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Beethovens Neunte erspielte Gewinn
Collegium musicum spendet 2.000 Euro aus Jubiläumskonzerten an Förderverein für krebskranke Kinder
Mit einem großen Konzert feierte das collegium musicum
Oberkirch Ende Juli in der Nußbacher Kirche St. Sebastian sein
90-jähriges Jubiläum. Der bei der Veranstaltung erzielte Gewinn in Höhe
von 2.000 Euro kommt dem Förderverein für krebskranke Kinder zugute.

Oberkirch-Nußbach. Zum 90. Bestehen des collegium musicum Beethovens neunte Sinfonie zu spielen, das war ein großer Wunsch, den Jochen W. Lemme hegte. Der Leiter des Orchesters scheute keine Mühe, um den Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen. Es sollte ein großes, wenn nicht gar einmaliges Klangerlebnis werden, das in dieser Weise Seltenheitscharakter hat. Das Projekt gelang: 139 Musiker folgten dem Ruf des collegium musicum und verwandelten die Nußbacher Kirche St. Sebastian an zwei Abenden in einen Konzertsaal.
»Zum ersten Mal in 14 Jahren war ich zu hundert Prozent von der
Leistung des Orchesters überzeugt«, sagte der sichtlich zufriedene
Leiter des Orchesters nun anlässlich der Spendenübergabe an den
Förderverein für krebskranke Kinder. Von Beginn des Projekts sei geplant
gewesen, den Erlös aus der Veranstaltung an den Förderverein zu spenden
– vorausgesetzt, die Gewinnzone werde überhaupt erreicht, betonte
Winfried Blümel, Vorsitzender des Orchestervereins collegium musicum.
Musiker bezahlen
Das Unterfangen, wenigstens
die Ausgaben für die Konzerte zu decken, stellte sich als gar nicht so
leicht dar: Das collegium musicum ist als reines Streichorchester
aufgestellt. »Kosten im mittleren fünfstelligen Bereich« seien
angefallen, um die weiteren, für das Spielen von Beethovens Neunter
erforderlichen Musiker, zu engagieren, betonte Blümel vorsichtig. Der
Großteil des Geldes sei für die Honorare der Musiker fällig gewesen, die
engagiert werden mussten, um »eine der schwierigsten Partien zu singen,
die es gibt«, wie Lemme hervorhob.
Drei Proben waren notwendig, um den Solisten und Musikern
Sicherheit für die Konzertauftritte zu geben. »Die Chance, Beethovens
Neunte zu singen, bekommt man als Sänger vielleicht ein bis zwei Mal im
Leben, verdeutlichte Lemme die Herausforderung des Projekts. Allen an
der Organisation der Konzerte Beteiligten sei deshalb bis zuletzt die
Unsicherheit ins Gesicht geschrieben gewesen, ob die Konzertabende
tatsächlich auch hinsichtlich der Besucherzahlen ein Erfolg werden
würden, blickte Lemme zurück.
Die lange Schlange vor der Abendkasse machte dann jedoch die
Bedenken aufgrund des eher schleppend angelaufenenVorverkaufs
zunichte. »Es war eine gute Quote«, freute sich Blümel über den letzten
Endes mit 1100 von 1200 möglichen Gästen gefüllten Kirchenraum.
Nicht profitorientiert
Rund 2.000 Euro Gewinn
erwirtschaftete das collegium musicum letztendlich durch die Konzerte.
Der Verein als solcher sei jedoch kein profitorientiertes Unternehmen,
stellte Blümel fest und überreichte die Summe an Bernd Rendler, den
stellvertretenden Vorsitzenden des Kuratoriums. Neben dem musikalischen
Genuss habe das Konzert vor allem auch Gelegenheit gegeben, den Menschen
das Anliegen des Fördervereins näherzubringen, sagte Rendler.
Autor: Simon Allgeier
Ein geglückter Hochseilakt
Zum 90. Geburtstag bewältigt der Orchesterverein Oberkirch unter Jochen Lemme Beethovens 9.
OBERKIRCH-NUSSBACH. "Seid umschlungen, Millionen! Diesen Kuss der ganzen Welt . . . ", dichtete Friedrich Schiller in seiner Ode an die Freude – und die hat bekanntlich Beethoven für den Finalsatz seiner "Neunten" vertont. Am Wochenende bot der Orchesterverein Oberkirch anlässlich seines 90. Geburtstags in der Kirche des Oberkircher Ortsteils Nussbach diese Neunte dar – und das war mehr als beachtlich. Die Premiere war getragen von leidenschaftlichem Engagement, das in der oben zitierten Zeile ganz und gar treffend ausgedrückt ist.
Natürlich ist die "Ode an die Freude" ein Höhepunkt des Werks. Das
jubelnde "Freude, schöner Götterfunken" klang so euphorisch, wie es sein
muss, die Stimmen funkelten geradezu durch den Kirchenraum. Es war
dieses Funkeln, diese Euphorie, die alle in der Seele hadernden Zweifel
hinwegfegte und der Skepsis, dem Missmut keine Chance ließen: "Seid
umschlungen, Millionen, diesen Kuss der ganzen Welt …" Ein Empfinden,
das den Zuhören packte, davontrug.
Zunächst küssen nur die Männer, spricht die Tenöre und Bässe. Da klingt
es noch nach Loge, Zirkel, Freimaurerei, mit viel würdigem Ernst in der
Begeisterung. Das hat Beethoven so komponiert und so gewollt. Dann
wiederholen die Frauenstimmen die Passage – und nun entsteht
Herzenswärme, wird die Welt umarmt, Brüderlichkeit/Schwesterlichkeit
ganz ohne männlich-steifen Überbau gefeiert: Wir sind alle Kinder eines
Schöpfers . . .
Beweis, dass ein derartiges Werk auch auf regionaler Ebene machbar ist
Der Finalsatz beginnt mit einer Rückblende, aus einer wilden
Orchestereinleitung, einer Art musikalische Ursuppe, greift Beethoven
wie in Zeitlupe Elemente aus den ersten drei Sätzen auf: das
irrlichternde "Ta ta" der Streicher vom Beginn des ersten Satzes, das
fröhlich trippelnde, triolenartige Motiv aus Satz zwei, eine schmelzende
Melodie aus dem Andante – Schlaglichter, eingebettet in tiefe
Streicher. Dann entsteht ganz unvermittelt in den Holzbläsern erstmals
klar jene Melodie, die wir heute fast alle kennen: "Freude, schöner
Götterfunken . . . " Zu diesem Zeitpunkt war schon längst klar, dass es
eine großartige Aufführung ist.
Bereits der ahnungsvolle Beginn, das aus den Streichern aufsteigende
Irrlicht-Motiv über einem Sinuston der Holzbläser, das ruckzuck
überlagert wird von dramatischen Eruptionen – das war packend. Das
Orchester immer zwischen Wucht und Dezenz, Kraft und Geschmeidigkeit.
Dirigent Jochen Lemme strukturiert viel über die Dynamik, setzt die
Lautstärke mitunter harsch zurück und verlangt ebenso kräftige
Crescendi, also das Anschwellen der Lautstärke. Er lenkt damit das
Hören. Hier muss das Publikum die Ohren spitzen, Feinheiten erlauschen.
Dort lässt Lemme seinen Musikern die Zügel schießen, ballt im Tutti
Orchesterkraft zusammen. Die Klangfarben sind sauber gearbeitet, nichts
verwischt: Hier Fagotte und Bratschen, dort Klarinetten und Hörner. Ja,
das klingt! Das Orchester ist gut besetzt, die Streicher kompakt,
beweglich, mit feinem Strich in den leisen Passagen. Holzbläser und
Blech sind tadellos, belegen gerade in den leiseren Passagen ihre
Qualität. Insbesondere die Hörner sind hier ja einige Male gefordert.
Mit rund 150 Mitwirkenden – 71 Instrumentalisten, 69 Choristen, vier
Solisten plus Dirigent Jochen Lemme und der Oberkircher Tenor Peter
Erdrich, der den Chor einstudiert hat– ist das Projekt gewaltig. Dem
Ensemble gilt großes Lob für eine gelungene Aufführung. Lemme und der
Orchesterverein Oberkirch beweisen, dass ein derart großes Werk auch auf
regionaler Ebene realisierbar ist, ohne künstlerische Abstriche.
Autor: Robert Ullmann
Neunte Sinfonie von Beethoven in der Nußbacher Kirche St. Sebastian
Oberkirch-Nußbach. Große Musik, dargeboten mit Können und mitreißender Leidenschaft, erklang zum 90jährigen Jubiläum des collegium musicum Oberkirch. Prof. Jochen W. Lemme, Leiter des Orchesters, hat das Projekt „ Zum 90. Beethovens 9. Sinfonie“ angestoßen, strategisch erfolgreich geplant und musikalisch in vollendeter Weise verwirklicht. In Peter Erdrich hat er einen hervorragenden Stimmpädagogen und Chorleiter gefunden, der den Projektchor in Topform gebracht hat, sodass ein kraftvoll strahlender Chorklang die kontrastreich agierende sinfonische Instrumentalmusik überhöhen und zu einem gewaltigen Schlusspunkt führen konnte. Das Konzert war in der tausendjährigen Geschichte der Nußbacher Kirche „St. Sebastian“ ein kultureller Höhepunkt, denn in der 9. Sinfonie atmet packend der europäische christliche Geist. Auf der Grundlage von Schillers „Ode an die Freude“ kündet er visionär von Freiheit und Brüderlichkeit, von den Grundlagen echter Menschlichkeit, die Freude aller Wesen „an den Brüsten der Natur“ lasse auf einen himmlischen Vater „droben überm Sternenzelt“ schließen. Das Publikum ahnte die besondere Qualität des Ereignisses, der große schmucke Kirchenraum war zweimal fast bis auf den letzten Platz gefüllt.
Das Konzert begann mit einer Einführung in das Werk aus der Sicht heutiger junger Menschen. Anna Münchenberg erarbeitete mit Schülern aus dem Abiturjahrgang 2011 des Hans-Furler-Gymnasiums Oberkirch eine beeindruckende, in Rollen aufgeteilte Auseinandersetzung mit dem Werk. Mit Verwunderung stellten die Schülerinnen und Schüler fest, dass Beethoven, dessen Gehör immer mehr nachließ, den Kontakt zur Außenwelt erschwerte und schließlich ganz verstummte, die Vision von Menschlichkeit und Lebensfreude so gefühlsstark darstellen konnte, dass seine 9. Sinfonie weltweit bekannt ist und zu allen Zeiten die Menschen bewegt hat. Die „Benutzung“ dieser Musik im Dritten Reich und in Japan zum Ansporn für die Kamikadze-Kämpfer zeigt, wie gute Emotionen in negative Energie umgewandelt werden können. Heute strahlt die Sinfonie in überwältigender Weise positive Signale aus. Sie wurde gespielt in Berlin beim Fall der Mauer und beim Fest der Wiedervereinigung, und der Schlussteil der Sinfonie ist seit 1972 Hymne der Europäischen Union. Jetzt erklang sie zum 90. Geburtstag des collegium musicum.
Beethovens 9. Sinfonie ist kein voluminöses Werk, das publikumswirksam viel Aufwand benötigt und einen Effekt an den anderen reiht. Beethovens 9. Sinfonie ist ein widerborstiges Oeuvre. Es beschwört die Geheimnisse des Lebens, das, was im Verborgenen webt und wirkt, das, was wir selbsternannten Macher nicht im Griff haben. Die Glücksmomente sind zunächst rar und die Wege führen in bzw. über tiefe Abgründe. Die Partitur stellte hohe technische und musikalische Anforderungen. Es galt wirre Motiv- und Themenverarbeitungen zu bändigen und auf Linie zu halten. Jochen Lemme gestaltete mit seinem exzellent vorbereiteten Orchester einen spannenden und glänzenden musikalischen Parcours.
Der 1. Satz begann ganz geheimnisvoll und entwickelte sich zu rasch zu einem dynamischen Klangfarbenspiel, in dem die Motive raschen Wandlungen unterworfen waren und in dem angenehme und harte Wirklichkeiten aufeinanderprallten. Am schroffsten waren die Turbulenzen im 2. Satz. Hier sah der Mensch sich als Getriebener aufgewühlt und unbehaust auf der Kampfbühne des Lebens stehen. Die sticheligen Fugatos, die Paukenschläge, die schrille Klangharmonik schufen ein Sinnbild des Chaos. Dagegen gab es auch die Kräfte des Aufbäumens, den Willen zum Durchstehen, ja sogar den Willen zum Siegen. Erst im dritten Satz wurde der Wunsch nach Ruhe und menschlicher Wärme erhört. Das Herz weitete sich, in wunderbar befreiendem Fluss bewegten die Töne sich in einem pluralen Organismus aus Eigenheiten, Gefühlswallungen und verschlungenen Wegen.
Der 4. Satz fasste zusammen und hob an, die Botschaft von Lebensfreude, Freiheit und Humanität zu formulieren und auszumalen, die wesentlich den Ruhm dieser Sinfonie ausmacht. Welch eine Erlösung, als das Bassregister zum ersten Mal die Melodie „Freude schöner Götterfunke“ anstimmte! Und nun baute sich eine ungeheueres musikalisches Fest mit Tiefenankerung auf.
Das Solistenquartett Anna-Lena Denk, Sopran, Sarah Alexandra Hudarew, Alt. Sebastian Haake, Tenor, Albrecht von Stackelberg, Bariton, verfügten über Stimmumfang, Schönheit und Kraft, die Freudenfeier mit harmonischem vokalem Glanz zu zieren. Der Projektchor hatte brillante Höhe und strahlte Sicherheit und Begeisterung aus. Orchester und Vokalstimmen vereinigten sich zu einem gewaltigen Klangkörper, der strukturiert blieb. Der Chor war im Orchesterklang immer klar präsent und die Solisten hatten den Raum für ihre ausschweifenden Koloraturen. Die Wucht der Musik traf bis ins Mark.
Zum Schluss darf nicht unerwähnt bleiben, dass das Konzert zum 90jährigen Bestehen des collegium musicum Oberkirch nicht nur eine sehr bedeutende Meisterleistung, sondern auch eine hervorragende Gemeinschaftsarbeit war. Das Orchester hatte 71 Plätze besetzt: 49 Streicher, 10 Holzbläser, 9 Blechbläser und 3 Schlagzeuger. Der Chor bestand aus 68 Sängerinnen und Sängern. Die gute Zusammenarbeit von Jochen Lemme und Peter Erdrich trug eine reiche Ernte ein. Aber auch Nußbach wusste, welch bedeutendes Konzert in der Kirche veranstaltet wird. Pfarrer Fehrenbach genehmigte die Veranstaltung, das Pfarrsekretariat und die Mesnerin stellten umfangreich ihre Dienste zur Verfügung. Kirchenchor, MGV und Privatpersonen transportierten Stühle und Bühnenelemente. Der Musikverein bewirtete vor der Kirche und die Feuerwehr stellte Parklotsen. Auch die Gesamtorganisation war eine Meisterleistung, dem Orchesterverein Oberkirch kann zur Geburtstagskonzert aufs herzlichste gratuliert werden.
Autor: Kurt Bayer, Photo: Roman Vallendor
Projektchor hat fleißig gearbeitet / 90 Jahre collegium musicum mit Beethovens "Neunter"
Der Endspurt hat begonnen: Der Oberkircher Orchesterverein "collegium musicum" und der Projektchor absolvieren die letzten Proben für Beethovens 9. Sinfonie.
Oberkirch. Zum 90. Geburtstag beschenkt der Orchesterverein »collegium musicum«
Oberkirch unter Leitung von Dirigent Jochen Lemme sich und sein Publikum
mit einem außergewöhnlichen Konzert: Am Samstag, 23. Juli, 20 Uhr,
und am Sonntag, 24. Juli, 19 Uhr, erklingt in der katholischen Kirche St
Sebastian in Oberkirch-Nussbach Beethovens berühmte 9. Sinfonie.
»Das Stück erfordert den ganzen Einsatz«, berichtet Chorleiter Peter
Erdrich, der den Projektchor für den großen Auftritt vorbereitet hat.
100 Sängerinnen und Sänger waren seine Traumvorstellung, 70 sind es
schließlich geworden. Seit Anfang Juni bereiten sie sich intensiv auf
den 15-minütigen Schluss-chor »Freude, schöner Götterfunken« im vierten
Satz der Sinfonie vor.
Diese relativ kurze Einarbeitungszeit war jedoch nur möglich, weil die
Sänger gewissenhaft ihre Hausaufgaben erledigten, sagt Erdrich. Der
Projektchor besteht nicht nur aus erfahrenen Mitgliedern von Chören und
Gesangvereinen. Es haben sich auch Talente gemeldet, die nicht
regelmäßig singen, aber ein Faible für klassische Musik haben, freut
sich der Chorleiter. Es wirken Gesangsstudenten aus Karlsruhe sowie
Mitglieder des Freiburger Kammerchors mit. Mit von der Partie ist
außerdem der Operntenor Christian Wunsch, der unter anderem im
professionellen Schweizer Kammerchor mitsingt.
Die letzten beiden Proben absolvierte der Projektchor bereits zusammen
mit dem Orchester. »Es nimmt Formen an«, stellt Peter Erdrich, der im
Tenor mitsingt, zufrieden fest. Die Vorbereitungen auf das musikalische
Großereignis im Renchtal bedeuten für die Mitwirkenden nicht nur viel
Arbeit, sondern auch Freude und Befriedigung.
Autor: Gertrud Schley
Frühjahrskonzert wie Leben in Fülle - Guido Heinke, Freiburg, spielte Mozarts bedeutendstes Salzburger Klavierkonzert.
Oberkirch. Das Frühjahrskonzert des Orchestervereins Oberkirch holte die Fülle des sprießenden Lebens in die Sinne der zahlreichen Konzertbesucher. Es war ein hervorragender Start in das 90. Jubiläumsjahr des collegium musicum und die neue städtische Abonnementreihe: Wolfgang Amadeus Mozart war ein Garant dafür, dass die Vielschichtigkeit menschlicher Empfindungen meisterhafte klangbildliche Entsprechungen fand. Eine nuancenreiche Interpretationskunst des Orchesters und der Solisten führte unter der Leitung von Prof. Joachim Lemme zu großem Feingefühl für die in der Musik differenziert fließenden Seelenströmungen.
Das Divertimento F-Dur KV 138 strahlte vom ersten Ton an wie die aufgehende Sonne. Tänzelnde Leichtigkeit und das launige Spiel mit dem Effekt zogen im Allegro wie unverbrauchte Frische in die Glieder. Und dann der Stimmungswandel: Das Andante schritt mit ausladender Ruhe und Ernst dahin, mit langem Atem die beschauliche Seite des Lebens betastend. Im dritten Satz, im Rondo, brach dann wieder die ausgelassene Lebensfreude hervor mit hüpfenden Motiven, spritzigen Fugatos und köstlichem orchestralem Zupfkonzert. Die frühlingshaft sprudelnden Lebensquellen hätten nicht ursprünglicher dargestellt werden können.
Es folgte das Klavierkonzert Nr. 9, Es-Dur, KV 271. Der zwanzigjährige Mozart hat hier 1777 in verblüffender Reife sprühendes Leben in Fülle und das geheimnisvolle innere Weben der Lebensfäden dargestellt. Der Solist Guido Heinkes vermochte die Spannungsbögen zwischen den konträren Empfindungsfacetten wie zum Anfassen zu gestalten. Die perlenden Läufe unbekümmert sprudelnder Energie verformten sich in die Kraft innerer Versunkenheit. Leichtfertiger Übermut wandelte sich zu Bestimmtheit und klarer Gliederung. Während der 1. Satz vorwiegend das jugendlich brausende Leben versinnbildlichte, türmten sich im Andantino in aufwühlender Weise dunkle Schatten. Sie hatten allerdings nichts Bedrohliches, eher etwas Zerbrechliches an sich, dem unser Leben verhaftet bleibt. Um so unmittelbarer setzte das ungestüme Rondo ein. Das Klavier perlte, die Tempi heizten an, trotzdem blieb der wohltuende Duft eines sehr freien, ungezwungenen Spiels. Guido Heinke interpretierte das umfangreiche Werk auswendig. Er hatte den klaren Überblick, der ihm eine souveräne Phrasierung, Motiv-Zuordnung und -Gestaltung erlaubte. Er fühlte sich sichtlich wohl im Zusammenspiel mit dem Orchester, das einen dynamischen Dialog mit ihm führte. Das letzte und bedeutendste der Salzburger Solokonzerte entfaltete so seinen Gedankenreichtum und seine Klangfarben aufs beste.
Auch die „Serenata Notturna D-Dur, KV 239, setzte den künstlerischen und Stimmungs-Höhenflug fort. Wieder verband sich musikalischer Spaß mit höchster Artistik. Das orchestereigene Quartett, das den zweiten Orchesterpart übernommen hatte, glänzte mit Virtuosität und Spielfreude. Die heitere Leichtigkeit, mit der Solisten und Orchester musizierten und die die Tücken der Spieltechnik völlig verdeckte, verbreitete uneingeschränkt Wohlbefinden.
Der letzte Programmpunkt „Ein Musikalischer Spaß“, C-Dur, KV 522 gehörte zu der Art Musik, die eine gewisse Rätselhaftigkeit beinhaltet und dementsprechend auch in ihrer Wirkung spaltet. Es war frappierend, wie sehr Musik, die keine zündenden Einfälle beherbergt, flach und hilflos erscheint. Dass Mozart so etwas „als Spaß“ geschrieben hat, setzte schon in Staunen. Als am Schluss auch noch die Harmonik außer Gefecht gesetzt wurde, hatte die Folge der Peinlichkeiten ihre Konsequenz erreicht. Wenn man allerdings den Humor nicht verlor, hatte man bei der Wiedergabe dieser „Sondernummer“ im Mozartschen Oeuvre doch Beobachtungen, die einen schmunzeln ließen. Es hatte etwas heiter Komisches an sich, dass, so sehr sich die Musikerinnen und Musiker auch abmühten, alle Anstrengungen vergebens waren, es stellte sich kein ergreifendes Musikerlebnis ein. Eine Erfahrung, die Prof. Jochen Lemme sicherlich provozieren wollte.
Autor: Kurt Bayer
Frühjahrskonzert des Orchestervereins collegium musicum
Der Orchesterverein collegium musicum Oberkirch e.V. eröffnet im Rahmen der städtischen Abonnementreihe den musikalischen Frühling am Samstag, 16. April um 20:00 Uhr in der Erwin-Braun-Halle in Oberkirch. Das Konzertpublikum erwartet ein leichtes, fröhliches Konzert, geprägt auch durch den Schwung der vielen jugendlichen Mitspieler, die durch die Musikpädagogen der Musik- und Kunstschule Achern/Oberkirch hervorragend ausgebildet und an das Orchester herangeführt werden.
Der Stamm der Mitspieler kommt aus einem großen Einzugsbereich zwischen Baden-Baden und Lahr und von Kehl bis ins Kinzigtal. Sie bilden das Rückrat des Orchesters. Die jüngste Spielerin ist 15 Jahre jung, die Älteste 81 Jahre. So musizieren in dem Laienorchester insgesamt drei Generationen Gleichgesinnter harmonisch miteinander.
Die Wurzeln dieses Orchesters reichen weit zurück bis ins Jahr 1921. Damals gründeten begeisterte Musiker einen der traditionsreichsten Vereine Oberkirchs. Das collegium musicum bereichert bis heute Jahr für Jahr das Kulturleben der Stadt und ist aus dem Musikleben der Stadt und der Region nicht mehr wegzudenken.
Die jüngste Erfolgsgeschichte des Orchesters begann vor 13 Jahren, als Prof. Joachim Lemme die musikalische Leitung des Orchesters übernahm. Zusammen mit den professionellen Lehrern der Musikschule, die als Stimmführer mitwirken, formte er im Laufe der Jahre einen Klangkörper, dessen Repertoire heute bis in die große, spätromantische Literatur reicht. Die positive Entwicklung des Orchesters trägt Früchte: Praktisch jedes der Konzerte ist ausverkauft.
Das Programm des Frühjahrskonzertes ist ausschließlich dem Klassiker Wolfgang Amadeus Mozart gewidmet. Vier Früh- und Spätwerke stehen auf dem Programm. Eröffnet wird es mit der „Salzburger Sinfonie“ F-Dur, KV 138. Es geht weiter mit einem der schönsten Klavierkonzerte, dem Klavierkonzert Nr. 9 F-Dur, KV 271, bekannt unter dem Namen „Jeunehomme-Konzert“. Als Solist konnte Guido Heinke von der Musikhochschule Freiburg gewonnen werden. Dass die Stimmführer des collegium musicum hervorragende solistische Leistungen produzieren, beweisen diese im zweiten Teil des Konzertes. Denn sowohl in der „Serenata Notturna D-Dur, KV 239 als auch und besonders im „Musikalischen Spaß“ KV 522 werden hohe solistische Anforderungen an die Musikerinnen und Musiker des Orchesters gestellt.
Eintritt: 16 Euro auf allen Plätzen (Vorverkauf und Abendkasse)
Vorverkauf: Bürgerbüro Oberkirch, 07802 82-700 und www.ortenaukultur.de
Stadt Oberkirch, Sandra Huber
»Zum 90. geht nur die Neunte« Das »collegium musicum« Oberkirch feiert im Juli sein Jubiläum mit Beethovens Sinfonie und einem Projektchor
02.03.2011 - Oberkirch. »Zum 90. die 9.« – das war die spontane und vielleicht nicht ganz ernst gemeinte Idee von Dirigent Jochen Lemme, als sich der Orchesterverein »collegium musicum« daran machte, seine Jubiläumsfeier zu planen Was als halber Scherz gemeint war, wurde von den Mitgliedern begeistert aufgenommen, sagt Vorstand Winfried Blümel schmunzelnd. »Die Musiker bekamen leuchtende Augen«.
Und nun ist es so weit: Die Planungen sind abgeschlossen, der Ernst beginnt. Denn die »Neunte« braucht einen Chor. Einen Projektchor genauer gesagt, der in der Verantwortung von Chorleiter Peter Erdrich liegt. Eine große Verantwortung, denn bereits am 23. und 24. Juli soll das Werk aufgeführt werden. Bis zum 1. Juni muss der Chor stehen, die »Ode an die Freude« sitzen, damit man dann in die Proben mit dem Orchester einsteigen kann.
Sänger gesucht
»Traumhaft wären 100 Sängerinnen und Sänger«, sagt Erdrich. Die gilt es zu finden. Ein Aufruf im Internet hat bereits einige Interessenten angesprochen, wie Jochen Lemme verrät. Gesucht werden Sängerinnen und Sänger, die über Chorerfahrung verfügen oder über sängerische Erfahrung mit klassischer Musik, die vorzugsweise ein Instrument spielen, also Noten lesen können, so der Oberkircher Sänger, Gesanglehrer und Chorleiter Erdrich.
Erwartet werde, dass sich die Chormitglieder daheim gewissenhaft selbst vorbereiten, um das häusliche Einüben der eigenen Chorstimme zu erleichtern, stehe eine Übe-CD zur Verfügung, verspricht Erdrich. Dieses private Einüben sei das A und O. Immerhin gibt es nur wenig Probezeit, um den 15-minütigen Schlusschor »Freude, schöner Götterfunken« im vierten Satz der Sinfonie zu perfektionieren
...
Aber warum ein Projektchor? Die Chorlandschaft in der Ortenau ist schließlich, wie Lemme, Blümel und Erdrich betonen, sehr ausgeprägt. Die Entscheidung sei bewusst, sagt Lemme. Unter anderem, um möglichst vielen talentierten Sängerinnen und Sängern eine Chance zu geben. Zum anderen hat es auch pragmatische Gründe, so Blümel: »Kein Chor verfügt über so viele Mitglieder, wie wir für dieses Stück brauchen«. Da sei es sinnvoller, gleich einen Projektchor zu formen.
Für den Laien scheint es verwunderlich, dass für einen 15-minütigen Auftritt derartig viel Vorarbeit zu leisten ist. Für die Fachleute allerdings nicht. »Die Schwierigkeit liegt nicht im Notentext. Die Anforderungen an die Stimme sind enorm«, erklärt Erdrich. Immerhin werde in der Originalhöhe gesungen, selbst an die Bässe stelle das große Herausforderungen. Und noch einmal die Laienfragen: Warum muss es dann in der Originalhöhe gesungen werden? »Wie anders kann man es denn singen als im Original? Alles andere wäre eine Schande«, sagt Dirigent Lemme.
Der Grund dafür, dass man das Jubiläum mit Beethovens 9. Sinfonie feiert, hat nicht nur etwas mit dem passenden Liedtext zu tun: »Freude, schöner Götterfunken«. »Es ist die Qualität und die Größe dieses Werkes«, erklärt Lemme. Er wisse sehr wohl, dass es für alle Beteiligten eine sehr, sehr große Herausforderung sein wird. Dass der personelle und finanzielle Aufwand riesig sei. Aber zu einem 90. Geburtstag passe diese Sinfonie einfach. Und schließlich sei sie seines Wissens, so Lemme, in der Ortenau zum letzten Mal 1957 vom Ortenau Orchester Offenburg aufgeführt worden.
autor: jutta hagedorn
Mit feurigem Schwung
Weihnachtskonzert des Orchestervereins Oberkirch
Oberkirch. Das Weihnachtskonzert des collegium musicum in
der Erwin-Braun-Halle war geprägt von Musik für Streicher, nur eine Solo-Oboe
„durfte“ einmal mitkonzertieren und das Cembalo in zwei Werken die Akkordstruktur
unterstreichen. Dennoch waren die musikalischen Aussageweisen sehr vielfältig,
die Klangfarben packend und die dynamische Kraft überzeugend. Auf dem Programm
standen das Konzert für Oboe, Violine, Streicher und Generalbass von J. S. Bach,
das Konzert für Violine und Streichorchester, C-Dur, von Joseph Haydn und die
Serenade für Streichorchester C-Dur op.48 von Peter Tschaikowski, eine glückliche,
expressive Programmauswahl, die Prof. Jochen Lemme, der Leiter des collegium
musicum, getroffen hat und die er mit dem großen Streichorchester bestens zu
gestalten wusste.
So wie J. S. Bach Mittel- und Ausstrahlungspunkt europäischer Weltmusik ist, so war er auch wunderbar Boden und Impuls für das diesjährige Weihnachtskonzert des Orchestervereins. Im Bachkonzert verbanden sich ungeheurer Gefühlsausdruck mit festgefügter Kunstform, einem Abbild der streng geregelten Lebensabläufe. Washington Barella, Oboe, und Michael Klett, Violine, waren ein Solistenpaar, das die hohe Kunst Bachs aufnehmen und weitergeben konnte. Sie musizierten mit Freude, feurigem Schwung und feinfühliger Eleganz. Sie bildeten im Adagio ein Duett, das die weiten Bögen und die zarten Schwingungen bis unter die Haut transportierte. Im dritten Satz sprühte die Artistik wieder auf, der Ton, der Rhythmus die Akzentuierungen, sie steigerten sich zu musikalischer Fülle, die sich auch im Orchesterpart mitteilte. J. S. Bachs Festigkeit, sein überragendes „Kunsthandwerk“ und seine sensitive Intuition stellten sich dar, die Interpretation bewirkte attraktive Spannung im Konzert der barocken Konzertkoordinaten.
Joseph Haydns Musik erzeugte ganz andere Wirkungen. Zwar entdeckte man in seinem Violinkonzert deutlich traditionelle Spuren, aber seine Tonsprache hatte freiere und gemüthaftere Züge. Das Orchester setzte diesen Paradigmenwechsel vom ersten Ton an gekonnt um. Der Sologeiger Jörg Werner vermochte dem Orchester nicht nur gegenüberzutreten, sondern auch seiner Stimme die Leichtigkeit zu geben, die diesem Konzert charakteristischen Glanz gab. Im Adagio entwickelte sein Ton eine besondere Wärme. Seine Kantilenen schienen über den Orchesterklängen zu schweben, und beinahe vergessen machen, welche technische Kunstfertigkeit der Part verlangte. Die Kadenzen gaben eindrucksvoll Auskunft über sein meisterhaftes Spiel und es galt in den schnellen Sätzen knifflige Passagen zu bewältigen. Zusammen mit dem Orchester entstand eine sehr frohe, begeisternde Wiedergabe des Haydn – Konzertes. Den freigiebigen großen Beifall belohnte Jörg Werner mit einer wunderbaren Zugabe. Er spielte zusammen mit einem Streichquartett die Sicilienne von Maria Theresia von Paradis.
Bei diesen beiden Instrumentalkonzerten im 1. Teil des Programms zeigte sich auch, dass das collegium musicum über hervorragende eigene Solisten verfügt. Jörg Werner, Violin- und Viola-Lehrer an der Kunst- und Musikschule Achern-Oberkirch, ist seit 2002 Konzertmeister des Oberkircher Orchestervereins. Michael Klett gehört dem Orchester seit den 70er Jahren an, er hat ihm viele wertvolle Impulse gegeben und ist bis heute eine tragende Persönlichkeit.
Die Tschaikowski-Serenade, teils festlich, teils abgründig brodelnd, führte in eine doppelte Sicht des Lebens, in eine öffentliche Festlichkeit und in den individuellen Irrgarten der menschlichen Seele. Dem Orchester bot sie in hervorragender Weise die Möglichkeit, seine ihm innewohnende Klanglichkeit auszuloten und voll zum Klingen zu bringen. Schon im 1. Satz traf feierliche Ruhe auf Sehnsucht und subversive Hartnäckigkeit. Im 2. Satz entfaltete der berühmte Walser seine ansteckende Romantik. Im Larghetto elegiaco wechselten elegische, ergreifende Akkordfolgen mit traumverlorener Walzerseligkeit in ständigem Auf und Ab. Und im Schlusssatz nahmen die Gegensätze, die trotzig pochenden Motive, die Schwellungen und Steigerungen enorm zu. Jochen Lemme musizierte mit seinem Orchester dieses tiefgründige Werk mit Zartgefühl und mit vehementer Klanggröße. Es entstanden ergreifende und aufwühlende Klangbilder. So war die Zugabe passend, zwei Sätze aus dem Weihnachtskonzert von Arcangelo Corelli, die beruhigend auf den Heimweg mitgegeben wurden.
Autor: Kurt Bayer, Photo: Roman Vallendor
Großartige Musik und Kabaretteinlagen
Lemme wechselte seine Profile beim Serenadenkonzert
Dank kabarettistischer Einlagen gab es neben wirkungsvoller Musik auch viel zum Lachen
Unter dem Motto „Die goldenen 20er-Jahre“ präsentierte der Orchesterverein collegium musicum Oberkirch, verstärkt durch E-Piano und Akkordeon, unter seinem Dirigenten Professor Joachim W. Lemme sein diesjähriges Serenadenkonzert im Gaisbacher Schloss. Wie im Vorjahr trug es auch dieses Mal wieder einen ganz besonderen Charakter. Denn es gab kein gedrucktes Programm, so dass die zahlreichen Zuhörer auf die Moderation von Lemme selbst angewiesen waren. Es hatten auf diese Weise auch Analphabeten die Chance zu wissen, was präsentiert wird.
Trotz des Handicaps seines linken Unterarms und eines Fingers, die er sich beim Bratschen-Spiel zu gezogen hatte (Absturz aus der „dritten“ Lage?) entnahm er den Dirigentenstab aus dem Verband und initiierte R. Benatzkys „Im weißen Rössl am Wolfgangsee“ als „Einstiegsdroge“. Allerdings begab er sich gleich zu den Zuhörern, um den Klängen seiner Instrumentalisten zu lauschen. Aber diese waren nicht nur „gehandikapt“ durch die Verletzung ihres Chefs, sondern auch durch die Windverhältnisse, die das Notenmaterial schon etwas durcheinander wirbelten. Wäscheklammern en masse waren angesagt. Ungeachtet dessen gab es eine schöne Realisierung.
Dann erfreute man sich unter der humorvoll-souveränen Leitung von Lemme am „Reigen“ von O. Straus und der „Tango-Revue“ von Woitschach als Abschluss des „offiziellen“ Programms, das aber durch acht folgende Zugaben gewürzt wurde. Wo erlebt man schon so viele Zugaben?
Wunderschöne Interpretationen von „Pizzicato“ (L. Delibes) und „Schöne Melodien“ von G. Winkler erfreuten dank feinsinniger Tonbildung und rhythmisch präziser Gestaltung. Das Publikum wurde immer wieder involviert.
Die zitierten Werturteile über Laien- und Berufsmusiker, im Salonorchester spielen beide mit, waren irgendwie sehr treffend! Kritik an Komponisten: Viele bringen das, was sowieso zuvor von anderen schon gespielt wurde, als ihr „Paradewerk“ . Schlagersänger hängen von der Elektrotechnik ab…, manche erreichen ihren Höhepunkt erst im hohen Alter… und kurz vor Schluss eine Bemerkung zur Presse mit einer nicht so ernst gemeinten Unterstellung, sie habe wohl kein besonderes Werturteil für Salonmusik übrig, mit anderen Worten, es gibt anspruchsvollere Literatur.
Hier knüpfe ich nochmals an mit der Musik, die geboten wurde, um das Presseurteil zu relativieren.
Denn auch die folgenden „Zugaben“ waren trotz genannter widriger Umstände ausgezeichnet und trafen voll den Geschmack des Publikums. So erwies sich Jörg Werner beim „Liebesgruß“ von Edward Elgar als versierter und feinsinniger Solist auf der Violine. Brühnes „Von der Puszta will ich träumen“ leitete zum begeistert aufgenommenen „Wiener Liederpotpourri“ über. Dann zauberte Michael Klett beim Czardas“ von Vittorio Monti auf seiner Violine. Vivacisssimo in Perfektion bei hervorragender Tonbildung. Entsprechend begeisterter Beifall!
Mit dem „Radetzky Marsch“ von
Johann Strauß aktivierte man noch einmal so richtig das Publikum, welches
kräftig mitzog. „Sag zum Abschied“ von Peter Kreuder rundete ein wunderbares,
sehr niveauvolles „Serenadenkonzert“ ab. Lemme, der ohnehin als souveräner
Dirigent bekannt ist, dürfte auch als
ironisch-humorvoller Kabarettist ein hervorragende Figur abgeben. Das Konzert
ist in seiner Konstellation ein großer Wurf!
Gunter Thiel
Oberkirch ist Symphonie-Stadt geworden
Collegium musicum punktete mit Ur- und Erstaufführung. Jean-Eric Soucy war ein hervorragender Solo-Bratscher.
Das Konzert des collegium musicum in der Erwin-Braun-Halle war eine bewegende Feier erstklassiger Musik. Dirigent Prof. Joachim Lemme hatte ein Programm zusammengestellt, das neugierig machte: Uraufführung der „Oberkircher Sinfonie“ von Vélimir Valtchev, europäische Erstaufführung des Konzertes für Viola, 2 Hörner, Streicher und Basso continuo in Es-Dur von Friedrich Benda (1745 – 1814), die Fantasie für Viola, Streicher und zwei Klarinetten von Johann Nepomuk Hummel (1778 – 1837), das „Siegfried-Idyll“ von Richard Wagner und die Prager Sinfonie von W.A. Mozart. Außerdem stand mit Jean-Eric Soucy ein großartiger Solist auf der Bühne. Er ist Solobratscher des SWR-Orchesters und war Orchester-Kollege von Prof. Joachim Lemme. Die Darbietungen waren kunstvoll gestaltet und mit ansteckender Begeisterung musiziert.
Die „Oberkircher Sinfonie“ von Vélimir Valtchev setzte gleich zu Beginn Sonne ins Gemüt. Im Stil der Wiener Klassik komponiert zeichnete sie sich aus durch freundliche Melodik, beschwingte Rhythmik und klar gegliederte, handwerklich gut gearbeitete Strukturen. Vélimir Valtchev war vor J. Lemme Dirigent des Oberkircher Orchesters. Er kannte daher die Musikbegeisterung und setzte mit der „Oberkircher Sinfonie“ ein liebreizendes, klangvolles Zeichen enger Verbundenheit. Prof. Joachim Lemme merkte mit Schalk an, dass Oberkirch nun eine musikalische Weltstadt sei wie London und Prag, denn schließlich gebe es ja die Londoner Sinfonien von Haydn und die Prager Sinfonie von Mozart.
Sonnig warme Gefühle verströmte auch das Konzert für Viola, 2 Hörner, Streicher und Basso continuo in Es-Dur von Friedrich Benda (1745 – 1814). Jean-Eric Soucy hat es vor drei Jahren im Archiv einer Prager Bibliothek entdeckt. Er hat der Welt ein Werk zurückgegeben, das einen hohen technischen Anspruch hat und in seiner gefälligen Art viel Freude bereitet. Es war für Oberkirch eine Auszeichnung, dass es hier zum ersten Mal auf europäischen Boden erklang. Jean-Eric Soucy, in Kanada geboren, hat die Musik auch überzeugend zum Klingen gebracht. Seine Töne lebten, füllten den Raum ohne klotzig zu sein. Seine Art, die Musik zu gliedern, zu akzentuieren und zu beflügeln teilte sich in angenehmster Weise mit. Die feinfühlige und dennoch kraftvolle Leichtigkeit, mit der Jean-Eric Soucy auf der Bratsche des Offenburger Geigenbauers Stefan Hodapp spielte, bewirkte ein wohltuendes Hören. Dies kam auch der Fantasie für Viola, Streicher und zwei Klarinetten von Johann Nepomuk Hummel (1778 – 1837) zu Gute, die noch vor der Pause folgte. In beiden Musikstücken gestalteten Solist und Orchester in fruchtbarem Miteinander. Das Streichorchester schuf eine korrespondierende Klanggrundlage, die wach und aktiv agierte. Beim Bratschenkonzert streuten 2 Hörner „goldene“ Klänge in die Szenen, bei der Fantasie bildeten lebhafte, schöne Klarinetten einen wirkungsvollen Klangkontrast zur Bratsche.
Nach der Pause machte das Programm einen Besuch in der romantischen Klangwelt Richard Wagners. Das „Siegfried-Idyll“, 1870 im Landhaus Tribschen am Luzerner See entstanden, seiner Frau Cosima zum Geburtstag gewidmet, inszenierte eine komplexes Gefühlsgemenge. Dem collegium musicum gelang es gut, die groß angelegten Musikwellen zu inszenieren, die, gefüllt mit Motiven, die Unendlichkeit des harmonischen Raums und der menschlichen Seele andeuteten.
In gesicherten Gefilden fühlte man sich erst wieder bei Mozarts Prager Sinfonie (Nr. 38) in D-Dur, die das Programm abschloss. Auch in diesem Werk stehen der Ernst des Lebens und Trübungen im Gemütslebens fest im Blickpunkt. Der gravitätische Beginn schlug sofort in seinen Bann. Dur-Moll-Wechsel, Synkopische Rhythmen, kontrapunktische Verdichtungen untermauerten den dramatischen Lebensbezug. Das Orchester interpretierte das Werk gekonnt mit großer Ausdruckskraft, sodass ein hervorragendes Konzert einen grandiosen Abschluss erhielt.
Kurt Bayer
Collegium Musicum erweist sich als Publikumsmagnet: Ausverkauft!
Oberkirch. Es geht immer noch ein wenig besser- getreu diesem Motto wird beim Oberkircher Collegium Musicum offensichtlich an der anstehenden Konzertliteratur gearbeitet. Das wurde beim Weihnachtskonzert in der Erwin-Braun-Halle überaus deutlich. Ein überlegt zusammengestelltes Programm mit Werken von Mozart, Dvorak und Brahms, der hervorragende Solist Matthias Wiemer, Violoncello, und ein bestens vorbereitetes Orchester waren Garant für einen beeindruckenden Konzertabend.
Noch bevor der erste Ton des Abends erklang, erinnerte der Dirigent des Orchesters Prof. Joachim Lemme an den in diesem Jahr verstorbenen langjährigen Solocellisten des Collegium Musicum Werner Klett, dem dieses Konzert gewidmet werden sollte. Zum Auftakt des Abends stand die Ouvertüre zur Oper "La Clemenza di Tito" , KV 621 von Wolfgang Amadeus Mozart auf dem Programm. Obwohl das Werk inhaltlich auf die Oper Bezug nimmt, ist sie doch wie alle anderen Ouvertüren Mozarts nicht nur eine Einführung in die Stimmungen des Operngeschehens, sondern eine eigenständige Komposition, die innerhalb ihrer Geschlossenheit selbständige Gedanken und eigene Thematiken beinhaltet und deshalb auch zurecht isoliert aufgeführt werden kann. Im Grunde klingt das im festlichen C-Dur Gewand daherkommende Werk wie das Kondensat einer Sinfonie. Erstaunlicherweise entstand das Auftragswerk innerhalb von nur 19 Tagen- neben der "Zauberflöte" und dem Requiem. Ein sorgfältig ausgewähltes Werk zum Auftakt, dessen scharfes Anfangstempo die Zuhörer gleich in den Bann des in jedem einzelnen Register mit Topp-Musikern besetzten Orchesters schlug.
Dass der Oberkircher Orchesterverein über ganz hervorragende Solisten verfügt, beweisen die vielen Solo- Auftritte von Musikern aus den eigenen Reihen in vergangenen Konzerten. Matthias Wiemer, seit 2004 Cellist im Orchesterverein collegium musicum stellte dem Oberkircher Publikum mit dem Cello-Konzert h-moll, op.104 von Antonin Dvorak vor. Dieses in Amerika entstandene Werk gehört zu den berühmtesten Cello-Konzerten und ist eines der wichtigsten Stücke im Repertoire für Violoncello.
Matthias Wiemer erwies sich dabei als glänzender Vertreter seiner Zunft- er spielte das dreisätzige Werk komplett auswendig und begeisterte seine Zuhörer mit überragender Virtuosität und großer musikalischer Gestaltungskraft. Bewundernswert war dabei die gute Kommunikation zwischen Solist, Dirigent und Orchester, die letztendlich einen gelungenen Dialog und damit eine beeindruckende Interpretation des anspruchsvollen Werkes garantierte. Ein unbeschriebenes Blatt ist Matthias Wiemer allerdings nicht- er studierte Violoncello an der Musikhochschule Stuttgart und erhielt sein Konzertexamen zum Abschluss seines Aufbaustudiums in Köln. Inzwischen arbeitet er als Ausbilder für Physiotherapie- insgesamt ein Glücksfall für Oberkirch und den Orchesterverein.
Im zweiten Teil des Abends bekamen die Oberkircher Klassik-Liebhaber ein großes Werk der Romantik zu hören. Die zweite Symphonie, op. 73, von Johannes Brahms widerspricht der gängigen Vorstellung Brahms Musik sei die eines ernsten verschlossenen und schwermütigen Komponisten. Das sind zweifellos Merkmale der Werke des großen Komponisten- doch eben diese zweite Symphonie in freundlich hellem D-Dur, die am Wörthersee und in Lichtental bei Baden-Baden entstanden und wohl durch die Schönheit dieser Landschaften inspiriert ist, ging zurecht als Brahmssche "Pastorale" in die Musikgeschichte ein. Was nicht heißt, das das Orchester eine einfache Arbeit zu tun hat- im Gegenteil: die einzelnen Register sind in jedem Satz gefordert. Genußvoll zurücklehnen an diesem Abend konnte sich allenfalls das Publikum, aber keiner der Akteure auf der Bühne. Auf die typisch- romantische Harmonik, schwierige Rhythmen und extreme dynamische Wendungen in kleinsten Zeiträumen verzichtete der Komponist freilich nicht- was die Musiker und den hochkonzentrierten Dirigenten Prof. Joachim Lemme nicht aus der Fassung zu bringen vermochte: Es gelang eine mehr als überzeugende Interpretation des genialen Werkes. Vor allem den 3. Satz mit seiner Vielzahl an einfallsreichen Ideen und virtuos- verspielten Themen spielte das Orchester grandios. Der tadellosen Leistung folgte mit dem langanhaltenden Applaus des Publikums die sichtbare Erschöpfung- die zweite Symphonie hatte dem spielfreudigen Orchester und dem sicher agierenden Dirigenten wirklich alles abverlangt. Die obligatorische Zugabe wurde selbstverständlich ohne Zaudern gerne gewährt.
Klaus Leopold
Lemme kann auch Kabarettist
collegium musicum« setzte ein weiteres Glanzlicht
Ein großes Weihnachtsgeschenk
Collegium musicum unter der Leitung von Joachim Lemme in Oberkirch / Bewunderter Solist
Das Collegium musicum bescherte den Besuchern beim Konzert des Oberkircher Orchestervereins in der Erwin-Braun-Halle auch ohne Weihnachtsmusik im Programm ein großes Weihnachtsgeschenk.
Oberkirch. Dass die Oberkircher Erwin-Braun-Halle bis auf den letzten Platz mit Menschen aller Generationen gefüllt war, zeigt, welch hohe Erwartungen an das Konzert des Orchestervereins Oberkirch geknüpft wurden. Professor Joachim Lemme und das Orchester haben sich mit Fleiß, Können und Musizierfreude großen musikalischen Herausforderungen gestellt. Das Publikum hat mit gespannter Aufmerksamkeit zugehört und mit impulsiver Begeisterung reagiert. Lemme und seinen Musikerinnen und Musikern ist vor Weihnachten ein großartiges Konzert gelungen.
Auf dem Programm standen die Mozart-Sinfonie Nr. 25 g-Moll KV 183, das Adagietto aus der 5. Sinfonie cis-Moll von Gustav Mahler, das Kontrabass-Konzert in fis-Moll von Serge Koussewitzky und dis vierte Sinfonie c-Moll von Franz Schubert. Die Aufzählung der Werke zeigt, wie gegensätzlich die Musikfolge zusammengestellt war. Aber im Laufe des Konzertes zeigte sich, dass jede musikalische »Station« seinen Charakter und seine Schönheit zur Entfaltung brachte.
Der rote Faden des Konzertes lag nicht in der geschichtlichen oder stilistischen Folgerichtigkeit, sondern im Ernst und in der inneren Dramatik, die trotz aller Klangpracht immer wieder zum Durchbruch kam.
Solobass »traktiert«
Eine kleine Ausbuchtung in diesem roten Faden war allerdings das Konzert für Kontrabass und Orchester op. 3 von S. Koussewitzky. Das Spiel auf dem großen Streich- und Zupfinstrument hat meist auch etwas Humorvolles an sich.
So konnte man mit köstlichem Vergnügen dem Solisten Norbert Brenner (Solobassist des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg) zuhören, der mit virtuoser Behändigkeit sein Instrument »traktierte« und ihm dabei herrlich extravagante Musik entlockte.
Trügerische Ruhe
Melancholische Seelenbefindlichkeiten dagegen lagen Mahlers Adagietto aus der fünften Sinfonie cis-Moll zugrunde. Dorothee Neu streute klangvoll ihre Harfentöne wie Tropfen in das Meer des Streicherklangs. Äußerlich passierte nicht viel.
Doch die Ruhe war trügerisch, denn in der Tiefe schlummerten geheimnisvoll seelische Erschütterungen. Diese mit seismographischer Empfindsamkeit in der Musik hörbar gemacht zu haben, war eine große Leistung des Collegium musicum unter der Leitung von Joachim Lemme.
Unübersehbare Seelenverwandschaft bestand zwischen dem Eröffnungsstück, Mozarts Sinfonie Nr. 25, g-Moll, und der Schubert-Sinfonie Nr. 4, c-Moll. Die Musik des 17-jährigen Mozart aus der Salzburger Zeit kommt zwar unkomplizierter und flüssiger daher als die Musik Schuberts, doch ist auch in ihr unüberhörbar der Ernst des Lebens anwesend. Das Sinfonieorchester Oberkirch hat diese Sinfonie mit Schwung, Feingefühl und Eleganz vorgetragen und so schon zu Beginn einen gehaltvollen Akzent gesetzt. Die Schubertsinfonie war auf größere Dramatik angelegt und machte einen größeren Klangapparat erforderlich.
Stimmige Klangfarben
Auch in dieser großen Besetzung zeigte sich die Qualität des Orchesters: die weite, austarierte und kraftvolle Dynamik, die in jeder Lautstärke stimmigen Klangfarben, die mit thematischer und rhythmischer Präsenz gestaltenten Musikbilder. Der 19-jährige Schubert hat in dieser Sinfonie, genannt »die Tragische«, der Tonsprache eine neue Dimension innerer Dramatik erschlossen, das Oberkircher Orchester hat bei der Erarbeitung dieses Werkes seine Ausdrucksfähigkeit in bewundernswerter Weise gesteigert. Joachim Lemme hat dem Oberkircher Publikum keine Weihnachtsmusik beschert, aber den kulturbewussten Bürgern der Region zu Weihnachten ein großes Geschenk gemacht.
Kurt Bayer
Orchester spielte mit Liebe zur Musik
Frühjahrskonzert des collegium musicum in Oberkirch/Cellokonzert mit Anne Heinrich als Solistin
Musikalität auf sehr hohem Niveau und mit Anne Heinrich eine spielfreudige Solistin gab es beim Frühjahrskonzert des collegium musicum in der Erwin-Braun-Halle.
Oberkirch. Johann Sebastian Bach, Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven sind klingende Namen. Klangvoll und beeindruckend war auch das Frühjahrskonzert, das das collegium musicum in der Stadthalle gab. Das Publikum freute sich über die Homogenität der Interpretationen und die Lebendigkeit der Musikauffassungen. Das Programm beleuchtete nicht nur die stilistische Entwicklung von der Barockzeit zur Wiener Klassik, Joachim Lemme hatte auch eine Steigerung während des Konzerts fest vorprogrammiert: die Größe des Orchesters von kleinster, über eine mittlere hin zur großen Sinfonie-Besetzung und die damit verbundene Ausweitung der Klangfülle.
Das Konzert begann mit dem 6. Brandenburgisches Konzert von Johann Sebastian Bach. Es benötigte zur Ausführung nur zwei Violen, zwei Gamben (Violoncelli) und Generalbass: Violoncello, Kontrabass und Cembalo. Diese Musik fesselt schon von der Genialität der Komposition her. Darüber hinaus entwickelten die Musiker ein abgestimmtes Miteinander, so dass der Stafettenlauf der Phrasen nahtlos vonstatten ging. Die Tongebung hatte dynamische Innerlichkeit und strahlte empfindsame Wärme aus.
Das Cellokonzert C-Dur Hob VIIb:1 von Joseph Haydn brachte die Tenorlage der Streichinstrumente zum Schwingen. Anne Heinrich aus Oberkirch war die Solistin. Sie spielte auswendig, technisch und musikalisch souverän und hatte dennoch eine gewinnende natürliche Beziehung zu ihrem Solopart. Im ersten Satz prägten Leichtigkeit und rhythmische Lebendigkeit die melodischen Gestalten, die sich geschwätzig schnell in hellen und dunklen Klangfarben tummelten. Im zweiten Satz kamen die lyrischen Charaktere zur Entfaltung. Es war berührend, wie die Solo-Cello-Töne kraftvoll im Orchesterklang schweben konnten, ohne ihre Innerlichkeit und ihren Schmelz zu verlieren. Im dritten Satz schlug Lemme ein flottes Tempo an. Das machte die Musik spritzig und heiter. Anne Heinrich spielte mit virtuoser Greif- und Bogentechnik und setzte ihrem Spiel noch einen Glanzpunkt hinzu. Das Orchester gab der Solistin die notwendigen Entfaltungsmöglichkeiten.
Die Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 (Eroica) von Ludwig van Beethoven war zweifellos das gewaltigste Werk des Konzertabends. Es stellte die beiden vorangehenden Werke nicht in Schatten, denn auch diese waren je in ihrer Weise Kunstwerke mit substantieller Größe. Aber die Beethoven-Sinfonie übertraf sie an Länge, musikalischer Dramatik und Klangvolumen.
Das Werk ist sehr bekannt und dennoch wird man immer wieder von seiner Originalität mitgerissen. Und es ist eine herausragende Leistung des Orchesters, die Komplexität und die innere Dynamik dieser Musik packend wiedergegeben zu haben. Es war wach für agogische Details und so gewappnet, die im brodelnden Tongemenge sich anbahnenden Entwicklungen und die abrupten Überraschungen zu veranschaulichen.
Den Sonatensatz kennzeichnete die Dramatik des Aufbäumens und des Glättens, die mit Lust gesetzten Dissonanzen und stürmisches Vorwärtsdrängen. Der Marcia funebre bestach durch die Dichte des Klangs, durch ein Legato, das von innen her lebendig und mit einer strengen Rhythmik kombiniert war. Das Scherzo jagte rasend dahin und fand nur in den Jäger- Horn-Signalen des Trios eine kurze Atempause. Im Finale erreichte die Satzdichte ihren Höhepunkt: Themenverknüpfungen, reiches Rankenwerk, Polyphonie. Es zeigte sich, wie genial Beethoven die Sinfonie aus einer Keimzelle heraus entwickelt hat.
Joachim Lemme hat die Komplexität dieser Musik mit dem Orchester hervorragend darstellen können. Man spürte, dass die technische Meisterschaft hoch ist und dass Einzelgruppierungen zugunsten eines Organismus zusammenwachsen. Das Publikum nahm dies dankbar wahr und reagierte mit großer Begeisterung.
Kurt Bayer
Bruckner-Sinfonie hatte Premiere in Oberkirchs „guter Stube“
Sommerserenade im Hof von „Schloß Gaisbach“
Werke dreier großer Komponisten wurden vom Orchesterverein
"Collegium musicum" eindrucksvoll zu Gehör gebracht
Musikalische Qualität macht sich bezahlt: Ausverkauft!
Collegium Musicum besticht mit Mozart, Vivaldi und hochkarätigem Gastchor aus Tschechien:
Oberkirch. Musikalische Qualität macht sich auf lange Sicht bezahlt. Das erfährt derzeit das Collegium Musicum Oberkirch mit seinem Dirigenten Jochen Lemme, das sich einer immer noch wachsenden Anhängerschar erfreut. Die Erwin-Braun-Halle war bis auf den allerletzten Platz besetzt und das Publikum bekam mit den Solisten Jörg Werner, Violine, Sebastian Schindler, Horn und dem Jugendchor Ondrášek aus Tschechien ein Konzert mit durchweg festlicher Grundstimmung geboten.
Den Auftakt zum Weihnachtskonzert machten die Gäste aus Tschechien mit internationalen und heimatlichen Weihnachtsliedern. Der deutsch-tschechische Musikaustausch von Jugendlichen wird durch den deutsch-tschechischen Zukunftsfond in Prag und durch das Goetheinstitut in Bonn gefördert und durch die Musik- und Kunstschule Oberkirch mit ihrem Leiter Hansjörg Stürzel organisiert. Das Musikschul-Orchester wird im kommenden Januar zu einem Gegenbesuch nach Nový Jicín aufbrechen. Vom ersten Ton an machten die jungen Sänger und Sängerinnen deutlich, warum der Chor auch auf internationalen Podien gefragt und mit höchsten Auszeichnungen bedacht ist. Josef Zajícek, der erstklassige Chorleiter dirigierte beim Auftritt in der Erwin-Braun-Halle einen Chor, der durch eine lupenreine Intonation und eine unglaubliche, rhythmische Präzision bestach. Jede Einzelstimme ordnet sich diszipliniert dem außerordentlich homogenen Gesamtklang des Chores unter. Begleitet wurden die SängerInnen von Thomas Neuberth an der Trompete. Der Chor wurde nach dem Lied "Stille Nacht" mit begeistertem Beifall bedacht.
Virtouser Solist
Seit Jochen Lemme beim Collegium Musicum den Takt angibt, erlebt der Oberkircher Orchesterverein einen großen Aufschwung und erfreut sich einer immer größer werdenden Fangemeinde. Dies liegt nicht zuletzt an der unbestrittenen Qualität des Orchesters, das nach wie vor aus dem sehr gut ausgebildeten Nachwuchsreservoir der Musik- und Kunstschule schöpfen kann, sondern auch an den Instrumentalisten die an ihren Pulten eine hervorragende Arbeit verrichten. Einer davon ist der erste Geiger Jörg Werner, der sich an diesem Abend mit Antonio Vivaldis Konzert "Der Winter" aus den berühmten Zyklus "Vier Jahreszeiten" als Solist vorstellte. Vivaldis Konzerte verlangten zur damaligen Zeit einen Geigensolisten, der auf der Höhe der Zeit sein mußte, um den instrumentaltechnischen Anforderungen des Violin-Partes gewachsen zu sein. Dies gilt heute immer noch- und Jörg Werner zeigte sich den Ansprüchen des Werkes gewachsen. Souverän und virtuos meisterte er mit sehr guter Intonation auch die rasantesten Passagen, bei denen man förmlich die kalten Winterwinde am Fenster rütteln zu hören glaubte. Vor allem im zweiten langsamen Satz bestach er zum Pizzicato des Orchesters mit einem schön gestalteten, sanglichen Ton und elastischen Verzierungen.
Nach der Pause gab es ein Wiedersehen mit dem Hornisten Sebastian Schindler, der in Oberkirch aufgewachsen ist und seine musikalische Ausbildung an der Musik- und Kunstschule absolviert hat. Seit 2003 ist er stellvertretender Solohornist der Jenaer Philharmonie. Das Konzert für Horn und Orchester in Es-Dur, KV 447 gilt als das anspruchsvollste der vier Konzerte, die W.A. Mozart, damals inspiriert durch den befreundeten Hornisten Joseph Leutgeb geschrieben hat. Leutgeb galt damals als Pionier seines Instrumentes, so dass Mozart alle Neuentdeckungen, darunter eine neuartige Stopftechnik in seine Werke einbinden konnte. Sebastian Schindler spielte das Werk mit großem Ton, zeigte dabei keinerlei Ansatz-oder technische Schwächen und begeisterte sein Publikum mit seiner lupenreinen Interpretation des dreisätzigen Werkes. Das gut aufgelegte Orchester sorgte dabei für eine adäquate Unterstützung des Solisten, der wie Jörg Werner mit viel Beifall entlohnt wurde. Mit der "Linzer" Sinfonie in C-Dur, KV 425 bewies Mozart ein mal mehr seine Ausnahmestellung. Unter großem Zeitdruck fertigte er in nur vier Tagen eine Sinfonie mit einer glanzvollen, festlichen Aura. Zum ersten Mal nahm er in der Satzfolge, wohl in Anlehnung an Joseph Haydn einen langsamen Satz an den Anfang und verzichtet auch im langsamen Satz nicht auf die Pauken und Trompeten um den Glanz seiner Musik zu unterstreichen. Markant dabei ist auch die Behandlung der Holzbläser, die in vielen Passagen eine anspruchsvolle Arbeit zu verrichten haben. Die forschen, vorwärtsstürmenden Tempi des zweiten und letzten Satzes mit zahlreichen Tremolo-Effekten, die für viele schnellen Sätze im Schaffen Mozarts so charakteristisch sind, stellen ein Orchester vor eine nicht gerade leichte Aufgabe. Nicht immer gelang es dem Collegium Musicum dieses Vorwärtstreiben präzise und klar darzustellen.
Dafür aber überzeugte das Adagio, in dem das Orchester das wunderschöne Thema mit einer dynamisch und differenzierten Interpretation berührend zu gestalten wußte. Das Zahlreiche Publikum bedankte sich bei den Solisten und dem Orchester mit lang anhaltendem Beifall. Der sichtlich gerührte Dirigent Jochen Lemme zeigte sich erstaunt über den großen Zuspruch, den das Orchester derzeit erfährt und bedankte sich bei den Zuhörern mit zwei Zugaben.
Michael Klett bewies sich als herausragender Solist in dem Werk von Johann Christian Bach "Konzert für Viola und Orchester in c-Moll".
Klaus Leopold
Serenadenkonzert
Musik im Schlosspark:
Das Serenadenkonzert des Orchestervereins collegium musicum lockte am Sonntagabend 250 Besucher in den Park des Schlosses Gaisbach und erfüllte die hochgesteckten Erwartungen des Publikums restlos.
Bei angenehmen Temperaturen im Schatten großer Bäume und im Blickfeld der malerischen Schlosskulisse lauschten die Konzertbesucher den feinen Klängen der Streicher. Diese boten unter ihrem Dirigenten, Prof. Joachim W. Lemme, ein eineinhalbstündiges Konzert mit einen bunten Strauß bekannter Melodien von "Bach bis zu den Beatles".
Das musikalische Spektrum erstreckte sich von der Barockzeit über die Klassik bis in die Neuzeit. Lemme selbst würzte das Konzert mit launigen Worten, Weisheiten ber die Musik sowie mit Sprüchen über die Eitelkeit des Dirigenten. Auch durch sein fröhliches Mitpfeifen einer Tangomelodie brachte er das Publikum zum Schmunzeln. Unter den prominenten Zuhörern sah man Oberbürgermeister Matthias Braun mit Gattin Andrea.
Schlossherr Ulrich Freiherr von Schauenburg genoss das Soiree-Konzert vom Fenster des Schlosses aus.
Roman Vallendor
Mozart rahmte großes Konzerterlebnis markant ein
Musik schöpfte Kraft aus der Stille und dem überquellenden Reichtum
der schöpferischen Seele
Launige Serenaden im lauschigen Schloss
»Collegium musicum« ließ alte Tradition wieder aufleben
Oberkirch (kl). Mit einer kurzweiligen und unterhaltsamen Sommerserenade im Garten des Gaisbacher Schlosses knüpfte der Oberkircher Orchesterverein »Collegium musicum« am Sonntagabend erstmals wieder an eine lieb gewordene Tradition an. Bereits 1951-56 gastierte der Orchesterverein regelmäßig im Schlossgarten. Ab diesem Jahr soll die Sommerserenade wieder ins Jahresprogramm aufgenommen werden. Trotz der großen Hitze fanden sich viele Musikfreunde im Schlossgarten ein. Die großen Bäume im Garten spendeten angenehm kühlen Schatten.
Joachim Lemme verzichtete bewusst auf den Druck eines Programms und begründete dies in einer seiner witzigen Moderationen mit einem Gedicht von Eugen Roth über den Musikkenner, der glaubt eine barocke Fuge zu hören, weil er es versehentlich im Programm vom Vorabend liest und sich mit seinen vollmundigen Bemerkungen über das Stück gründlich blamiert. So etwas wolle er den Konzertbesuchern ersparen, so Lemme.
Kleine Besetzung
Aber nicht nur launige Ansagen hatte er für den Abend ausgewählt. Das in kleiner Besetzung angetretene Orchester glänzte zunächst mit dem ersten Satz aus dem ingängigen Mozart-Divertimento in F-Dur. Mit zwei allseits bekannten Hits aus ganz unterschiedlichen Epochen setzte das »Collegium musicum« das Programm fort. Jochen Lemme forderte das Publikum auf, bei Josef Haydns »Andante Cantabile« und beim im Streichergewand eindrucksvoll klingenden Beatles-Hit »Yesterday« mitzusingen. Vorher erklärte er den Zuhörern noch die zwei wichtigsten Regeln für ein Orchester. Regel eins: zusammen anzufangen; Regel zwei: auch zusammen aufzuhören, selbst wenn man als Musiker noch Noten übrig hat. Danach ließ er das Orchester alleine spielen und lehnte sich in der ersten Sitzreihe genüsslich zurück. Virtuose Solistin Im Anschluss gab es allerdings wieder Arbeit für den Dirigenten.
Johann Sebastian Bachs »Air« folgte das Rondo aus dem Konzert für Querflöte und Streicher in D-Dur, KV 184. Die junge Solistin Johanna Dömötör meisterte das virtuose Werk mit spielerischer Leichtigkeit und einer bewundernswerten Bühnenpräsenz. Kein Wunder, dass die Flötistin, die derzeit an der Musikhochschule Stuttgart studiert, schon hochkarätige Preise gesammelt hat. Ihr Auftritt wurde mit begeistertem Beifall quittiert.
Mit Variationen über das Volkslied »Hänschen klein« wurde das Publikum zu einem Ratespiel aufgefordert. Der Stil der Variationen sollte erraten werden. Aber selbst das letzte Rätsel, eine vermurkste Version des Volksliedes eines »Musikstudenten« im sechsundzwanzigsten Semester (!) wurde erraten und mit einer Flasche Sekt belohnt. Als Zugaben spielte das »Collegium musicum« passend zur Jahreszeit »Summertime« von George Gershwin, den letzten Satz aus Mozarts »Divertimento F-Dur« und Scott Joplins »Entertainer«. Mit viel Beifall wurden die Akteure am Ende vom Publikum für eine sehr amüsante Serenade belohnt.
Klaus Leopold
Musik entfaltete hypnotische Wirkungen
Mozart und Schubert glänzten in der Stadthalle Oberkirch
Oberkirch. Die heiteren und melancholischen Stimmungen, die ausstrahlungsintensiven Melodien und Klänge weckten tief empfundene Freude, so überzeugend spielte das Collegium musicum Oberkirch unter der Leitung von Prof. Jochen Lemme beim Frühjahrskonzert des Orchestervereins in der Stadthalle. Das Orchester verfügte über eine Streicherbesetzung, deren technische Brillanz zur Darstellung Mozartscher Feinstruktur taugte, deren spielerische Leichtigkeit die Zartheit einer Duftwolke und deren Vehemenz die Kraft eines tosenden Sturzbachs erreichen konnte. Diese Ausdrucksfähigkeit wurde effektvoll ergänzt durch die wunderbaren Flöten, Oboen und Hörnerpassagen bei Mozart und bei Schubert außerdem durch die herrlichen Fagott-, Trompeten- und Paukenklänge. Das Orchester stellte dieses Mal auch die Solisten: die Lehrer an der Musikschule Oberkirch Jörg Werner, Violine, und Michael Klett, Viola, spielten in Mozarts Konzert für Violine und Viola einen bezaubernden Part.
Dabei hätte man hinter dem Programm eine solche Vielfalt nicht vermutet. Mozart und Schubert stehen für den Musikstil der Wiener Klassik und nur 30 Jahre trennen sie voneinander. Dennoch lagen zwischen den Musikstücken Welten und das machte den Abend so farbig und spannend und zeugte von einer guten Programmauswahl.
Die Sinfonie Nr.29 A-Dur KV 201 hat W.A. Mozart 1774 in Salzburg geschrieben. Er war damals 18 Jahre alt. In ihr klingt die Zeit der italienischen Reisen fort, denn dieses Werk strahlt südländische Sonne und Heiterkeit aus. Die frischen Tempi, die Leichtigkeit und Klarheit, mit der die Motive artikuliert wurden, das muntere Spiel der Streicher, der Flöte, Oboen und Hörner weckten frühlingshafte Aufbruchstimmung.
Die Aufgeschlossenheit des Orchesters für die feinsinnigen offenliegenden Werkstrukturen kam auch dem nächsten Musikstück sehr zustatten, Mozarts Konzert für Violine und Viola. Es betonte mehr die Moll-Modalität und hatte im Andante geradezu russisch elegische Züge. Die beiden Solisten Jörg Werner, Violine und Michael Klett, Viola, spielten ein wunderbares Spiel. Wie sie die Charaktere ihrer Instrumente ausspielten und gegenüberstellten, die tragend glänzende Stimme der Violine und den kräftig warmen, in tiefen Lagen geradezu celloartigen Klang der Viola! Wie sie wie aus einem Guss zusammenspielten! Wie sie sich die Bälle zuwarfen und in welch geschmackvoller Weise sie die offen liegenden Stimmen ausgestalteten und zu einem Ganzen zusammenwachsen ließen, war eine Freude. Auch das Zusammenspiel mit dem Orchester war gut abgestimmt, Solisten, Hörner und Holzbläser mischten herrliche Klangfarben. Im Presto fielen die Schranken hochgeistiger Kultiviertheit zugunsten eines überschäumenden Temperaments, sodass der Satz geradezu zu einem Rausschmeißer vor der Pause wurde.
Die 1. Sinfonie 19jährigen Franz Schubert aus dem Jahre 1803 setzte nochmals eins drauf. Nicht nur dass das Klangfarbenspektrum durch Trompeten und Pauken erweitert war, auch die ganze Art zu komponieren setzte im Orchester neue Kräfte frei. Ein bisschen Melancholie klang eingebetet in den tänzerischen 2. Satz an. Sonst schäumte die Musik über vor eingängigen Melodien, harmonischen Einfällen und lebensstrotzenden Rhythmen. Das Orchester hatte so die Möglichkeit alle seine Kräfte zu mobilisieren und ein glänzendes Finale zu gestalten.
Kurt Bayer
Strahlendes D-Dur, Trompetenschall und Paukenwirbel,
dazu ein gediegener Streicherklang
Achern (lub). Strahlendes D-Dur, Trompetenschall und Paukenwirbel, dazu ein gediegener Streicherklang - Musik von Johann Sebastian Bach. Einen festlicheren, höher gestimmten Auftakt kann ein Konzert kaum haben. Anläßlich seines bevorstehenden 60. Geburtstages hatte Acherns Kulturbeauftragter, Professor Joachim W. Lemme, am Sonntag abend in die Katholische Pfarrkirche Unserer Lieben Frau zu einem festlichen Kirchenkonzert eingeladen. Unter Jochen Lemmes souveränem Dirigat erklang die Orchestersuite, Nr.3, D-Dur von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) sowie das Klarinettenkonzert, A-Dur, KV 622 und die „Credomesse“, C-Dur, KV 257, von Wolfgang Amadeus Mozart (156 bis 1791). Ausführende waren Christopher Corbett (Klarinette), das Vokalsolistenquartett Christine Brenk (Sopran), Ursula Eittinger (Alt), Andreas Weller (Tenor) und Markus Flaig (Bass), sowie der Orchesterverein „collegium musicum“ Oberkirch. Die chorischen Aufgaben erfüllte ein etwa hundertköpfiger Projektchor aus Mitgliedern des Motettenchores Achern und des Kirchenchores „St.Peter und Paul“ Bühl sowie des Kirchenchores „St.Bernhard“ Fautenbach, deren einstudierende Probenarbeit von Norbert Jeanjour (Achern, Bühl) und Gabriele Sichler-Karle (Fautenbach) geleistet worden war. Die musikalische und organisatorische Gesamtleitung des im Rahmen der kommunalen Veranstaltungsreihe „gong Achern“ stattfindenden Konzertes lag in den Händen von Jochen Lemme. So groß war der Publikumsandrang, daß die Abendkasse letztlich nur noch Stehplätze zu vergeben hatte.
Nach der großartigen, schwungvollen und kräftigen, französisch akzentuierten Ouvertüre D-Dur, folgt in Bachs Orchestersuite Nr.3, quasi als „Herzstück“, das einzigartige, italienisch geprägte Air, das Jochen Lemme und "sein", seit 1997 von ihm betreutes Oberkircher Orchester mit tiefem Gefühl und überlegenem Klangsinn in die französische Umgebung der übrigen, nach einem genialen dramaturgischen Plan angeordneten Sätze hinein akzentuierte. Es ist ein an Vivaldi orientiertes Adagio, dessen Tempo im Vergleich zu den ansonsten sehr frisch genommenen Tanzsätzen bis zu kontemplativer Gelassenheit zurückgenommenen wurde. Jochen Lemme verstand es, gesangliche Linien der Partitur freizulegen, die er zu einer beglückenden klanglichen Skulptur zu verbinden verstand. In den drei folgenden folgenden französischen Tanzsätzen, deren gültige Interpretation ein Höchstmaß an rhythmischer Akzentuierung und ensembledienlicher Präzision erfordern, zeigte sich das Oberkircher Kammerorchester mit seinem Konzertmeister Michael Klett bestens gewachsen. Tänzerischer Gestus, klangliche Transparenz und kraftvolle Artikulation sicherten der Interpretation ihre Lebendigkeit und einen beglückend umfassenden Klangsinn.
Nach seinen musikalischen Anfängen als Klarinettenschüler von Rudolf Heidler und Karl Schlechta vom SWR-Sinfonieorchester hat der 1979 in Bühl/Baden geborene Musiker Christopher Corbett inzwischen ein künstlerisches Profil gewonnen, das ihn zum gefragten Ensemblespieler namhafter Orchester und zum virtuosen Solisten macht. In Achern interpretierte er das zum genialen Spätwerk der Wiener Klassik gehörende Klarinettenkonzert A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. In seiner gelösten, heiteren Atmosphäre finden sich kaum Spuren der düsteren Stimmung in der sich Mozart 1791 befand. Noch heute stellt das wohl berühmteste aller Klarinettenkonzerte an den Interpreten, trotz der modernen, agileren Instrumente, ein Höchstmaß an virtuoser Handhabung. Nicht nur der Gebrauch der Tonfarben in den verschiedenen Register gelang Christopher Corbett vorbildlich. Auch in der dialogisierenden „Klangrede“ mit dem flexibel begleitenden Orchester und seinem umsichtigen Dirigenten konnte sich der jugendliche Interpret, der seit September 2002 als Soloklarinettist beim Deutschen Symphonieorchester Berlin beschäftigt ist, bestens aufgehoben fühlen. Einen klanglichen Höhepunkt bot der zweite Satz Adagio mit seiner breit ausschwingenden Kantilene, die sich über dem von Flöte, Fagott und Horn harmonisierten Kammermusiksatz erhebt, bevor Christopher Corbett und das Orchester in das mitreißende, farbig geschmeidige Rondo einmündeten.
Festlich repräsentativ sind die „Salzburger Messen“, die Mozart bis zu seinem „Rauswurf“ durch Fürsterzbischof Colloredo für den liturgischen Gebrauch zu liefern hatte. So auch die Messe in C-Dur, KV 257, deren ausgeprägtes „Credo“ dem Werk den Namen „Credomesse“ verlieh. Das harmonisch bestens aufeinander abgestimmte Solistenquartett bot eine überzeugende Leistung, ohne stimmlich allzu sehr gefordert zu sein. Der Bühler, Acherner und Fautenbacher Projektchor bestach durch klangvolles Volumen, klare Artikulation und gute Textverständlichkeit sowie durch makellose Intonation. Ebenso wie die Sänger-Ensembles folgte das bläserverstärkte "collegium musicum“ den künstlerischen Intentionen von Dirigent Jochen Lemme und ließ im Zusammenklingen mit allen Beteiligten den Zuhörern das Konzert zu einem musikalischen Ereignis ersten Ranges in der Region werden.
Thomas Lubkowski
Ein Fest der Klassik in der Kirche
Weihnachtskonzert bot höchste Qualität und mitreißende Musik
Pianistin Elena Kuschnerova löste Begeisterungsturm aus.
Kette voll musikalischer Juwelen
Collegium musicum und Pianistin Elena Kuschnerova zeichneten überragendes Klangbild
Oberkirch. Emotionale Hochspannung und elektrisierende Kunstfertigkeit machten das Weihnachtskonzert des Orchestervereins zu einem einzigartigen Erlebnis, so tief wurden die Sinne berührt und so hoch schäumten die Wogen der Begeisterung. Es waren verschiedene Komponenten, die sich zu solcher Wirkung bündelten. Dirigent Jochen Lemme hatte geschmackvoll Werke aus der Romantik ausgewählt: die Ouvertüre „im italienischen Stil“ von Franz Schubert, das 2. Konzert für Klavier und Orchester von Fréderic Chopin und die 4. Sinfonie von Robert Schumann. Das collegium musicum ist hinsichtlich der Besetzung und der Leistungsstandarts zu einem Klangkörper herangereift, der in der „Amateurliga“ seinesgleichen sucht. Und für das Klavierkonzert konnte mit Elena Kuschnerova eine außergewöhnlich exzellente Künstlerin gewonnen werden.
Von Anfang an, schon bei der Schubert – Ouvertüre, zeigte das Orchester Gestaltungskraft. Die Töne plätscherten nicht so dahin, sie entwickelten Spannung und Dynamik, die Klangfarben hatten Ausstrahlung, das Orchester bestand nicht aus einer Vielzahl von „Einzelkämpfern“, es bildete einen wohlabgestimmten Organismus. Schuberts einfühlsame Melodik und farbenfrohe Orchestrierung kam deshalb voll zur Geltung.
Dank der überragenden Kunstfertigkeit der Pianistin Elena Kuschnerova bildete das Klavierkonzert Nr.2 f-moll von Chopin ein besonders kostbar gefertigtes Juwel innerhalb des Konzertes. Kuschnerova spielte souverän auswendig, mit Blick fürs Detail und fürs Ganze. Sie konnte Gegensätze ineinander fließen lassen. Sie verband atemberaubende Geläufigkeit mit ruhiger Gelassenheit und kraftvolle Themenarbeit mit lustvoller Verspieltheit. Im Maestoso tummelten sich die Klaviertöne wie muntere Fische durch den ruhig wogenden Ozean der Streicher. Das Larghetto verbreitete zunächst weihevolle Stimmung und stieß schließlich in abgründige Tiefen der Seele vor. Im Allegro vivace tauchte die Musik wieder ein in die scherzhaft fröhliche Welt der Mazurka. Das Orchester begleitete feinfühlig, nahm die Impulse des Klaviers auf und so entstand ein musikalisches Gesamtbild, das man mit höchster Freude genießen konnte.
Orchestraler Glanzpunkt war die Wiedergabe der Sinfonie Nr. 4 d-Moll von Robert Schumann. Bei diesem Werk, das nicht einfach nur romantisch ist, sondern auch in extreme Bereiche des Ausdrucks vorstößt, bestätigte sich in eindrucksvoller Weise, was schon bei Schubert-Ouvertüre aufgefallen ist: das Orchester verfügt über hervorragende Instrumentalisten. Die Holzbläser, die Blechbläser, die Streicher formten mit Ausdruckskraft und Variationsreichtum Töne und Klänge, die begeisterten. Dabei entwickelte sich eine reiche Motivarbeit, entstand eine lebhaft differenzierte Rhythmik und bildeten sich eindrucksvolle Klangflächen und -mischungen. Als das wunderbar scherzhafte Scherzo vorüber war, gab es für das Orchester kein Halten mehr. Im 4. Satz begann gleichsam ein Wetteifern unter den Musikern und Klangregistern, wie sie ihre Freude am Musizieren wohl am besten zum Ausdruck bringen könnten, was zu einer weiteren Ausdruckssteigerung führte.
Mit diesem Weihnachtskonzert zeigte das collegium musicum des Orchestervereins Oberkirch einmal mehr, dass es einen hervorragenden Platz in der Kulturlandschaft einnimmt. Jochen Lemme ist der richtige Mann an der Spitze dieses Ensembles. Er nutzt die Motivation der Musikerinnen und Musiker und führt sie zu Leistungen, von denen man mit Hochachtung spricht.
Kurt Bayer
Freude am Musizieren war spürbar
collegium musicum gestaltete ohne auswärtige Unterstützung ein gelungenes Konzert.
Lebendig sprudelnde Freude am Musizieren und wacher Sinn für die in den Musikstücken wohnenden Köstlichkeiten machten das Konzert des collegium musicum zu einer Quelle der Erquickung, die die Unbilden der Hitze am Sonntagabend aufs Angenehmste kühlte. Obwohl „nur“ Streicher hinter den Pulten saßen, war der Abend voller Abwechslung und Ausdruckskraft. Das Programm sah auf den ersten Blick eher bescheiden aus: Wolfgang Amadeus Mozart, Sinfonie F-Dur KV 138, Johann Sebastian Bach, Violinkonzert a-Moll, Edvard Grieg, Holberg-Suite, Benjamin Britten, Simple Symphonie. Aber wie Jochen Lemme diese Musik mit seinem Orchester musizierte, war ein erstklassiger Hochgenuss, so klangschön und intelligent waren die Interpretationen.
Schon die Mozartsinfonie bezauberte durch die saubere, klare Wiedergabe, vor allem aber durch die Leichtigkeit, in der sämtliche Niedrigkeiten des Alltags entschwebten. Diese Souveränität, sich ganz der Musik hingeben zu können, lebte auch in Bach’s a-Moll-Konzert weiter. Michael Klett, der Sologeiger, bettete seine Violinstimme wunderschön in den Orchesterpart ein. Sein Spiel war voller Feingefühl und frei von vordergründigem Ballast – ein liebreizender Kontrast zu dem festgefügten Satz des Orchesters, das die thematische Struktur wirkungsvoll webte.
Besonders bei der Holberg-Suite von Grieg ging öfters ein Prickeln durch die Haut. Da gab es die herrlichen Soli der Cellogruppe, das lebendige Wechselspiel zwischen Violine und Viola. Da konnte man im Orchester die Strichtechnik und köstliche Pizzikato-Stellen bewundern , vor allem die spannungsvolle Dynamik, die in der Air ihren Höhepunkt erlebte.
Auch bei der Simple Symphonie von Britten, die ja oft gespielt wird – auch von Anfänger-Orchestern – wurde man sehr überrascht von der Ausdruckskraft und Schönheit, die dieses Werk entfaltet. Die Sätze hatten Charakter. Leicht zu übersehende Details wurden sichtbar, und immer wieder freute man sich an den satten Tönen des Orchesters. Das Publikum blieb trotz der Hitze bis zum Schluss quicklebendig.
Das Orchester bedankte sich für den reichen Applaus mit einem Walzer von Tschaikowsky und der Pizzicato-Polka von Johann Strauss.
Kurt Bayer
Mit Corelli-Sätzen beschenkt
„Collegium musicum“ überzeugte mit niveauvollem Weihnachtskonzert
In der voll besetzten Erwin-Braun-Halle in Oberkirch führte das „collegium musicum“ unter seinem Dirigenten Professor Jochen Lemme hochkarätige Werke von Rameau, Bach und Haydn auf.
Als Konzerteinstieg präsentierten Jochen Lemme und sein ausgewogen besetztes Orchester eine siebenteilige Ballett-Suite von Jean-Philippe Rameau (1683 – 1764), deren reizvolle Tanzminiaturen dank konzentrierter und musikalisch qualifizierter Ausreizung barocke Lebensfreude versprühten.
Dagegen gab sich das Konzert f-Moll für Klavier, Streicher und Continuo von Johann Sebastian Bach, in der Urfassung wohl als Violinkonzert konzipiert, in den Ecksätzen spielerisch gelöster und beinhaltete im Mittelteil ein sehr schön gespieltes Largo. Obwohl Bach die Erfindung des Klaviers (klanglich nicht mit dem heutigen zu vergleichen) noch miterlebt hat und man von „Klavierkonzert“ sprechen kann, bevorzugen die meisten Interpreten das Cembalo für den Solopart. Der spezifisch silbrige Klang gibt dem Werk eine wohltuende Frische. Dessen ungeachtet wählte Thomas Strauß den Flügel. Mit Anschlagsdynamik und tadelloser Technik brachte er die Pianoversion voll zum Tragen. Das von Lemme hervorragend motivierte Orchester agierte auf hohem Niveau und sorgte so für eine sehr ansprechende Gesamtrealisation.
Nach der Pause interpretierte Florian Hasel, Solo-Englischhornist im SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden, das Konzert A-Dur, BWV 1055 (auch praktiziert als Violinen- und Klavierkonzert) von. J.S.Bach. Die drei Sätze, in dieser Version schwer zu realisieren, kamen tonal prächtig in souveräner Melismatik im langsamen Mittelteil sowie mit Frische bei den zügigen Tempi an. Darüber hinaus sorgte ein gut mitziehender Orchesterapparat für entsprechenden Kunstgenuss. Joseph Haydn liegt dem „collegium musicum“ besonders gut. So präsentierten die Musiker als Abschluss des offiziellen Programms die niveauvolle G-Dur-Sinfonie Nr. 88 aus dem Jahre 1787. Beethoven selbst hat das Hauptthema im Finale seiner achten Sinfonie übernommen. Dank der souveränen Schlagtechnik des Dirigenten Lemme hatten die Strukturen einen wohlkonturierten Charakter. Auch die charakteristischen Details waren gut markiert und von hervorragenden Bläsern und guten Streichern musikalisch auf hohem Level gestaltet. Das glanzvolle Finale mündete in den kraftvollen Beifall der begeisterten Zuhörer, die als Zugabe mit zwei Corelli-Sätzen inklusive der „Pastorale“ beschenkt wurden.
Gunter Thiel
Mozarts munteres Plätschern mit Tiefgang aufgetischt
Gerrit Zitterbart und „collegium musicum“ spielten mit perlender Präzision.
Bot dem Publikum nicht nur Galanterien, sondern auch „wunderbar schmackhafte Heilkost für die Seele“. So wohltuend war das Rendezvous mit den vielen musikalischen Köstlichkeiten.
Unter der Leitung von Jochen Lemme zeigten sich Orchester und Solisten in Hochform. Sie vermochten sowohl mit dem Charme zu kokettieren als auch die Tiefenschichten der Kompositionen auszuloten.
Mozarts wirkungsvolle Streichersätze lassen immer wieder die Herzen höher schlagen. Und das Oberkircher „collegium musicum“ packte die Gelegenheit beim Schopf, meisterhafte Musik gekonnt darzustellen. Die „Kleine Nachtmusik“ klang lieblich und duftig, aber auch knackig und herzhaft dank der Tongestaltung und rhythmischen Prägnanz.
Die tiefsten Eindrücke hinterließ das Konzert für Klavier und Orchester C-Dur KV 467. Der international bekannte Pianist Gerrit Zitterbart zeichnete die Themen und Entwicklungen mit ungeheurer Klarheit und perlender Präzision. Am meisten beeindruckte seine Fähigkeit, den Tönen Leben einzuhauchen. So schaute bei aller kristallklaren Brillanz der Spieltechnik immer auch der geheimnisumwobene Urgrund hindurch. Seine Soli beispielsweise in den Kadenzen entfalteten Virtuosität und Aussagekraft. Er klinkte sich souverän in die Orchestermusik ein und führte aufmerksam Dialoge mit dem Orchester.
Innere Saiten klangen.
Nach der Pause wurde professionelle klassische Unterhaltung geboten, die Volkslied und –tanz einbezog. Das Divertimento Nr. 11 D-Dur KV 251 für Streicher, 2 Hörner und eine Oboe geschrieben hatte durchweg sonnigen Charakter. Die Spielfreude entzündete sich immer wieder frisch an Soloeinlagen. Die gefühlvollen Gesänge der Oboe sorgten für das notwendige Sentiment. Die Streichquartetteinlagen vergnügten mit spritzigen Einfällen. Das Tutti belebte durch Melodienfreude, malte Klangfarben und bestach durch charaktervolle Rhythmen, die geistreich und humorvoll kombiniert wurden. Zum Humor passte die Reaktion Lemmes auf das Klatschen des Publikums vor dem letzten Satz. Er tat so, als ob das Stück zu Ende wäre und spielte den herrlichen „Marcia alla francese“ als Zugabe. Der jubelnde Beifall und das außerordentlich gut gefüllte Haus wurden schließlich mit der vorbereiteten Zugabe quittiert.
Das Andante aus der „Linzer Sinfonie“ war der richtige Abschluss, denn er hatte wieder die volle Orchesterbesetzung und malte ein ergreifendes Tongemälde.
War Mozart leichte Kost? Nur vordergründig. Was für den Hörer so munter dahersprudelte, kam aus tieferen Schichten. Die Interpreten waren voll gefordert, damit sie das „klare Wasser“ nicht trübten. Der Oberkircher Mozartabend bereitete ungetrübte Freude.
Kurt Bayer
„Collegium musicum“ bot anspruchsvollen Abend
Weihnachtskonzert in der ausverkauften Erwin-Braun-Halle/ Thomas Strauß als „Stargast“
Rituale müssen sein. Besonders zu Weihnachten. Und so erklang traditionsgemäß als Zugabe ein Ausschnitt aus Arcangelo Corelli’s Concerto grosso Nr. 8 g-Moll mit der berühmten Pastorale zum Abschluss des begeistert vom Publikum aufgenommenen Weihnachtskonzertes des Orchestervereins „collegium musicum“ Oberkirch.
In der restlos ausverkauften Erwin-Braun-Halle musizierten unter der Leitung von Jochen W. Lemme die Solisten Thomas Strauß (Klavier) und Florian Hasel (Oboe d’amore). Auf dem Programm standen die Ballettsuite „Dardanus“ von Jean Philippe Rameau, das Solokonzert von Johann Sebastian Bach und die Sinfonie Nr. 88, G-Dur des Großmeisters der Wiener Klassik, Joseph Haydn.
Dabei erwies sich das seit 1997 vom Acherner Kulturbeauftragten Jochen Lemme geleitete „collegium musicum“ als souveräner höchst motiviert aufspielender Klangkörper, der die nicht geringen, ehrgeizigen musikalischen Aufgaben mit Hingabe, Begeisterung und beträchtlichem musikalischen Können meisterte. Das seit 1921 bestehende Traditionsorchester vereint Musiker unterschiedlicher Generation, wobei die große Anzahl junger, durch die Musikschulen bestens ausgebildeter Instrumentalisten auffällt.
Das von Jochen Lemme künstlerisch geleitete Oberkircher „collegium musicum“ mit Konzertmeister Michael Klett „verstärkt“ sich namentlich in den Holzbläsern mit Profimusikern. Das kommt erweiterten Möglichkeiten der Repertoiregestaltung und der Pflege der orchestralen Spielkultur entgegen. So war das erfreuliche künstlerische Gelingen des anspruchsvollen Weihnachtskonzertes nicht nur für die Zuhörer ein musikalischer Genuss. Auch Solisten, Orchester und Dirigent erhielten in Form von herzlichem Beifall eines zufriedenen Publikums den Lohn für Wochen und Monate angestrengter, mühevoller Probenarbeit.
Begeisterung vermag Dirigent Jochen Lemme auch im Konzert weitgehend auf seine Musiker zu übertragen. Diese folgen ihm bereitwillig bei der klanglichen Umsetzung seines akzentuierten, dabei die Möglichkeiten eines – wenn auch sehr guten – Amateurorchesters berücksichtigenden , Gestaltungswillens. Besonders eindrücklich gelang die Ausformung musikalischer Bögen bei der inspirierten und frisch zupackenden Interpretation barocker Klangpracht und kontrapunktischer Finessen bei Rameau und Bach.
Bei der Durchdringung der Haydn-Partitur zeigten sich jedoch trotz vieler „schöner Stellen“ namentlich im zweiten Largo und im furiosen Finale deutliche rhythmische Reserven und klangliche Grenzen der orchestralen Möglichkeiten.
Als besonderer Glücksfall in einem insgesamt erfreulich gelungenen Konzert darf die Verpflichtung des Ortenauer Bachspezialisten Thomas Strauß (Klavier) und dem SWR-Solo-Englischhornisten Florian Hasel gelten, die ihre anspruchsvollen Solistenparts mit technischer Bravour, musikantischem Einfühlungsvermögen und mitreißend phrasiertem Klangsinn erfüllten.
Thomas Lubkowski