im Publikum große Begeisterung aus.
»Klar«, könnte da einer sagen, »bei so viel Popularität der Werkauswahl ist es ein Leichtes, dem Publikum zu gefallen.« Doch eine solch lapidare Sicht übersieht das Wesentliche des Konzertes. Sicher, Musik von Haydn, Mozart, Beethoven und Weber wirkt heute, nach den Verkomplizierungen in der nachfolgenden Musikgeschichte, eingängig, problemlos und unterhaltend. Aber bei näherem Hinsehen wird gleich klar, dass diese Musik zugleich eine faszinierende innere Substanz hat. Die Themen haben wohlgeformte Ausdruckskraft und ihre Verarbeitung geschieht in höchst fantasievoller und professioneller Weise. Das Orchester hat dieses Innenleben auf beeindruckende Weise zum Klingen und Leuchten gebracht.
Die Sinfonie Nr. 97 C-Dur von Joseph Haydn führte mit ihrer ergreifenden Einleitung gleich zu Beginn in medias res. Mit dem Quartmotiv des Sonatensatzes blühte dann die Musik richtig schwungvoll auf. Es war eine Freude, das virtuose Spiel Haydns mit Satztechniken, Tonfarben und Klangeffekten zu verfolgen: die dynamisch gestaltete Motivarbeit im 1. Satz, die eloquente Ausgestaltung der Variationen eines an sich braven, gemütlichen Themas im 2. Satz, die patriotisch österreichischen, mit Humor gewürzten Ländlerklänge im 3. Satz und die koketten Tonspielereien und Dialoge, die ganz auf heiteren Effekt angelegt waren, im 4. Satz. Das Orchester (Holzbläser, Hörner, Streicher und Pauken) malte das in der Partitur Angelegte mit klarem Blick auf Details aus. Unglaublicher Virtuose.
Im Klarinettenkonzert Es-Dur von Carl Maria von Weber spürte man schon die beginnende Romantik und das Werk lebte natürlich in erster Linie vom Solopart der Klarinette. Anton Hollich, Soloklarinettist im SWR- Sinfonieorchester und Hochschullehrer, schien die Musik auf den Leib geschrieben. Er war nicht nur ein unglaublicher Virtuose, er spielte auch mit bezauberndem Sentiment. Er setzte im 1. Satz plakativ die ernormen Sprünge, die unter die Haut gehen, weil die Klarinette so unterschiedliche Toncharaktere hat. Er durchschritt oder durcheilte souverän die weiten Tonräume in sehr dynamischer Weise. Im 2. Satz sang seine Klarinette tief berührend ein melancholisch, süß-trauriges Lied. Von der Ruhe ging Kraft aus, das Zarte war nicht welk, es hatte im Rezitieren noch ein Leuchten. Das Synkopenthema im 3. Satz, kraftvoll pointiert gespielt, dominierte den Schlusssatz. Der stürmische Lauf wurde nur durch die Ruhe-Episode des Cello-Klarinetten-Duetts unterbrochen. Er mündete schließlich konsequent in den virtuosen Höhepunkt, in das unglaubliche Laufwerk der Schlusskadenz.
Anton Hollich spielte auswendig und so mitreißend, dass der tobende Beifall nicht ausbleiben konnte. Gelungene Interpretation.
Die Sinfonie Nr. 2 D-Dur von Ludwig van Beethoven entfaltete von Anfang an eine enorme Wirkung. Sie wird erzeugt durch stabile, rhythmische Eindringlichkeit, durch dynamische Akzentuierungen und Entwicklungen sowie durch eine von Motiven und Melodien durchdrungene Tondichte und Klangfülle.
Für das Orchester war diese Fülle an technischer Präsenz und dynamischer Klangmalerei die größte Herausforderung des Abends. Joachim Lemme gelang mit dem »collegium musicum« eine gelungene Interpretation. Der 1. Satz war trotz vieler detaillierter Ausformungen wie aus einem Guss geformt. Im 2. Satz gestaltete sich die heile Welt anziehend und warm, nirgends fantasielos blass.
Im Scherzo konnte ein flottes Tempo gewählt werden, so dass der Dialog zwischen den Registern des Orchesters sehr anregend war. Im 4. Satz warf sich das Orchester stürmisch in das wilde Getümmel der »Themenfetzen«.
Das virtuose Orchesterspiel ergriff die Hörer mit Wucht. Die Folge war tosender Applaus.
Kurt Bayer
Mittelbadische Presse, 24.12.08
    Ein großes Weihnachtsgeschenk

Collegium musicum unter der Leitung von Joachim Lemme in Oberkirch / Bewunderter Solist

 

Das Collegium musicum bescherte den Besuchern beim Konzert des Oberkircher Orchestervereins in der Erwin-Braun-Halle auch ohne Weihnachtsmusik im Programm ein großes Weihnachtsgeschenk.

 

Oberkirch. Dass die Oberkircher Erwin-Braun-Halle bis auf den letzten Platz mit Menschen aller Generationen gefüllt war, zeigt, welch hohe Erwartungen an das Konzert des Orchestervereins Oberkirch geknüpft wurden. Professor Joachim Lemme und das Orchester haben sich mit Fleiß, Können und Musizierfreude großen musikalischen Herausforderungen gestellt. Das Publikum hat mit gespannter Aufmerksamkeit zugehört und mit impulsiver Begeisterung reagiert. Lemme und seinen Musikerinnen und Musikern ist vor Weihnachten ein großartiges Konzert gelungen.

 

Auf dem Programm standen die Mozart-Sinfonie Nr. 25 g-Moll KV 183, das Adagietto aus der 5. Sinfonie cis-Moll von Gustav Mahler, das Kontrabass-Konzert in fis-Moll von Serge Koussewitzky und dis vierte Sinfonie c-Moll von Franz Schubert. Die Aufzählung der Werke zeigt, wie gegensätzlich die Musikfolge zusammengestellt war. Aber im Laufe des Konzertes zeigte sich, dass jede musikalische »Station« seinen Charakter und seine Schönheit zur Entfaltung brachte.

 

Der rote Faden des Konzertes lag nicht in der geschichtlichen oder stilistischen Folgerichtigkeit, sondern im Ernst und in der inneren Dramatik, die trotz aller Klangpracht immer wieder zum Durchbruch kam.

Solobass »traktiert«

 

Eine kleine Ausbuchtung in diesem roten Faden war allerdings das Konzert für Kontrabass und Orchester op. 3 von S. Koussewitzky. Das Spiel auf dem großen Streich- und Zupfinstrument hat meist auch etwas Humorvolles an sich.

So konnte man mit köstlichem Vergnügen dem Solisten Norbert Brenner (Solobassist des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg) zuhören, der mit virtuoser Behändigkeit sein Instrument »traktierte« und ihm dabei herrlich extravagante Musik entlockte.

 

Trügerische Ruhe

Melancholische Seelenbefindlichkeiten dagegen lagen Mahlers Adagietto aus der fünften  Sinfonie cis-Moll zugrunde. Dorothee Neu streute klangvoll ihre Harfentöne wie Tropfen in das Meer des Streicherklangs. Äußerlich passierte nicht viel.

 

Doch die Ruhe war trügerisch, denn in der Tiefe schlummerten geheimnisvoll seelische Erschütterungen. Diese mit seismographischer Empfindsamkeit in der Musik hörbar gemacht zu haben, war eine große Leistung des Collegium musicum unter der Leitung von Joachim Lemme.

 

Unübersehbare Seelenverwandschaft bestand zwischen dem Eröffnungsstück, Mozarts Sinfonie Nr. 25, g-Moll, und der Schubert-Sinfonie Nr. 4, c-Moll. Die Musik des 17-jährigen Mozart aus der Salzburger Zeit kommt zwar unkomplizierter und flüssiger daher als die Musik Schuberts, doch ist auch in ihr unüberhörbar der Ernst des Lebens anwesend. Das Sinfonieorchester Oberkirch hat diese Sinfonie mit Schwung, Feingefühl und Eleganz vorgetragen und so schon zu Beginn einen gehaltvollen Akzent gesetzt. Die Schubertsinfonie war auf größere Dramatik angelegt und machte einen größeren Klangapparat erforderlich.

 

Stimmige Klangfarben

Auch in dieser großen Besetzung zeigte sich die Qualität des Orchesters: die weite, austarierte und kraftvolle Dynamik, die in jeder Lautstärke stimmigen Klangfarben, die mit thematischer und rhythmischer Präsenz gestaltenten Musikbilder. Der 19-jährige Schubert hat in dieser Sinfonie, genannt »die Tragische«, der Tonsprache eine neue Dimension innerer Dramatik erschlossen, das Oberkircher Orchester hat bei der Erarbeitung dieses Werkes seine Ausdrucksfähigkeit in bewundernswerter Weise gesteigert. Joachim Lemme  hat dem Oberkircher Publikum keine Weihnachtsmusik beschert, aber  den kulturbewussten Bürgern der Region zu Weihnachten ein großes Geschenk gemacht.

 

Kurt Bayer

Mittelbadische Presse, 30.04.08
    Orchester spielte mit Liebe zur Musik

Frühjahrskonzert des collegium musicum in Oberkirch/Cellokonzert mit Anne Heinrich als Solistin

 

Musikalität auf sehr hohem Niveau und mit Anne Heinrich eine spielfreudige Solistin gab es beim Frühjahrskonzert des collegium musicum in der Erwin-Braun-Halle.

 

Oberkirch. Johann Sebastian Bach, Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven sind klingende Namen. Klangvoll und beeindruckend war auch das Frühjahrskonzert, das das collegium musicum in der Stadthalle gab. Das Publikum freute sich über die Homogenität der Interpretationen und die Lebendigkeit der Musikauffassungen. Das Programm beleuchtete nicht nur die stilistische Entwicklung von der Barockzeit zur Wiener Klassik, Joachim Lemme hatte auch eine Steigerung während des Konzerts fest vorprogrammiert: die Größe des Orchesters von kleinster, über eine mittlere hin zur großen Sinfonie-Besetzung und die damit verbundene Ausweitung der Klangfülle.

Das Konzert begann mit dem 6. Brandenburgisches Konzert von Johann Sebastian Bach. Es benötigte zur Ausführung nur zwei Violen, zwei Gamben (Violoncelli) und Generalbass: Violoncello, Kontrabass und Cembalo. Diese Musik fesselt schon von der Genialität der Komposition her. Darüber hinaus entwickelten die Musiker ein abgestimmtes Miteinander, so dass der Stafettenlauf der Phrasen nahtlos vonstatten ging. Die Tongebung hatte dynamische Innerlichkeit und strahlte empfindsame Wärme aus.

 

Das Cellokonzert C-Dur Hob VIIb:1 von Joseph Haydn brachte die Tenorlage der Streichinstrumente zum Schwingen. Anne Heinrich aus Oberkirch war die Solistin. Sie spielte auswendig, technisch und musikalisch souverän und hatte dennoch eine gewinnende natürliche Beziehung zu ihrem Solopart. Im ersten Satz prägten Leichtigkeit und rhythmische Lebendigkeit die melodischen Gestalten, die sich geschwätzig schnell in hellen und dunklen Klangfarben tummelten. Im zweiten Satz kamen die lyrischen Charaktere zur Entfaltung. Es war berührend, wie die Solo-Cello-Töne kraftvoll im Orchesterklang schweben konnten, ohne ihre Innerlichkeit und ihren Schmelz zu verlieren. Im dritten Satz schlug Lemme ein flottes Tempo an. Das machte die Musik spritzig und heiter. Anne Heinrich spielte mit virtuoser Greif- und Bogentechnik und setzte ihrem Spiel noch einen Glanzpunkt hinzu. Das Orchester gab der Solistin die notwendigen Entfaltungsmöglichkeiten.

 

Die Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 (Eroica) von Ludwig van Beethoven war zweifellos das gewaltigste Werk des Konzertabends. Es stellte die beiden vorangehenden Werke nicht in Schatten, denn auch diese waren je in ihrer Weise Kunstwerke mit substantieller Größe. Aber die Beethoven-Sinfonie übertraf sie an Länge, musikalischer Dramatik und Klangvolumen.

 

Das Werk ist sehr bekannt und dennoch wird man immer wieder von seiner Originalität mitgerissen. Und es ist eine herausragende Leistung des Orchesters, die Komplexität und die innere Dynamik dieser Musik packend wiedergegeben zu haben. Es war wach für agogische Details und so gewappnet, die im brodelnden Tongemenge sich anbahnenden Entwicklungen und die abrupten Überraschungen zu veranschaulichen.

 

Den Sonatensatz kennzeichnete die Dramatik des Aufbäumens und des Glättens, die mit Lust gesetzten Dissonanzen und stürmisches Vorwärtsdrängen. Der Marcia funebre bestach durch die Dichte des Klangs, durch ein Legato, das von innen her lebendig und mit einer strengen Rhythmik kombiniert war. Das Scherzo jagte rasend dahin und fand nur in den Jäger- Horn-Signalen des Trios eine kurze Atempause. Im Finale erreichte die Satzdichte ihren Höhepunkt: Themenverknüpfungen, reiches Rankenwerk, Polyphonie. Es zeigte sich, wie genial Beethoven die Sinfonie aus einer Keimzelle heraus entwickelt hat.

 

Joachim Lemme hat die Komplexität dieser Musik mit dem Orchester hervorragend darstellen können. Man spürte, dass die technische Meisterschaft hoch ist und dass Einzelgruppierungen zugunsten eines Organismus zusammenwachsen. Das Publikum nahm dies dankbar wahr und reagierte mit großer Begeisterung.

 

Kurt Bayer

Mittelbadische Presse, 27.12.07
    Bruckner-Sinfonie hatte Premiere in Oberkirchs „guter Stube“
Der weltbekannte Geiger Ulf Hoelscher spielte Mozart- Violinkonzert beim Weihnachtskonzert in der Erwin-Braun-Halle.
Oberkirch. Das war ein Konzert besonderer Art. Nur zwei Werke auf dem Programm und dennoch war das Konzert abendfüllend im zeitlichen Rahmen und in der Weite des geistigen Raumes, den es durchschritt. Prof. Joachim W. Lemme liebt es, unkonventionelle Wege zu gehen und die Erwartungen hoch zu schrauben: W. A. Mozart, Violinkonzert G-Dur KV 216 mit dem großen Geiger Ulf Hoelscher und Anton Bruckner, 4. Sinfonie Es-Dur. Da ist jedes Werk ein Kosmos für sich und dazwischen liegen Welten. Dennoch oder gerade deswegen, das Konzert hat sehr beeindruckt. Die Musik hat berührt und bewegt, aufgemuntert und aufgestachelt. Die Premiere „Brucknersinfonie im Renchtal mit dem collegium musicum war ein großartiges Ereignis, das man mit Genuss bestaunen konnte. Man spürte, dass bisherige Grenzen überschritten und ein mächtiges Tor zu „neuen Räumen“ aufgestoßen wurde.
Das Violinkonzert G-Dur KV 216 von Mozart ist ein sehr bekanntes Werk. Man freute sich auf diese „gute alte Bekannte“, auf die man sich vergnüglich einstellen konnte. Aber dann zeigte sich diese „Bekannte“ doch von einer Seite, die neue Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Die Individualität der Gestaltung fesselte, weil sie die Fähigkeit hatte, das reiche Innenleben präsent zu machen, das kunstvoll gearbeitete Detail als filigranes Kleinod erleben zu lassen.
Geigensolist Ulf Hoelscher lieferte keinen auffälligen Starauftritt ab. Seine Überzeugungskraft lag in schlichter Größe, im Erspüren der Musikpoesie. Er spielte leicht, sauber, technisch sicher und versiert, scheinbar effektlos. Aber sehr schnell spürte man als Hörer, dass in seiner Musik mehr da ist als nur brillante Fertigkeit. Die Töne, auch die leisen, hatten einen inneren Schwung, der ansteckte. In den drei Sätzen entwickelten sich pulsierende Mikrokosmen, die aus dem Einswerden von Ulf Hoelscher mit der mozartschen Partitur resultierten. Musik und Solist durchdrangen sich gegenseitig und von dieser tief gründenden Bestimmtheit ließ sich auch das Orchester mitnehmen zu einem stimmigen Ganzen, zu einer Musik, die ihre Ausdruckskraft aus der Sparsamkeit der Mittel bezog.
Das Publikum war begeistert. Ulf Hoelscher bedankte sich mit einer weiteren Meisterperle: Er spielte ein Konzert-Adagio von Mozart. Das stimmungsvolle Melos erklang in harmonisch progressiverer Verarbeitung. Die Ausstrahlung der Töne und Klänge erreichte eine weitere Steigerung.
Gegenüber der Brucknersinfonie war die mozartsche Musik geradezu Kammermusik. Die 4. Sinfonie Es-Dur, die Romantische, die Bruckners Weltrum begründete, hat dagegen riesige Ausmaße: Sie benötigt ein großes und versiertes Blechbläser-Register, um die Farbenpracht und Wucht der Klänge zu erzeugen, sie lotet die Tonbereiche bis in extreme Lagen aus, die Aufästelung der harmonischen Substanz nimmt exzentrische Ausmaße an. Nicht umsonst dauerte die Sinfonie so lange wie der 1. Teil und die Pause zusammen. In die brucknersche Klangwelt einzutauchen, sie zu erkunden und zu bewältigen war eine enorme Herausforderung für das Orchester, aber auch für das Publikum.
Gott sei Dank lebten in diesem Werk herrliche Ton-, Klang- und Rhythmusmotive, die dazu verlockten ihren Weg im Klangraum des großen Sinfonieorchesters zu verfolgen. Man fand sie wieder in Tonbildern verschiedenster Art: in besinnlich ruhigen, in selbstbewusst herrischen, in elegisch resignierten, in energisch aufbäumenden, in theatralisch plakativen, in weihevoll religiösen, in tänzerisch lebenslustigen. Das Orchester nahm die Hörer mit in eine „erdbebengefährdete Musiklandschaft“, in der Ruhe die Ruhe vor dem nächsten Sturm war.
Die Blechbläser erzeugten Klangfülle und Wärme und zusammen mit den Pauken die Entfesselung von Tongewittern und Musikorkanen. Sie beeindruckten allein schon durch die physische Kraft ihrer wohlgestalteten Klänge. Die Streicher steuerten oft Tremolo-Klangteppiche bei, sodass man geradezu in der Üppigkeit des Klangs baden konnte.
Die Streicher und die Holzbläser bedienten außerdem exzellent die lyrische Poesie und entwickelten beeindruckende, tonstarke Geflechte melodischer Linien. In dieser Hinsicht fand im 2. Satz, im Andante, das differenzierte musikalische Geschehen den homogensten Ausdruck.
Sicher, es galt große dynamische Spannungskurven aufzubauen und in sich versickern zu lassen, und es war eine Herausforderung, die vielgestaltigen Teile des großen Puzzle zu einem Bild ohne Bruchlinien zusammenfügen. Aber am Ende stand klar fest, die Renchtal-Premiere 4. Bruckner-Sinfonie war für das Publikum ein großes Hörerlebnis und für das Orchester eine bravouröse Leistung.
Kurt Bayer
Acher-Rench-Zeitung, 25.07.07
    Sommerserenade im Hof von „Schloß Gaisbach“
Oberkirch. Die Kombination Musik, Natur und Schloss hat etwas in und an sich. Prof. Joachim Lemme und das collegium musicum fühlten sich zu diesem Reiz hingezogen und wussten ihn für das Publikum genussvoll zu nutzen.
Das „Schloß Gaisbach“ bot ein wunderbares Ambiente, zumal der Abendhimmel heiter und die Luft angenehm temperiert war. Das Orchester hatte eine natürliche Bühne, denn es spielte unter einer mächtigen Baumkrone. Der Klang der Streichinstrumente durchwehte stimmungsvoll den Schlosspark, wo das zahlreiche Publikum nicht nur die Bestuhlung nutzte, sondern auch die Grünflächen, und wo Kinder auf den Wiesen lustig spielten.
In der Einladung des Orchestervereins war der Satz zu lesen: „Das Programm steht zwar schon fest, wird aber noch nicht verraten, denn der Leiter des Orchesters, Prof. Joachim W. Lemme, wird Sie mit seiner launig-informativen Moderation durchs Konzert führen.“ Und so war es dann auch. Die Sommerserenade war voll aufmunternder, schwungvoller Musik und voller heiterer Situationskomik.
Das Musikprogramm begann mit der Schauspielmusik, die Henry Purcell 1695 zu „Abdelazar or The Moors Revenge“ schrieb. Ist dieser Titel kaum bekannt, so ist es die Musik um so mehr. Aus ihr stammt das Thema, das Benjamin Britten in seinem beliebten Variationswerk „The Young Person’s Guide to the Orchestra“ verwendet hat.
Es folgte ein concerto grosso von Antonio Vivaldi. Auch diese Musik bewegte Geist und Sinn, denn Vivaldi hat die hohe Kunst verstanden, geistreich und zugleich unterhaltend zu komponieren. W. A. Mozart hat in diesem Genre eine neue, individuellere Tonsprache gefunden und die Liebe zu ihr in den zahlreichen, beim Publikum sehr beliebten Serenaden und Divertimentis unter Beweis gestellt. Das collegium musicum musizierte ein Divertimento von Mozart mit lebendigem Klang und in flottem Tempo, sodass das Gefühl von Leichtigkeit und fließendem Rhythmus das Publikum in eine heitere Welt entschweben ließ.
Nach der Pause, in der man Getränke genießen konnte, wurden die Musikstile buntgescheckter.
Die „Kleine Lachmusik“ von Wolfgang Schröder vermengte Melodien aus bekannten Werken mit der „Kleinen Nachtmusik“ von Mozart. Joachim Lemme forderte das Publikum auf, die Anzahl der Einschübe herauszufinden. Ein Hörer, der richtigerweise 20 Stück gehört hatte, erhielt als „Gewinn“ einen Aufnahmeantrag zur passiven Mitgliedschaft des Orchestervereins.
Der Donau-Walzer von Johann Strauß ließ die Herzen im Dreivierteltakt schlagen. Mit der englischen Weise „Greensleeves“ erklang eine der populärsten Melodien der Musikliteratur, die wahrscheinlich schon im 16. Jahrhundert bekannt war und die heute noch berührt.
Da die Stimmung gut war und der Applaus nicht enden wollte, gab das Orchester noch Zugaben, einen Ragtime und einen Flamenco. Ja, die Sommerserenade im Hof von „Schloß Gaisbach“ machte deutlich, wie herrlich Streicher auch unter freiem Himmel klingen und wie entspannend diese sanfte und doch lebhafte Musik wirkt.
Kurt Bayer
Acher-Rench-Zeitung, 23.05.07
    Werke dreier großer Komponisten wurden vom Orchesterverein
    "Collegium musicum" eindrucksvoll zu Gehör gebracht
Michael Klett begeisterte als Viola- Solist
Es ist kaum vorstellbar, dass in einem vollbesetzten Saal absolute Stille herrscht. Wahrnehmbar war dies am Sonntagabend in der Erwin- Braun- Halle, als die Musiker des Orchesterverein "Collegium Musicum" ihre Instrumente nach dem ersten Satz aus Georg Friedrich Händels "Wassermusik" wieder ansetzten. Schon mit dem ersten Klang herrschte unter den Besuchern höchste Konzentration und Hingabe. Professor Joachim Lemme, Leiter des Orchestervereins, hatte für diesen musikalischen Abend Werke von Georg Friedrich Händel, Johann Christian Bach und Ludwig van Beethoven ausgewählt. Als überragender Solist hatte Michael Klett einen glanzvollen Auftritt. 
Überwältigt und dankbar sei er, dass sich die Anerkennung ihrer Arbeit in der großen Schar der Besucher widerspiegle, begrüßte Joachim Lemme die Anwesenden. Überwältigt und wie der frenetische Applaus zeigte wohl auch sehr dankbar für das Gebotene, wirkten auch die Zuhörer, die dem gut zweistündigen Konzert des Orchestervereins "Collegium Musicum" lauschen durften.
Mit einem kleinen Verwirrspiel nahm Joachim Lemme die Besucher gleich für sich ein. Er versuchte in gespielt verzweifelter Manie dem Publikum zu vermitteln, dass sich die Sätze wie im Programm abgedruckt in der Reihenfolge verändern würden. 22 Sätze aus drei Suiten hat Georg Friedrich Händel für seine Wassermusik komponiert, neun durfte die Besucher an diesem Abend genießen. Ein erfrischender Auftakt, bei dem die Violinen den Einsatz vorgaben. Er ließ an lebhafte Tänze im französischen Barock mit all seinen grandiosen Festlichkeiten denken. Das Zusammenwirken von Cembalo, Streichern und Bläsern, vor allem auch der warme erdige Ton der Hörner bescherten ein wundervoll gewaltiges Klangvolumen. Ursprünglich sollte diese Musik wohl König Georg I von England auf einer Themsefahrt begleiten und man kann es fast körperlich spüren: Diese aufwühlenden Elemente, die an aufkommenden Wellengang erinnern, dieses entspannte Glücksgefühl, das durch den Einsatz der Trompeten wunderbar vermittelt wird und das sanfte Dahinplätschern, das in der 3. Suite G- Dur in ihrer getragenen Art perfekt zur Geltung kommt: Könnte eine Flussfahrt besser beschrieben werden? Den Musikern gelang unter dem hochkonzentrierten Einsatz ihres Dirigenten ein perfektes Zusammenwirken, das durch Tempo, Enthusiasmus und Sanftheit, gepaart mit Einfühlsamkeit gleichermaßen perfekt inszeniert wurde.
Mit einem kraftvollen, temporeichen Abschluss, bei dem sich die einzelnen Bläser ein Wechselspiel bescherten, die Pauke ihren großen Einsatz hatte und die Streicher sich in rasanter Weise einfügten, verabschiedete sich Händel und damit auch die Barockmusik vom Publikum. Mit dem Konzert für Viola und Orchester in c - Moll von Johann Christian Bach wurden die Besucher in die Ära der Klassik hineingeführt. Ein geradezu herzzerreißendes Spiel zeigte Michael Klett als Solist auf seiner Viola. Dieser volle, weiche Klang des Instrumentes, das sowohl die ganz dunklen wie auch in höchsten Nuancen schwebenden Töne hervorbringt, ist in seiner Melancholie, aber auch in seinem fordernden Temperament schon eine Erlesenheit für sich. In der Perfektion, in der Klett es verstand, mit seiner Viola eine Gefühlsebene zu schaffen, die alle Sinne zum Schwingen bringt, hieß es nur noch :Atem anhalten, Augen schließen und genießen. Sanftmütig und elegant entwickelte sich der zweite Satz im Adagio Molto espressivo, während sich der dritte zu einem expressiven Stimmungsbild mit dramatischen Zügen entfachte. Perfekt gelang es Klett, die Übergänge spielerisch zu meistern und das Werk gehaltvoll abzurunden. Dann setzte das Orchester ein, gab einfühlsam den Grundton an und ließ dem Solisten viel Raum für sein Spiel.
Der riesige Applaus war ein Dankeschön an den Solisten und die übrigen Musiker. 
Nach der Pause, bei dem sich die Gäste mit einem Gläschen Sekt erfrischen konnten, ging es mit der 6. Sinfonie F- Dur in fünf Sätzen weiter im Programm. Jeder dieser Sätze widmet sich einem bestimmten Thema. Im ersten wird das Erwachen bei der Ankunft auf dem Lande beschrieben. Die Musik entfaltet sich heiter und leicht, wobei die Streicher hier in den Vordergrund treten. Die nächste Szene spielt am Bach, auch hier noch eine leicht dahinplätschernde Melodie. Souverän und klar entwickelt das Orchester die einzelnen Szenen, impulsiv und ausdrucksstark beweisen sie sich im vierten Satz, bei dem nach einem fröhlichen Beisammensein im Freien ein Gewitter beschrieben wird. Hier dominierten Bass, Hörner und Pauke, die der Musik die dramatische Wendung gaben. Mit sanften Klängen, die sich zu einem quirligen Melodiengefüge entwickeln, endet der letzte Satz und damit auch das Konzert. Für ihren langanhaltenden Applaus bedankte sich der Orchesterverein "Collegium Musicum" mit ihrem Dirigenten Joachim Lemme mit der Romanze aus "Rosamunde" von Franz Schubert.
Gisela Kaminski
Acher-Rench-Zeitung, 12.12.06
    Musikalische Qualität macht sich bezahlt: Ausverkauft!

Collegium Musicum besticht mit Mozart, Vivaldi und hochkarätigem Gastchor aus Tschechien:

 

Oberkirch. Musikalische Qualität macht sich auf lange Sicht bezahlt. Das erfährt derzeit das Collegium Musicum Oberkirch mit seinem Dirigenten Jochen Lemme, das sich einer immer noch wachsenden Anhängerschar erfreut. Die Erwin-Braun-Halle war bis auf den allerletzten Platz besetzt und das Publikum bekam mit den Solisten Jörg Werner, Violine, Sebastian Schindler, Horn und dem Jugendchor Ondrášek aus Tschechien ein Konzert mit durchweg festlicher Grundstimmung geboten.

 

Den Auftakt zum Weihnachtskonzert machten die Gäste aus Tschechien mit internationalen und heimatlichen Weihnachtsliedern. Der deutsch-tschechische Musikaustausch von Jugendlichen wird durch den deutsch-tschechischen Zukunftsfond in Prag und durch das Goetheinstitut in Bonn gefördert und durch die Musik- und Kunstschule Oberkirch mit ihrem Leiter Hansjörg Stürzel organisiert. Das Musikschul-Orchester wird im kommenden Januar zu einem Gegenbesuch nach Nový Jicín aufbrechen. Vom ersten Ton an machten die jungen Sänger und Sängerinnen deutlich, warum der Chor auch auf internationalen Podien gefragt und mit höchsten Auszeichnungen bedacht ist. Josef Zajícek, der erstklassige Chorleiter dirigierte beim Auftritt in der Erwin-Braun-Halle einen Chor, der durch eine lupenreine Intonation und eine unglaubliche, rhythmische Präzision bestach. Jede Einzelstimme ordnet sich diszipliniert dem außerordentlich homogenen Gesamtklang des Chores unter. Begleitet wurden die SängerInnen von Thomas Neuberth an der Trompete. Der Chor wurde nach dem Lied "Stille Nacht" mit begeistertem Beifall bedacht.

 

Virtouser Solist

Seit Jochen Lemme beim Collegium Musicum den Takt angibt, erlebt der Oberkircher Orchesterverein einen großen Aufschwung und erfreut sich einer immer größer werdenden Fangemeinde. Dies liegt nicht zuletzt an der unbestrittenen Qualität des Orchesters, das nach wie vor aus dem sehr gut ausgebildeten Nachwuchsreservoir der Musik- und Kunstschule schöpfen kann, sondern auch an den Instrumentalisten  die an ihren Pulten eine hervorragende Arbeit verrichten. Einer davon ist der erste Geiger Jörg Werner, der sich an diesem Abend mit Antonio Vivaldis Konzert "Der Winter" aus den berühmten Zyklus "Vier Jahreszeiten" als Solist vorstellte. Vivaldis Konzerte verlangten zur damaligen Zeit einen Geigensolisten, der auf der Höhe der Zeit sein mußte, um den instrumentaltechnischen Anforderungen des Violin-Partes gewachsen zu sein. Dies gilt heute immer noch- und Jörg Werner zeigte sich den Ansprüchen des Werkes gewachsen. Souverän und virtuos meisterte er mit sehr guter Intonation auch die rasantesten Passagen, bei denen man förmlich die kalten Winterwinde am Fenster rütteln zu hören glaubte. Vor allem im zweiten langsamen Satz bestach er zum Pizzicato des Orchesters mit einem schön gestalteten, sanglichen Ton und elastischen Verzierungen.

 

Nach der Pause gab es ein Wiedersehen mit dem Hornisten Sebastian Schindler, der in Oberkirch aufgewachsen ist und seine musikalische Ausbildung an der Musik- und Kunstschule absolviert hat. Seit 2003 ist er stellvertretender Solohornist der Jenaer Philharmonie. Das Konzert für Horn und Orchester in Es-Dur, KV 447 gilt als das anspruchsvollste der vier Konzerte, die W.A. Mozart, damals inspiriert durch den befreundeten Hornisten Joseph Leutgeb geschrieben hat. Leutgeb galt damals als Pionier seines Instrumentes, so dass Mozart alle Neuentdeckungen, darunter eine neuartige Stopftechnik in seine Werke einbinden konnte. Sebastian Schindler spielte das Werk mit großem Ton, zeigte dabei keinerlei Ansatz-oder technische Schwächen und begeisterte sein Publikum mit seiner lupenreinen Interpretation des dreisätzigen Werkes. Das gut aufgelegte Orchester sorgte dabei für eine adäquate Unterstützung des Solisten, der wie Jörg Werner mit viel Beifall entlohnt wurde. Mit der "Linzer" Sinfonie in C-Dur, KV 425 bewies Mozart ein mal mehr seine Ausnahmestellung. Unter großem Zeitdruck fertigte er in nur vier Tagen eine Sinfonie mit einer glanzvollen, festlichen Aura. Zum ersten Mal nahm er in der Satzfolge, wohl in Anlehnung an Joseph Haydn einen langsamen Satz an den Anfang und verzichtet auch im langsamen Satz nicht auf die Pauken und Trompeten um den Glanz seiner Musik zu unterstreichen. Markant dabei ist auch die Behandlung der Holzbläser, die in vielen Passagen eine anspruchsvolle Arbeit zu verrichten haben. Die forschen, vorwärtsstürmenden Tempi des zweiten und letzten Satzes mit zahlreichen Tremolo-Effekten, die für viele schnellen Sätze im Schaffen Mozarts so charakteristisch sind, stellen ein Orchester vor eine nicht gerade leichte Aufgabe. Nicht immer gelang es dem Collegium Musicum dieses Vorwärtstreiben präzise und klar darzustellen.

 

Dafür aber überzeugte das Adagio, in dem das Orchester das wunderschöne Thema mit einer dynamisch und differenzierten Interpretation berührend zu gestalten wußte. Das Zahlreiche Publikum bedankte sich bei den Solisten und dem Orchester mit lang anhaltendem Beifall. Der sichtlich gerührte Dirigent Jochen Lemme zeigte sich erstaunt über den großen Zuspruch, den das Orchester derzeit erfährt und bedankte sich bei den Zuhörern mit zwei Zugaben.

Michael Klett bewies sich als herausragender Solist in dem Werk von Johann Christian Bach "Konzert für Viola und Orchester in c-Moll".

 

Klaus Leopold

Acher-Rench-Zeitung, 18.07.06
    Serenadenkonzert

Musik im Schlosspark:

 

Das Serenadenkonzert des Orchestervereins collegium musicum lockte am Sonntagabend 250 Besucher in den Park des Schlosses Gaisbach und erfüllte die hochgesteckten Erwartungen des Publikums restlos. 

Bei angenehmen Temperaturen im Schatten großer Bäume und im Blickfeld der malerischen Schlosskulisse lauschten die Konzertbesucher den feinen Klängen der Streicher. Diese boten unter ihrem Dirigenten, Prof. Joachim W. Lemme, ein eineinhalbstündiges Konzert mit einen bunten Strauß bekannter Melodien von "Bach bis zu den Beatles". 

Das musikalische Spektrum erstreckte sich von der Barockzeit über die Klassik bis in die Neuzeit. Lemme selbst würzte das Konzert mit launigen Worten, Weisheiten ber die Musik sowie mit Sprüchen über die Eitelkeit des Dirigenten. Auch durch sein fröhliches Mitpfeifen einer Tangomelodie brachte er das Publikum zum Schmunzeln. Unter den prominenten Zuhörern sah man Oberbürgermeister Matthias Braun mit Gattin Andrea.

Schlossherr Ulrich Freiherr von Schauenburg genoss das Soiree-Konzert vom Fenster des Schlosses aus.

 

Roman Vallendor

 

Acher-Rench-Zeitung, 24.05.06
    Mozart rahmte großes Konzerterlebnis markant ein
Johanna Dömötör spielte zauberhaften Part in der h-Moll-Suite
Oberkirch. Die Streicher des collegium musicum sind zahlenmäßig gut bestückt und leistungsstark, sie haben in ihrem Frühjahrskonzert ohne Bläser und Schlagwerk eine Klangwelt vorgestellt, die in ihrer Vielseitigkeit und ihrem ausgereiftem Vortrag das zahlreich erschienene Publikum tief beeindruckte. Prof. Joachim W. Lemme hat nicht nur Freude an handwerklicher Exaktheit und tonaler Expressivität, er liebt es offenbar auch, das Publikum zu überraschen und ihm etwas zum „Verdauen“ mit auf den Weg zu geben.
Dieses Mal gelang ihm dies mit dem ersten Stück, mit W. A. Mozarts „Adagio und Fuge“ KV 546. Wer hätte diese Musik als mozartisch eingestuft? Es gehört zum Allgemeinwissen, dass Mozart sich in seinem Spätwerk mit der barocken Formenwelt und Polyphonie auseinandergesetzt und sie ausdruckssteigernd eingesetzt hat. Aber eine so spröde Klanglichkeit wie bei der Fuge hätte man Mozart wohl doch nicht zugeschrieben. Das Adagio, wunderschön gespielt, hatte mit seinen aufbäumenden, punktierten Phrasen und der wie Entspannungsseufzer abwärtssteigenden Chromatik jene mozartsche Doppelbödigkeit, in der sprühende Lebensenergie und schmerzende Bitterkeit verbunden sind. Aber in der Fuge steigerten sich die Stimmen in ein verbissenes Rasen hinein. Es ist dem intensiven Spiel und der klanglichen Ausstrahlung des Orchesters zu verdanken, dass das Publikum mit Spannung das musikalische Geschehen verfolgte, welches sich schließlich zum eindrucksvollen Sinnbild kühnen Menschengeistes und einer „brodelnden Zeit“ formte.
Gewohnter, aber ebenso lebendig und berauschend fantasievoll ging es bei der Orchestersuite h-Moll von J. S. Bach zu. Streicher, Flöte und Cembalo verschmolzen hier zu einem faszinierenden Klangkörper. Die Suite begann mit der gewaltigen französischen Ouvertüre. Das Orchester vermochte sowohl das markante festliche Schreiten des Einleitungsteils als auch die quirlig wirbelnde polyphone Dichte des schnellen Teils wunderbar zu gestalten. Die nun folgenden barocken Tänze Gavotte (Rondeau), Sarabande, Bourrée, Polonaise/Double, Menuett führte Bach aus der Sphäre der leichten Tanzmusik hinüber in das Genre der Charakterstücke. Dem Orchester gelang es überzeugend, den rhythmusbestimmten Typisierungen Mark und Bein bzw. Fleisch und Blut zu geben. Dass dieses Werk weit oben auf der Beliebtheitsskala rangiert, liegt aber nicht nur an dieser Bereicherung der Streicherliteratur, sondern wohl noch mehr an der konzertierenden Querflöte.
Johanna Dömötör spielte dieses verkappte Flötenkonzert mit bravouröser Souveränität und sensibler Musikalität. Ihr tragender, strahlender Ton durchwebte im ganzen Werk bereichernd den Streicherklang und trat immer wieder mit Soli hervor, die wie perlenfunkelnde Silberstreifen über dem Ganzen schwebten. Höhepunkt innerhalb der Tanzsätze war die technische und musikalische Meisterleistung im Polonaisenteil „ Double“. Ein weiterer pointierter Glanzpunkt für die Flöte war die berühmte Badinerie. Das flotte Tempo forderte atemberaubende Geläufigkeit und schenkte gleichzeitig Eleganz. Es schien so, als habe Bach die Badinerie als Zugabe konzipiert. Dass sie nun tatsächlich nochmals als Zugabe noch schneller und artistischer erklang, verlieh der Spielfreude eine zusätzlich reizvolle Note.
Liebhaber von sanft wärmenden Streicheleinheiten für die Seele kamen bei der Serenade E-Dur op. 22 von Antonin Dvořák voll auf ihre Kosten. Das Orchester hatte den für solche Musik erforderlichen malerischen Klangkörper. Es nutze jede Gelegenheit, melodietrunken zu schwärmen und diese herrliche, sonnendurchströmte folkloristische Klassik mit viel Herz und Liebe fürs Detail zu musizieren.
Mit Mozart hatte das Programm begonnen. Nun, am Ende, nach langem begeistertem Beifall, verkündete Prof. Lemme nicht ohne Augenzwinckern, dass das Orchester als Zugabe das Menuett und den 1. Satz aus der „Kleinen Nachtmusik“ spielen werde. Das Mozartbild war nun wieder zurecht gerückt, aber wohl nicht mehr dasselbe. 
Kurt Bayer
Mittelbadischen Presse / Kulturteil, 20.12.05
    Musik schöpfte Kraft aus der Stille und dem überquellenden Reichtum
    der schöpferischen Seele
Johanna Dömötör, eine begnadete Flötistin, spielte Mozarts Fötenkonzert Nr.2 auf künstlerischem Höchstniveau.
Oberkirch. Das Weihnachtskonzert des Orchestervereins war ein Konzert der besonderen Art. Es hatte zwar äußerlich nichts mit Weihnachten zu tun, schöpfte aber doch Kraft aus der Stille, den geheimnisvollen Regungen der Seele und der Nachdenklichkeit, die großer Kunst oft bei aller Lebensfreude innewohnt. Und irgendwo hatte das Konzert eine Grundbewegung von der Dunkelheit zum Licht. Prof. Joachim Lemme und dem collegium musicum ist ein Konzert gelungen, das hinsichtlich des Programms und der Ausführung einen großen Eindruck hinterlassen hat.
Gustav Mahler Adagietto aus der 5. Sinfonie. Ganz geheimnisvoll, wie aus dem Nichts, stiegen die Töne empor und begannen sich zart schwebend im Raum zu bewegen. Indem die Streicherstimmen sich mal erhoben, mal niederkauerten, mal etwas öffneten, mal sich bedeckt hielten entstand ein ergreifendes Strömen, ein wellenförmig sich wälzendes Klanggeflecht, in dessen Mitte sanfte Harfentöne perlten und beharrlich wiederkehrende Tongedanken kreisten. Es war eine große Kunst, diese ruhige, seelengründige Musik so spannend zu gestalten. Man spürte, dass Dirigent Prof. Joachim Lemme, selbst Geiger, wusste, wie man ein Streichorchester anpackt, dass es solche endlos strömende dynamische Töne mit innerer Kraft erzeugt. Diese Fähigkeit kam ihm nochmals bei der Brahmssinfonie zugute, die ein mit Mahler seelenverwandtes Stück ist.
Dazwischen erklang eine wunderbar lebenslustige Musik, das Flötenkonzert Nr. 2 von W.A.Mozart. Die junge Solistin Johanna Dömötör hatte einen so betörenden Ton und solch graziöse Lockerheit selbst bei artistischen Tonpassagen, dass sie sich sofort in die Herzen des Publikums spielte. Sie hätte aber trotz ihres Auswendigspiels und ihrer sicheren Eleganz das Publikum nicht so überzeugen können, hätte sie nicht auch durch ihre Musikalität gepunktet. Das Melos war malerisch, die Gliederung glasklar, die Rubati waren geschmackvoll platziert und gestaltet. Ohne den Glanz der Ecksätze schmälern zu wollen verdient doch der langsame Mittelsatz besondere Erwähnung, wo es gelang den Ausdruck bis in ein zerbrechliches Gleichgewicht zurückzunehmen und so aus der Stille Kraft zu schöpfen. Zum hervorragenden Gelingen dieser Wiedergabe trug auch das Orchester wesentliches bei. Es begleitete duftig und korrespondierte gut mit der Solistin. Streicher, Hörner und Oboen hatten eine frischen, homogenen Klang.
Solistin und Dirigent waren sich des Erfolgs sicher, denn sie hatten eine Zugabe vorbereitet, so konnten sie dem begeisterten Publikum einen weiteren wundervollen Genuss schenken: einen Satz aus einem Flötenkonzert von Pergolesi.
Nach diesen filigranen Ausarbeitungen in kleiner Besetzung folgte die Hinwendung zu breit angelegter Symphonik, zum Klangfarbenreichtum und zur Klangfülle. Die vier Sätze der 1. Sinfonie von Johannes Brahms gaben dem nun zu einem mächtigen Apparat angewachsenen Orchester reichlich Gelegenheit, die in ihm schlummernde Vielfalt und Ausdruckskraft zu zeigen. Bei aller romantisch wärmenden Melodik und allem sinnenfreudigen Farbenreichtum hat Brahms in dieser Sinfonie ein architektonisch kunstvoll durchkomponiertes, ernstes Werk geschaffen, das in seiner Dramatik Höhepunkte und Tiefen des Lebens bis in seine metaphysischen Wurzeln beschreibt. Dass Prof. Joachim Lemme mit seinem Orchester ein derart differenziertes Werk so überzeugend und fesselnd darstellen konnte, ist eine bewundernswerte Leistung. Das Publikum wusste das zu schätzen und feierte die Musiker. Prof. Lemme reagierte gekonnt auf die festliche Stimmung im Saal und spielte »Pomp and Circumstance« von Edward Elgar als Zugabe.
Kurt Bayer
Acher-Rench-Zeitung, 18.07.05
    Launige Serenaden im lauschigen Schloss

»Collegium musicum« ließ alte Tradition wieder aufleben

 

Oberkirch (kl). Mit einer kurzweiligen und unterhaltsamen Sommerserenade im Garten des Gaisbacher Schlosses knüpfte der Oberkircher Orchesterverein »Collegium musicum« am Sonntagabend erstmals wieder an eine lieb gewordene Tradition an. Bereits 1951-56 gastierte der Orchesterverein regelmäßig im Schlossgarten. Ab diesem Jahr soll die Sommerserenade wieder ins Jahresprogramm aufgenommen werden. Trotz der großen Hitze fanden sich viele Musikfreunde im Schlossgarten ein. Die großen Bäume im Garten spendeten angenehm kühlen Schatten.

Joachim Lemme verzichtete bewusst auf den Druck eines Programms und begründete dies in einer seiner witzigen Moderationen mit einem Gedicht von Eugen Roth über den Musikkenner, der glaubt eine barocke Fuge zu hören, weil er es versehentlich im Programm vom Vorabend liest und sich mit seinen vollmundigen Bemerkungen über das Stück gründlich blamiert. So etwas wolle er den Konzertbesuchern ersparen, so Lemme.

 

Kleine Besetzung

Aber nicht nur launige Ansagen hatte er für den Abend ausgewählt. Das in kleiner Besetzung angetretene Orchester glänzte zunächst mit dem ersten Satz aus dem ingängigen Mozart-Divertimento in F-Dur. Mit zwei allseits bekannten Hits aus ganz unterschiedlichen Epochen setzte das »Collegium musicum« das Programm fort. Jochen Lemme forderte das Publikum auf, bei Josef Haydns »Andante Cantabile« und beim im Streichergewand eindrucksvoll klingenden Beatles-Hit »Yesterday« mitzusingen. Vorher erklärte er den Zuhörern noch die zwei wichtigsten Regeln für ein Orchester. Regel eins: zusammen anzufangen; Regel zwei: auch zusammen aufzuhören, selbst wenn man als Musiker noch Noten übrig hat. Danach ließ er das Orchester alleine spielen und lehnte sich in der ersten Sitzreihe genüsslich zurück. Virtuose Solistin Im Anschluss gab es allerdings wieder Arbeit für den Dirigenten. 

Johann Sebastian Bachs »Air« folgte das Rondo aus dem Konzert für Querflöte und Streicher in D-Dur, KV 184. Die junge Solistin Johanna Dömötör meisterte das virtuose Werk mit spielerischer Leichtigkeit und einer bewundernswerten Bühnenpräsenz. Kein Wunder, dass die Flötistin, die derzeit an der Musikhochschule Stuttgart studiert, schon hochkarätige Preise gesammelt hat. Ihr Auftritt wurde mit begeistertem Beifall quittiert.

Mit Variationen über das Volkslied »Hänschen klein« wurde das Publikum zu einem Ratespiel aufgefordert. Der Stil der Variationen sollte erraten werden. Aber selbst das letzte Rätsel, eine vermurkste Version des Volksliedes eines »Musikstudenten« im sechsundzwanzigsten Semester (!) wurde erraten und mit einer Flasche Sekt belohnt. Als Zugaben spielte das »Collegium musicum« passend zur Jahreszeit »Summertime« von George Gershwin, den letzten Satz aus Mozarts »Divertimento F-Dur« und Scott Joplins »Entertainer«. Mit viel Beifall wurden die Akteure am Ende vom Publikum für eine sehr amüsante Serenade belohnt.

 

Klaus Leopold

 

Mittelbadische Presse, 02.05.05
    Musik entfaltete hypnotische Wirkungen
Oberkirch. Wer recht mit Freuden hören wollt, der fand beim Frühjahrskonzert des collegium musicum in der Stadthalle Oberkirch den frischen, farbenfrohen Ton, der das Herz öffnete. Mozart, Saint-Saëns und Haydn schrieben die bezaubernde Musik, die gefällig und gleichzeitig höchste Kunst ist, das Orchester bildete unter der Leitung von Prof. Jochen Lemme den quicklebendigen Klangkörper, der sensibel genug war, das klassisch-romantische Konzertprogramm mit Stil, klanglicher Ausstrahlung und interpretatorischer Fantasie in mitteilsamer Weise dem Publikum zu präsentieren.
Die Ouvertüre zur Oper „Don Juan“ von W. A. Mozart schlug zunächst bedrohlich dunkle Töne an, doch mündete das düstere Andante bald in ein aufhellendes Allegro. Das Karussell des Lebens gewann immer mehr an Fahrt, die Zwiespältigkeit des Daseins in gegensätzlichen Farben symbolisierend, Bedeutendes ankündigend.
Denn gleich fielen im Cellokonzert Nr.1 von Camille Saint-Saëns die Töne in mehreren Wellen wie Sturzbäche von oben hinab in die Tiefe. Der junge, 22jährige Cellist Mischa Meyer stieg gleich mit ungeheurem Temperament ein und durchwirkte das große Orchester kraftvoll mit seinen Toneskapaden. Herrlich inmitten des metrischen Gerüsts ein freies, gelöstes Spiel, das die ganze Weite der Cello-Lagen klangvoll durchschritt. Diese große Souveränität ermöglichte auch eine so ausdrucksvolle Ausgestaltung der romantischen Melodien, dass sie unbeschreiblich wärmend in die Seele flossen. Saint-Saëns hat in dieses Konzert nicht nur große technische Virtuosität hineinkomponiert, sondern auch eine bewundernswerte Klangmagie entwickelt. Der zweite Satz ist wie von einem anderen Stern. Das Cello schwebt in sphärischen Streicherklängen, die schließlich in einen herrlichen Holzbläsersatz hineinlaufen. Der Schlusssatz gleicht einem jagenden Galopp, der in eine furiose Schlussstretta mündet. Das Konzert vereinigt Kraft mit Eleganz. Das Orchester packte kräftig zu, ließ aber dem Cellisten genügend Raum, so dass er sein hervorragendes Talent in einem tragenden Pendant entfalten konnte.
Das Publikum erkämpfte sich mit seinem Applaus eine Zugabe: Der „Gesang eines Vogels“ von Pablo Casals wirkte in seiner ruhigen melancholischen Weise wie eine zarte Hypnose.
Bei der berühmten Londoner Sinfonie 104 von Joseph Haydn brachte das collegium musicum des Orchestervereins Oberkirch seine ganze Energie und Musizierfreude zur Geltung. Das mitgliederstarke Orchester verfügt über einen klangvollen, an exaktes Zusammenspiel gewohnten Streicherapparat, über Holz- und Blechbläser mit großer tonaler Ausdruckskraft und ein wirkungsvolles Schlagwerk. Die Haydn-Sinfonie ließ ihm genügend technischen Freiraum zum Gestalten, sodass Jochen Lemme ausdrucksvoll mit dem Malkasten „Orchester“ malen konnte. Die Tempi machten die Musik leicht und locker. Der zweite Satz erhielt den erforderlichen fließenden langen Atem. Je nach dem entwickelten sich dramatische, rhythmisch prägnante oder naturromantische Szenen. Es war ein Genuss, den Melodien und Klängen zu folgen, die , gerade weil sie so exakt geformt waren, so liebenswert locker daherkamen.
Kurt Bayer
Acher-Rench-Zeitung, 08.06.04
    Mozart und Schubert glänzten in der Stadthalle Oberkirch

Oberkirch. Die heiteren und melancholischen Stimmungen, die ausstrahlungsintensiven Melodien und Klänge weckten tief empfundene Freude, so überzeugend spielte das Collegium musicum Oberkirch unter der Leitung von Prof. Jochen Lemme beim Frühjahrskonzert des Orchestervereins in der Stadthalle. Das Orchester verfügte über eine Streicherbesetzung, deren technische Brillanz zur Darstellung Mozartscher Feinstruktur taugte, deren spielerische Leichtigkeit die Zartheit einer Duftwolke und deren Vehemenz die Kraft eines tosenden Sturzbachs erreichen konnte. Diese Ausdrucksfähigkeit wurde effektvoll ergänzt durch die wunderbaren Flöten, Oboen und Hörnerpassagen bei Mozart und bei Schubert außerdem durch die herrlichen Fagott-, Trompeten- und Paukenklänge. Das Orchester stellte dieses Mal auch die Solisten: die Lehrer an der Musikschule Oberkirch Jörg Werner, Violine, und Michael Klett, Viola, spielten in Mozarts Konzert für Violine und Viola einen bezaubernden Part.

 

Dabei hätte man hinter dem Programm eine solche Vielfalt nicht vermutet. Mozart und Schubert stehen für den Musikstil der Wiener Klassik und nur 30 Jahre trennen sie voneinander. Dennoch lagen zwischen den Musikstücken Welten und das machte den Abend so farbig und spannend und zeugte von einer guten Programmauswahl.

 

Die Sinfonie Nr.29 A-Dur KV 201 hat W.A. Mozart 1774 in Salzburg geschrieben. Er war damals 18 Jahre alt. In ihr klingt die Zeit der italienischen Reisen fort, denn dieses Werk strahlt südländische Sonne und Heiterkeit aus. Die frischen Tempi, die Leichtigkeit und Klarheit, mit der die Motive artikuliert wurden, das muntere Spiel der Streicher, der Flöte, Oboen und Hörner weckten frühlingshafte Aufbruchstimmung.

 

Die Aufgeschlossenheit des Orchesters für die feinsinnigen offenliegenden Werkstrukturen kam auch dem nächsten Musikstück sehr zustatten, Mozarts Konzert für Violine und Viola. Es betonte mehr die Moll-Modalität und hatte im Andante geradezu russisch elegische Züge. Die beiden Solisten Jörg Werner, Violine und Michael Klett, Viola, spielten ein wunderbares Spiel. Wie sie die Charaktere ihrer Instrumente ausspielten und gegenüberstellten, die tragend glänzende Stimme der Violine und den kräftig warmen, in tiefen Lagen geradezu celloartigen Klang der Viola! Wie sie wie aus einem Guss zusammenspielten! Wie sie sich die Bälle zuwarfen und in welch geschmackvoller Weise sie die offen liegenden Stimmen ausgestalteten und zu einem Ganzen zusammenwachsen ließen, war eine Freude. Auch das Zusammenspiel mit dem Orchester war gut abgestimmt, Solisten, Hörner und Holzbläser mischten herrliche Klangfarben. Im Presto fielen die Schranken hochgeistiger Kultiviertheit zugunsten eines überschäumenden Temperaments, sodass der Satz geradezu zu einem Rausschmeißer vor der Pause wurde.

 

Die 1. Sinfonie 19jährigen Franz Schubert aus dem Jahre 1803 setzte nochmals eins drauf. Nicht nur dass das Klangfarbenspektrum durch Trompeten und Pauken erweitert war, auch die ganze Art zu komponieren setzte im Orchester neue Kräfte frei. Ein bisschen Melancholie klang eingebetet in den tänzerischen 2. Satz an. Sonst schäumte die Musik über vor eingängigen Melodien, harmonischen Einfällen und lebensstrotzenden Rhythmen. Das Orchester hatte so die Möglichkeit alle seine Kräfte zu mobilisieren und ein glänzendes Finale zu gestalten.

 

Kurt Bayer

 

Acher- und Bühler Bote, 20.01.04
    Strahlendes D-Dur, Trompetenschall und Paukenwirbel,
    dazu ein gediegener Streicherklang

 

Achern (lub). Strahlendes D-Dur, Trompetenschall und Paukenwirbel, dazu ein gediegener Streicherklang - Musik von Johann Sebastian Bach. Einen festlicheren, höher gestimmten Auftakt kann ein Konzert kaum haben. Anläßlich seines bevorstehenden 60. Geburtstages hatte Acherns Kulturbeauftragter, Professor Joachim W. Lemme, am Sonntag abend in die Katholische Pfarrkirche Unserer Lieben Frau zu einem festlichen Kirchenkonzert eingeladen. Unter Jochen Lemmes souveränem Dirigat erklang die Orchestersuite, Nr.3, D-Dur von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) sowie das Klarinettenkonzert, A-Dur, KV 622 und die „Credomesse“, C-Dur, KV 257, von Wolfgang Amadeus Mozart (156 bis 1791). Ausführende waren Christopher Corbett (Klarinette), das Vokalsolistenquartett Christine Brenk (Sopran), Ursula Eittinger (Alt), Andreas Weller (Tenor) und Markus Flaig (Bass), sowie der Orchesterverein „collegium musicum“ Oberkirch. Die chorischen Aufgaben erfüllte ein etwa hundertköpfiger Projektchor aus Mitgliedern des Motettenchores Achern und des Kirchenchores „St.Peter und Paul“ Bühl sowie des Kirchenchores „St.Bernhard“ Fautenbach, deren einstudierende Probenarbeit von Norbert Jeanjour (Achern, Bühl) und Gabriele Sichler-Karle (Fautenbach) geleistet worden war. Die musikalische und organisatorische Gesamtleitung des im Rahmen der kommunalen Veranstaltungsreihe „gong Achern“ stattfindenden Konzertes lag in den Händen von Jochen Lemme. So groß war der Publikumsandrang, daß die Abendkasse letztlich nur noch Stehplätze zu vergeben hatte.

 

Nach der großartigen, schwungvollen und kräftigen, französisch akzentuierten Ouvertüre D-Dur, folgt in Bachs Orchestersuite Nr.3, quasi als „Herzstück“, das einzigartige, italienisch geprägte Air, das Jochen Lemme und "sein", seit 1997 von ihm betreutes Oberkircher Orchester mit tiefem Gefühl und überlegenem Klangsinn in die französische Umgebung der übrigen, nach einem genialen dramaturgischen Plan angeordneten Sätze hinein akzentuierte. Es ist ein an Vivaldi orientiertes Adagio, dessen Tempo im Vergleich zu den ansonsten sehr frisch genommenen Tanzsätzen bis zu kontemplativer Gelassenheit zurückgenommenen wurde. Jochen Lemme verstand es, gesangliche Linien der Partitur freizulegen, die er zu einer beglückenden klanglichen Skulptur zu verbinden verstand. In den drei folgenden folgenden französischen Tanzsätzen, deren gültige Interpretation ein Höchstmaß an rhythmischer Akzentuierung und ensembledienlicher Präzision erfordern, zeigte sich das Oberkircher Kammerorchester mit seinem Konzertmeister Michael Klett bestens gewachsen. Tänzerischer Gestus, klangliche Transparenz und kraftvolle Artikulation sicherten der Interpretation ihre Lebendigkeit und einen beglückend umfassenden Klangsinn.

 

Nach seinen musikalischen Anfängen als Klarinettenschüler von Rudolf Heidler und Karl Schlechta vom SWR-Sinfonieorchester hat der 1979 in Bühl/Baden geborene Musiker Christopher Corbett inzwischen ein künstlerisches Profil gewonnen, das ihn zum gefragten Ensemblespieler namhafter Orchester und zum virtuosen Solisten macht. In Achern interpretierte er das zum genialen Spätwerk der Wiener Klassik gehörende Klarinettenkonzert A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. In seiner gelösten, heiteren Atmosphäre finden sich kaum Spuren der düsteren Stimmung in der sich Mozart 1791 befand. Noch heute stellt das wohl berühmteste aller Klarinettenkonzerte an den Interpreten, trotz der modernen, agileren Instrumente, ein Höchstmaß an virtuoser Handhabung. Nicht nur der Gebrauch der Tonfarben in den verschiedenen Register gelang Christopher Corbett vorbildlich. Auch in der dialogisierenden „Klangrede“ mit dem flexibel begleitenden Orchester und seinem umsichtigen Dirigenten konnte sich der jugendliche Interpret, der seit September 2002 als Soloklarinettist beim Deutschen Symphonieorchester Berlin beschäftigt ist, bestens aufgehoben fühlen. Einen klanglichen Höhepunkt bot der zweite Satz Adagio mit seiner breit ausschwingenden Kantilene, die sich über dem von Flöte, Fagott und Horn harmonisierten Kammermusiksatz erhebt, bevor Christopher Corbett und das Orchester in das mitreißende, farbig geschmeidige Rondo einmündeten.

 

Festlich repräsentativ sind die „Salzburger Messen“, die Mozart bis zu seinem „Rauswurf“ durch Fürsterzbischof Colloredo für den liturgischen Gebrauch zu liefern hatte. So auch die Messe in C-Dur, KV 257, deren ausgeprägtes „Credo“ dem Werk den Namen „Credomesse“ verlieh. Das harmonisch bestens aufeinander abgestimmte Solistenquartett bot eine überzeugende Leistung, ohne stimmlich allzu sehr gefordert zu sein. Der Bühler, Acherner und Fautenbacher Projektchor bestach durch klangvolles Volumen, klare Artikulation und gute Textverständlichkeit sowie durch makellose Intonation. Ebenso wie die Sänger-Ensembles folgte das bläserverstärkte "collegium musicum“ den künstlerischen Intentionen von Dirigent Jochen Lemme und ließ im Zusammenklingen mit allen Beteiligten den Zuhörern das Konzert zu einem musikalischen Ereignis ersten Ranges in der Region werden. 

 

Thomas Lubkowski

 

Acher-Rench-Zeitung, 20.01.04
    Ein Fest der Klassik in der Kirche
Konzert der gong-Reihe mit drei Chören, Vokalquartett und Orchester
(az) Zuerst die weltliche, dann die geistliche Musik – zuerst ein präludierendes Orchester, dem sich ein brillanter Solist beigesellte, danach zum krönenden Hauptwerk vereint mit Chor und Vokalquartett aus einer dreistelligen Zahl von Stimmen die Messe – so verlief die Steigerungslinie des großen Kirchenkonzerts der gong-Reihe am vergangenen Sonntagabend.
Das Podium und der große Altarraum in der Acherner Stadtkirche fassten kaum die Mitwirkenden für die Messe KV 257 von Mozart. Sie wird Credo-Messe genannt, weil der Komponist das Wort „Ich glaube“ nicht nur an der üblichen Satzstelle der Messe, sondern als Credo-Ruf auch zwischen den einzelnen Glaubenssätzen Laut und Klang werden lässt.
Jochen Lemme hatte als Dirigent eine immense Koordinationsleistung zu vollbringen. Er vereinte Mitglieder dreier Chöre, Motettenchor Achern, Katholischer Kirchenchor Fautenbach und Katholischer Kirchenchor Bühl zu einem Projektchor, nachdem ihm die Dirigenten Norbert Jeanjour und Gabriele Sichler-Karle mit sorgfältiger Einstudierung vorgearbeitet hatten. Prof. Lemme festigte seine Idee, mehrere vorzügliche Klangkörper unserer Region zu einem Werk zusammen zu führen, indem er Gesamtproben für den Orchesterverein aus Oberkirch und die drei Chöre an drei verschiedenen Probenorten organisierte.
Die Zuhörer (darunter auch Wolfgang Schäuble und andere Vertreter des politischen Lebens) konnten in der überfüllten Stadtkirche die Früchte dieser Vorbereitungen genießen. Zur Eröffnung des Konzerts erklang die Suite D-Dur von J. S. Bach, in barocker Pracht die Ouvertüre mit einem temperamentvollen Violinsolo des Ersten Geigers Michael Klett, darauf in bedachtsamer Zurücknahme des Tempos das feine Silber-Gespinnst der berühmten Air mit allen Wiederholungen und dennoch voller Spannung – die sich in den schnellen Tänzen Gavotte, Bourree und Gigue wieder löste. Mozarts letztes Konzert in seinem kurzen Leben ist das Klarinettenkonzert in A-Dur. Der Orchesterverein begleitete mozartisch beschwingt den Solisten. Christopher Corbett, ehemaliger 1. Preisträger des Acherner Musikpreises, heute an einem Pult des Berliner Sinfonieorchesters. Er spielte den delikaten Part mit wunderbarer Gelöstheit; die Sanglichkeit der makellosen Klarinetten-Kantilenen bereiteten das Ohr der Zuhörer ideal für das Erlebnis der menschlichen Stimmen vor., die dem Hauptwerk der Messe vorbehalten waren.
Mozart schrieb die Credo-Messe mit 20 Jahren. Noch ist nicht der tiefe Ernst seines Requiems zu spüren, eher durchlichten die Echos seiner Italienreise mit südlichem Opernglanz die Messe. Darum hatte Jochen Lemme neben der akribischen Choreinstudierung auf die Zusammenstellung eines erlesenen professionellen Vokalquartetts geachtet, das mancher Oper zur Zierde gereicht hätte.
Ein Fest der Klassik war das harmonische Zusammenwirken der verschiedenen Klangkörper, bruchlos homogen wirkten die Chorteile, ihre ungetrübte Intonation und das synchrone Eingehen auf die klare Zeichengebung des Dirigenten, der noch einen um Pauken und Posaunen angereicherten Klangkörper zu steuern hatte. Soviel Harmonie mag sich Wolfgang Schäuble insgeheim für die Übereinstimmung der christlichen Parteien gewünscht haben: im gong-Konzert wurde sie mit sehr herzlichem und lang anhaltendem Beifall für alle Mitwirkenden belohnt.
Dr. Albrecht Zimmermann
Acher-Rench-Zeitung, 24.12.03
    Weihnachtskonzert bot höchste Qualität und mitreißende Musik

Pianistin Elena Kuschnerova löste Begeisterungsturm aus.

 

Kette voll musikalischer Juwelen

Collegium musicum und Pianistin Elena Kuschnerova zeichneten überragendes Klangbild

 

Oberkirch. Emotionale Hochspannung und elektrisierende Kunstfertigkeit machten das Weihnachtskonzert des Orchestervereins zu einem einzigartigen Erlebnis, so tief wurden die Sinne berührt und so hoch schäumten die Wogen der Begeisterung. Es waren verschiedene Komponenten, die sich zu solcher Wirkung bündelten. Dirigent Jochen Lemme hatte geschmackvoll Werke aus der Romantik ausgewählt: die Ouvertüre „im italienischen Stil“ von Franz Schubert, das 2. Konzert für Klavier und Orchester von Fréderic Chopin und die 4. Sinfonie von Robert Schumann. Das collegium musicum ist hinsichtlich der Besetzung und der Leistungsstandarts zu einem Klangkörper herangereift, der in der „Amateurliga“ seinesgleichen sucht. Und für das Klavierkonzert konnte mit Elena Kuschnerova eine außergewöhnlich exzellente Künstlerin gewonnen werden.

 

Von Anfang an, schon bei der Schubert – Ouvertüre, zeigte das Orchester Gestaltungskraft. Die Töne plätscherten nicht so dahin, sie entwickelten Spannung und Dynamik, die Klangfarben hatten Ausstrahlung, das Orchester bestand nicht aus einer Vielzahl von „Einzelkämpfern“, es bildete einen wohlabgestimmten Organismus. Schuberts einfühlsame Melodik und farbenfrohe Orchestrierung kam deshalb voll zur Geltung.

 

Dank der überragenden Kunstfertigkeit der Pianistin Elena Kuschnerova bildete das Klavierkonzert Nr.2 f-moll von Chopin ein besonders kostbar gefertigtes Juwel innerhalb des Konzertes. Kuschnerova spielte souverän auswendig, mit Blick fürs Detail und fürs Ganze. Sie konnte Gegensätze ineinander fließen lassen. Sie verband atemberaubende Geläufigkeit mit ruhiger Gelassenheit und kraftvolle Themenarbeit mit lustvoller Verspieltheit. Im Maestoso tummelten sich die Klaviertöne wie muntere Fische durch den ruhig wogenden Ozean der Streicher. Das Larghetto verbreitete zunächst weihevolle Stimmung und stieß schließlich in abgründige Tiefen der Seele vor. Im Allegro vivace tauchte die Musik wieder ein in die scherzhaft fröhliche Welt der Mazurka. Das Orchester begleitete feinfühlig, nahm die Impulse des Klaviers auf und so entstand ein musikalisches Gesamtbild, das man mit höchster Freude genießen konnte.

 

Orchestraler Glanzpunkt war die Wiedergabe der Sinfonie Nr. 4 d-Moll von Robert Schumann. Bei diesem Werk, das nicht einfach nur romantisch ist, sondern auch in extreme Bereiche des Ausdrucks vorstößt, bestätigte sich in eindrucksvoller Weise, was schon bei Schubert-Ouvertüre aufgefallen ist: das Orchester verfügt über hervorragende Instrumentalisten. Die Holzbläser, die Blechbläser, die Streicher formten mit Ausdruckskraft und Variationsreichtum Töne und Klänge, die begeisterten. Dabei entwickelte sich eine reiche Motivarbeit, entstand eine lebhaft differenzierte Rhythmik und bildeten sich eindrucksvolle Klangflächen und -mischungen. Als das wunderbar scherzhafte Scherzo vorüber war, gab es für das Orchester kein Halten mehr. Im 4. Satz begann gleichsam ein Wetteifern unter den Musikern und Klangregistern, wie sie ihre Freude am Musizieren wohl am besten zum Ausdruck bringen könnten, was zu einer weiteren Ausdruckssteigerung führte.

 

Mit diesem Weihnachtskonzert zeigte das collegium musicum des Orchestervereins Oberkirch einmal mehr, dass es einen hervorragenden Platz in der Kulturlandschaft einnimmt. Jochen Lemme ist der richtige Mann an der Spitze dieses Ensembles. Er nutzt die Motivation der Musikerinnen und Musiker und führt sie zu Leistungen, von denen man mit Hochachtung spricht.

 

Kurt Bayer

 

Acher-Rench-Zeitung, 24.06.03
    Freude am Musizieren war spürbar

collegium musicum gestaltete ohne auswärtige Unterstützung ein gelungenes Konzert.

Lebendig sprudelnde Freude am Musizieren und wacher Sinn für die in den Musikstücken wohnenden Köstlichkeiten machten das Konzert des collegium musicum zu einer Quelle der Erquickung, die die Unbilden der Hitze am Sonntagabend aufs Angenehmste kühlte. Obwohl „nur“ Streicher hinter den Pulten saßen, war der Abend voller Abwechslung und Ausdruckskraft. Das Programm sah auf den ersten Blick eher bescheiden aus: Wolfgang Amadeus Mozart, Sinfonie F-Dur KV 138, Johann Sebastian Bach, Violinkonzert a-Moll, Edvard Grieg, Holberg-Suite, Benjamin Britten, Simple Symphonie. Aber wie Jochen Lemme diese Musik mit seinem Orchester musizierte, war ein erstklassiger Hochgenuss, so klangschön und intelligent waren die Interpretationen.

 

Schon die Mozartsinfonie bezauberte durch die saubere, klare Wiedergabe, vor allem aber durch die Leichtigkeit, in der sämtliche Niedrigkeiten des Alltags entschwebten. Diese Souveränität, sich ganz der Musik hingeben zu können, lebte auch in Bach’s a-Moll-Konzert weiter. Michael Klett, der Sologeiger, bettete seine Violinstimme wunderschön in den Orchesterpart ein. Sein Spiel war voller Feingefühl und frei von vordergründigem Ballast – ein liebreizender Kontrast zu dem festgefügten Satz des Orchesters, das die thematische Struktur wirkungsvoll webte.

 

Besonders bei der Holberg-Suite von Grieg ging öfters ein Prickeln durch die Haut. Da gab es die herrlichen Soli der Cellogruppe, das lebendige Wechselspiel zwischen Violine und Viola. Da konnte man im Orchester die Strichtechnik und köstliche Pizzikato-Stellen bewundern , vor allem die spannungsvolle Dynamik, die in der Air ihren Höhepunkt erlebte.

 

Auch bei der Simple Symphonie von Britten, die ja oft gespielt wird – auch von Anfänger-Orchestern – wurde man sehr überrascht von der Ausdruckskraft und Schönheit, die dieses Werk entfaltet. Die Sätze hatten Charakter. Leicht zu übersehende Details wurden sichtbar, und immer wieder freute man sich an den satten Tönen des Orchesters. Das Publikum blieb trotz der Hitze bis zum Schluss quicklebendig.

 

Das Orchester bedankte sich für den reichen Applaus mit einem Walzer von Tschaikowsky und der Pizzicato-Polka von Johann Strauss.

 

Kurt Bayer

 

Acher-Rench-Zeitung am 24./25./26.12.02
    Mit Corelli-Sätzen beschenkt

„Collegium musicum“ überzeugte mit niveauvollem Weihnachtskonzert

 

In der voll besetzten Erwin-Braun-Halle in Oberkirch führte das „collegium musicum“ unter seinem Dirigenten Professor Jochen Lemme hochkarätige Werke von Rameau, Bach und Haydn auf.

 

Als Konzerteinstieg präsentierten Jochen Lemme und sein ausgewogen besetztes Orchester eine siebenteilige Ballett-Suite von Jean-Philippe Rameau (1683 – 1764), deren reizvolle Tanzminiaturen dank konzentrierter und musikalisch qualifizierter Ausreizung barocke Lebensfreude versprühten.

 

Dagegen gab sich das Konzert f-Moll für Klavier, Streicher und Continuo von Johann Sebastian Bach, in der Urfassung wohl als Violinkonzert konzipiert, in den Ecksätzen spielerisch gelöster und beinhaltete im Mittelteil ein sehr schön gespieltes Largo. Obwohl Bach die Erfindung des Klaviers (klanglich nicht mit dem heutigen zu vergleichen) noch miterlebt hat und man von „Klavierkonzert“ sprechen kann, bevorzugen die meisten Interpreten das Cembalo für den Solopart. Der spezifisch silbrige Klang gibt dem Werk eine wohltuende Frische. Dessen ungeachtet wählte Thomas Strauß den Flügel. Mit Anschlagsdynamik und tadelloser Technik brachte er die Pianoversion voll zum Tragen. Das von Lemme hervorragend motivierte Orchester agierte auf hohem Niveau und sorgte so für eine sehr ansprechende Gesamtrealisation. 

 

Nach der Pause interpretierte Florian Hasel, Solo-Englischhornist im SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden, das Konzert A-Dur, BWV 1055 (auch praktiziert als Violinen- und Klavierkonzert) von. J.S.Bach. Die drei Sätze, in dieser Version schwer zu realisieren, kamen tonal prächtig in souveräner Melismatik im langsamen Mittelteil sowie mit Frische bei den zügigen Tempi an. Darüber hinaus sorgte ein gut mitziehender Orchesterapparat für entsprechenden Kunstgenuss. Joseph Haydn liegt dem „collegium musicum“ besonders gut. So präsentierten die Musiker als Abschluss des offiziellen Programms die niveauvolle G-Dur-Sinfonie Nr. 88 aus dem Jahre 1787. Beethoven selbst hat das Hauptthema im Finale seiner achten Sinfonie übernommen. Dank der souveränen Schlagtechnik des Dirigenten Lemme hatten die Strukturen einen wohlkonturierten Charakter. Auch die charakteristischen Details waren gut markiert und von hervorragenden Bläsern und guten Streichern musikalisch auf hohem Level gestaltet. Das glanzvolle Finale mündete in den kraftvollen Beifall der begeisterten Zuhörer, die als Zugabe mit zwei Corelli-Sätzen inklusive der „Pastorale“ beschenkt wurden.

 

Gunter Thiel

Acher-Rench-Zeitung, 14.05.02
    Mozarts munteres Plätschern mit Tiefgang aufgetischt

Gerrit Zitterbart und „collegium musicum“ spielten mit perlender Präzision.

 

Bot dem Publikum nicht nur Galanterien, sondern auch „wunderbar schmackhafte Heilkost für die Seele“. So wohltuend war das Rendezvous mit den vielen musikalischen Köstlichkeiten.

 

Unter der Leitung von Jochen Lemme zeigten sich Orchester und Solisten in Hochform. Sie vermochten sowohl mit dem Charme zu kokettieren als auch die Tiefenschichten der Kompositionen auszuloten.

 

Mozarts wirkungsvolle Streichersätze lassen immer wieder die Herzen höher schlagen. Und das Oberkircher „collegium musicum“ packte die Gelegenheit beim Schopf, meisterhafte Musik gekonnt darzustellen. Die „Kleine Nachtmusik“ klang lieblich und duftig, aber auch knackig und herzhaft dank der Tongestaltung und rhythmischen Prägnanz. 

Die tiefsten Eindrücke hinterließ das Konzert für Klavier und Orchester C-Dur KV 467. Der international bekannte Pianist Gerrit Zitterbart zeichnete die Themen und Entwicklungen mit ungeheurer Klarheit und perlender Präzision. Am meisten beeindruckte seine Fähigkeit, den Tönen Leben einzuhauchen. So schaute bei aller kristallklaren Brillanz der Spieltechnik immer auch der geheimnisumwobene Urgrund hindurch. Seine Soli beispielsweise in den Kadenzen entfalteten Virtuosität und Aussagekraft. Er klinkte sich souverän in die Orchestermusik ein und führte aufmerksam Dialoge mit dem Orchester.

 

Innere Saiten klangen.

Nach der Pause wurde professionelle klassische Unterhaltung geboten, die Volkslied und –tanz einbezog. Das Divertimento Nr. 11 D-Dur KV 251 für Streicher, 2 Hörner und eine Oboe geschrieben hatte durchweg sonnigen Charakter. Die Spielfreude entzündete sich immer wieder frisch an Soloeinlagen. Die gefühlvollen Gesänge der Oboe sorgten für das notwendige Sentiment. Die Streichquartetteinlagen vergnügten mit spritzigen Einfällen. Das Tutti belebte durch Melodienfreude, malte Klangfarben und bestach durch charaktervolle Rhythmen, die geistreich und humorvoll kombiniert wurden. Zum Humor passte die Reaktion Lemmes auf das Klatschen des Publikums vor dem letzten Satz. Er tat so, als ob das Stück zu Ende wäre und spielte den herrlichen „Marcia alla francese“ als Zugabe. Der jubelnde Beifall und das außerordentlich gut gefüllte Haus wurden schließlich mit der vorbereiteten Zugabe quittiert.

Das Andante aus der „Linzer Sinfonie“ war der richtige Abschluss, denn er hatte wieder die volle Orchesterbesetzung und malte ein ergreifendes Tongemälde.

 

War Mozart leichte Kost? Nur vordergründig. Was für den Hörer so munter dahersprudelte, kam aus tieferen Schichten. Die Interpreten waren voll gefordert, damit sie das „klare Wasser“ nicht trübten. Der Oberkircher Mozartabend bereitete ungetrübte Freude.

 

Kurt Bayer

 

Acher- und Bühler Bote, 24./25./26. 12.02
    „Collegium musicum“ bot anspruchsvollen Abend

Weihnachtskonzert in der ausverkauften Erwin-Braun-Halle/ Thomas Strauß als „Stargast“

 

Rituale müssen sein. Besonders zu Weihnachten. Und so erklang traditionsgemäß als Zugabe ein Ausschnitt aus Arcangelo Corelli’s Concerto grosso Nr. 8 g-Moll mit der berühmten Pastorale zum Abschluss des begeistert vom Publikum aufgenommenen Weihnachtskonzertes des Orchestervereins „collegium musicum“ Oberkirch.

In der restlos ausverkauften Erwin-Braun-Halle musizierten unter der Leitung von Jochen W. Lemme die Solisten Thomas Strauß (Klavier) und Florian Hasel (Oboe d’amore). Auf dem Programm standen die Ballettsuite „Dardanus“ von Jean Philippe Rameau, das Solokonzert von Johann Sebastian Bach und die Sinfonie Nr. 88, G-Dur des Großmeisters der Wiener Klassik, Joseph Haydn.

 

Dabei erwies sich das seit 1997 vom Acherner Kulturbeauftragten Jochen Lemme geleitete „collegium musicum“ als souveräner höchst motiviert aufspielender Klangkörper, der die nicht geringen, ehrgeizigen musikalischen Aufgaben mit Hingabe, Begeisterung und beträchtlichem musikalischen Können meisterte. Das seit 1921 bestehende Traditionsorchester vereint Musiker unterschiedlicher Generation, wobei die große Anzahl junger, durch die Musikschulen bestens ausgebildeter Instrumentalisten auffällt. 

 

Das von Jochen Lemme künstlerisch geleitete Oberkircher „collegium musicum“ mit Konzertmeister Michael Klett „verstärkt“ sich namentlich in den Holzbläsern mit Profimusikern. Das kommt erweiterten Möglichkeiten der Repertoiregestaltung und der Pflege der orchestralen Spielkultur entgegen. So war das erfreuliche künstlerische Gelingen des anspruchsvollen Weihnachtskonzertes nicht nur für die Zuhörer ein musikalischer Genuss. Auch Solisten, Orchester und Dirigent erhielten in Form von herzlichem Beifall eines zufriedenen Publikums den Lohn für Wochen und Monate angestrengter, mühevoller Probenarbeit. 

 

Begeisterung vermag Dirigent Jochen Lemme auch im Konzert weitgehend auf seine Musiker zu übertragen. Diese folgen ihm bereitwillig bei der klanglichen Umsetzung seines akzentuierten, dabei die Möglichkeiten eines – wenn auch sehr guten – Amateurorchesters berücksichtigenden , Gestaltungswillens. Besonders eindrücklich gelang die Ausformung musikalischer Bögen bei der inspirierten und frisch zupackenden Interpretation barocker Klangpracht und kontrapunktischer Finessen bei Rameau und Bach. 

 

Bei der Durchdringung der Haydn-Partitur zeigten sich jedoch trotz vieler „schöner Stellen“ namentlich im zweiten Largo und im furiosen Finale deutliche rhythmische Reserven und klangliche Grenzen der orchestralen Möglichkeiten.

Als besonderer Glücksfall in einem insgesamt erfreulich gelungenen Konzert darf die Verpflichtung des Ortenauer Bachspezialisten Thomas Strauß (Klavier) und dem SWR-Solo-Englischhornisten Florian Hasel gelten, die ihre anspruchsvollen Solistenparts mit technischer Bravour, musikantischem Einfühlungsvermögen und mitreißend phrasiertem Klangsinn erfüllten.

 

Thomas Lubkowski